Warum Wonder Man gerade selbst Kritiker überrascht

·26.04.2026, 19:30 Uhr·3 Min
Bild: Disney+ · TMDB

Wonder Man erreicht 91 Prozent bei Rotten Tomatoes und wurde für Staffel 2 verlängert. Die Marvel-Serie mit Yahya Abdul-Mateen II und Ben Kingsley als Trevor Slattery läuft auf Disney+. Sie gilt als direktes Gegenmittel zur Superhelden-Müdigkeit im Streaming-Markt.

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Der Witz, der alles startete

Regisseur und Produzent Destin Daniel Cretton hatte am Set von Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings eine Idee, die er selbst nicht ernst nahm. Er liebte die Arbeit mit Sir Ben Kingsley als Trevor Slattery und fand, dass die Figur in jedem Auftritt herausstach, aber nie wirklich ausgeschöpft wurde. Daraus entstand ein Scherz-Pitch an seinen Produzenten Jonathan Schwartz: 'Wir sollten Trevor Goes To Hollywood machen.'

Schwartz nahm den Witz weiter und ließ von der Grafikabteilung tatsächlich ein Poster im Stil der 1980er-Jahre anfertigen: Trevor Slattery in einem Cabrio, der Titel darüber. Cretton sah das Bild und war überzeugt: Diese Serie muss gemacht werden. Was als Gag begann, wurde zum Ausgangspunkt eines echten Projekts.

Als die Idee in den offiziellen Entwicklungsprozess bei Marvel überging, stellte sich heraus, dass gleichzeitig ein Konzept für Wonder Man in Entwicklung war. Beide Ideen fanden zueinander, und Autor und ausführender Produzent Andrew Guest half dabei, den endgültigen Ton der Serie zu formen.

Trevor Slattery als unwahrscheinlicher Held

Ben Kingsley spielt Trevor Slattery, eine Figur mit einer ungewöhnlichen Geschichte im Marvel-Universum. In Iron Man 3 wurde er als scheinbarer Schurke eingeführt, entpuppte sich jedoch als Schauspieler, der für die Rolle des Mandarin missbraucht wurde. In Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings tauchte er erneut auf, diesmal in einer komödiantischen Nebenrolle.

Trotz dieser Auftritte war Trevor Slattery nie eine besonders prominente oder populäre Figur. Das machte Wonder Man zu einem echten Risiko: Eine Serie, die auf einem umstrittenen Charakter aufbaut, dessen bisherige Auftritte die Fans gespalten hatten. Yahya Abdul-Mateen II übernahm die Titelrolle des Simon Williams, während Arian Moayed ebenfalls zum Ensemble gehört.

Genau diese Unbekanntheit erwies sich letztlich als Stärke. Die Serie musste keine schwere Erwartungshaltung erfüllen und konnte ungewöhnliche Wege gehen, was Kritiker und Publikum gleichermaßen überraschte.

Streik und Absage-Gefahr überstanden

Wonder Man hatte einen schwierigen Weg hinter sich, bevor die erste Staffel überhaupt zu sehen war. Die SAG-AFTRA- und WGA-Streiks im Jahr 2023 brachten die Produktion in Gefahr. Marvel nutzte die Pause, um die eigene Strategie zu überdenken, und das Projekt geriet dabei unter Druck.

Cretton beschrieb Wonder Man als kreatives Risiko, das Marvel während der Streikzeit erneut abwägen musste. Die Serie lief lange als Geheimprojekt, getragen von den wenigen Leuten innerhalb von Marvel, die an das Konzept glaubten.

Dass die Serie dennoch fertiggestellt und veröffentlicht wurde, zeigt, wie sehr das interne Vertrauen in das Projekt letztlich überwog. Die Reaktionen nach der Veröffentlichung gaben den Befürwortern recht.

Kritiker feiern die Marvel-Serie

Wonder Man erreicht 91 Prozent bei den Kritikern und 87 Prozent beim Publikum auf der Bewertungsplattform Rotten Tomatoes. Damit gehört sie zu den bestbewerteten Marvel-Produktionen überhaupt und wird vielfach als willkommene Abwechslung vom klassischen Superheldenformat gelobt.

Die Serie positioniert sich bewusst anders als typische MCU-Produktionen. Der Fokus liegt auf Hollywood, Schauspielerei und Identität, nicht auf Weltenrettung und Actionsequenzen. Diese Herangehensweise trifft offenbar einen Nerv bei einem Publikum, das zunehmend von Superhelden-Formeln ermüdet ist.

Mit der Verlängerung für eine zweite Staffel bestätigt Disney+, dass das Experiment als Erfolg gewertet wird. Ein konkreter Starttermin für die Fortsetzung steht noch aus.

Seltene Ehre im MCU-Streaming

Wonder Man ist erst die dritte Echtfilm-MCU-Serie auf Disney+, die mehr als eine Staffel erhält. Loki war von Anfang an als Zwei-Staffeln-Konzept geplant. Daredevil: Born Again befindet sich derzeit mitten in der Veröffentlichung der zweiten Staffel und dreht bereits die dritte.

Alle anderen MCU-Serien auf Disney+, darunter WandaVision, Falcon and the Winter Soldier, Hawkeye und Moon Knight, endeten nach einer Staffel. Dass Wonder Man in diese exklusive Gruppe aufgenommen wird, unterstreicht, wie außergewöhnlich der Empfang der Serie war.

Für Marvel und Disney+ ist die Verlängerung auch ein strategisches Signal: Unkonventionelle Konzepte, die abseits des klassischen Superheldenformats liegen, können erfolgreich sein und bekommen eine Chance auf Fortsetzung.

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Quelle: Disney+Zuletzt aktualisiert: 26.04.2026, 19:30 Uhr

Artikel geschrieben von:

Mia Braun
Autor
Mia Braun
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Mia Braun ist Redakteurin bei serien.de mit Fokus auf moderne Streaming-Serien und detaillierte Episodenanalysen.

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