Millionen Euro, sechs Folgen, gestrichene Ableger: Citadel überzeugt trotzdem das Publikum
Platz zwei weltweit, obwohl kaum jemand Werbung dafür gesehen hat. Richard Madden und Priyanka Chopra Jonas ziehen mit Citadel auf Amazon Prime Video Millionen Zuschauer an. Damit beweist die teuerste Spionageserie der Welt, dass ein holpriger Start kein Todesurteil ist.
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Amazons teuerste Wette auf Spionage
Citadel gehört zu den kostspieligsten Serienprojekten, die je in Auftrag gegeben wurden. Rund 275 Millionen Euro flossen in die erste Staffel, die aus gerade einmal sechs Episoden besteht. Zum Vergleich: Amazon hatte zuvor bereits rund 920 Millionen Euro für die Rechte an einer neuen Herr-der-Ringe-Serie ausgegeben.
Das Konzept war von Anfang an groß gedacht: eine globale Spionageserie, die ein gemeinsames Serienuniversum begründen sollte. Für die Umsetzung holte Amazon die Regisseure Joe und Anthony Russo an Bord, die zuvor mit Avengers: Infinity War und Avengers: Endgame Kinogeschichte geschrieben hatten.
Der Anspruch war klar: Citadel sollte Amazons Antwort auf James Bond werden, noch bevor der Konzern die Kontrolle über das Bond-Franchise selbst übernahm.
Turbulenter Start mit Neudreh
Die erste Staffel verlief alles andere als reibungslos. Hinter den Kulissen kam es zu schwerwiegenden kreativen Konflikten, die dazu führten, dass weite Teile der bereits abgedrehten Folgen neu verfilmt wurden. Das ursprüngliche Kreativteam musste das Projekt verlassen und machte einem neuen Autorenteam Platz.
Das Ergebnis spaltete Kritik und Publikum. Auf der Bewertungsplattform Rotten Tomatoes landete die erste Staffel bei einem Score von 51 Prozent, was für eine Produktion dieser Größenordnung als enttäuschend gilt. Die Premiere fand 2023 statt, begleitet von einer aufwendigen Marketingkampagne.
Richard Madden als Agent Mason Kane alias Kyle Conroy und Priyanka Chopra Jonas als Nadia Sinh standen dabei im Mittelpunkt, flankiert von Stanley Tucci und Lesley Manville in tragenden Rollen.
Ableger gestrichen, Kernshow überlebt
Auf die erste Staffel folgten zwei Ableger-Serien, die das angestrebte Citadel-Universum ausbauen sollten. Nach einem Führungswechsel bei Prime Video wurden jedoch beide Spin-offs eingestellt, bevor sie ihr volles Potenzial entfalten konnten.
Die Absagen galten weithin als Signal, dass Amazon das ambitionierte Universum-Konzept zurückfährt. Umso überraschender ist es, dass die Mutterserie selbst unbeschadet aus diesem Strategiewechsel hervorging und mit einer zweiten Staffel zurückkehrt.
Die zweite Staffel wurde deutlich zurückhaltender beworben als der aufwendig vermarktete Auftakt, was den Erfolg in den Abrufcharts noch bemerkenswerter macht.
Platz zwei hinter The Boys
Die zweite Staffel debütierte auf Platz zwei der globalen Prime-Video-Abrufstatistik. Nur der Dauerbrenner The Boys konnte sich vor Citadel behaupten. Für eine Serie, die von vielen bereits abgeschrieben worden war, ist das ein beachtliches Ergebnis.
Das Publikum scheint die Figuren rund um Richard Madden und Priyanka Chopra Jonas nicht losgelassen zu haben. Trotz der gemischten Kritiken zur ersten Staffel und der stillen Rückkehr ohne großes Werbeaufgebot strömten die Zuschauer auf Amazon Prime Video.
Ob der Erfolg der zweiten Staffel Amazons Pläne für das Citadel-Universum neu entfachen wird, bleibt abzuwarten. Fest steht: Die Serie hat sich als widerstandsfähiger erwiesen als viele erwartet hatten.
Bond-Ambitionen und Villeneuve-Reboot
Während Citadel seinen zweiten Frühling erlebt, arbeitet Amazon parallel an einem der größten Franchise-Neustarts der Filmgeschichte. Die langjährigen Bond-Hüter Barbara Broccoli und Michael G. Wilson haben die kreative Kontrolle über das Franchise abgegeben. Amazon plant nun einen umfassenden Neustart.
Regisseur Denis Villeneuve, bekannt für Dune und Arrival, soll den nächsten James-Bond-Film inszenieren. Darüber hinaus ist geplant, das Bond-Universum auch auf Streaming-Ebene zu erweitern, womit Citadel als Blaupause für das neue Spionage-Ökosystem dienen könnte.
Amazons Strategie, teure Prestige-Produktionen mit globaler Strahlkraft zu entwickeln, zeigt sich sowohl bei Citadel als auch bei den Bond-Plänen. Die Frage ist nur, ob das Publikum die nächste große Wette des Konzerns ebenso bereitwillig annimmt.
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Artikel geschrieben von:

Anna Schneider analysiert Serien von düsteren Mystery-Stoffen bis zu leichteren Komödien mit Fokus auf Erzählstruktur und Figurenentwicklung.
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