Lange vor Running Point schrieb Mindy Kaling mehr The-Office-Episoden als jeder andere

Einzige Frau im Raum, trotzdem die produktivste Autorin der Serie. Kaling schrieb von 2005 bis 2012 mehr The-Office-Episoden als jeder ihrer männlichen Kollegen. Heute verantwortet sie mit Running Point und Not Suitable for Work zwei Serien gleichzeitig.
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Zwei Serien, ein Moment
Mindy Kaling steht gerade an einem seltenen Punkt ihrer Karriere: Zwei ihrer Serien dominieren gleichzeitig die Aufmerksamkeit. Running Point, die Netflix-Comedy über eine Frau, die plötzlich ein professionelles Basketballteam übernimmt, generiert mit ihrer zweiten Staffel bereits Emmy-Buzz. Not Suitable for Work, eine semi-autobiografische Trilogie, die Kaling als Schöpferin, aber nicht als Darstellerin verantwortet, startete erst kürzlich und kletterte sofort auf Platz eins der Hulu-Charts.
Beim Newport Beach TV Fest, wo Kaling mit dem Artist of Distinction Award ausgezeichnet wurde, erklärte sie die Philosophie hinter Not Suitable for Work: Sie wollte eine Serie über ehrgeizige Zwanzigjährige machen, die hart arbeiten und große Träume haben. 'Ich sehe viele Serien über Zwanzigjährige, die faul sind und keine Karriereambitionen haben, aber das entspricht nicht den jungen Leuten, die ich kenne und die auf meinen Produktionen arbeiten', sagte Kaling.
Running Point mit Kate Hudson in der Hauptrolle zeigt Kalings Gespür für Sport, Witz und weibliche Führungsfiguren. Dass die zweite Staffel bereits als Emmy-Kandidatin gehandelt wird, überrascht jene nicht, die Kalings Weg verfolgt haben.
Von The Office zur Ikone
Mit 24 Jahren betrat Mindy Kaling das Autorenteam von The Office, als einzige Frau in einem Raum voller Männer. Sie schrieb letztlich mehr Episoden als jeder andere Autor der Serie und wurde 2010 zur ersten Frau of Color, die in einer Autoren-Kategorie für einen Emmy nominiert wurde. Ihre Rolle als Kelly Kapoor entstand fast zufällig: Showrunner Greg Daniels brauchte für die zweite Episode, 'Diversity Day', Minderheiten im Büro, die sich über Michael Scotts Verhalten empörten. Kaling stand bereit.
Vor The Office hatte sie gemeinsam mit ihrer College-Freundin Brenda Withers das Off-Broadway-Stück Matt & Ben geschrieben und darin gespielt, in dem sie Ben Affleck verkörperte. Ein TV-Sender zeigte Interesse, wollte aber andere Schauspielerinnen für die Hauptrollen. Kaling und Withers mussten für ihre eigene Serie vorsprechen und bekamen die Rollen nicht. 'Das war die schlimmste Erfahrung', sagte Kaling, 'aber auch das Beste, was mir je passiert ist, denn ohne dieses Scheitern hätte ich nie bei The Office angefangen.'
Kollege B.J. Novak, der bei The Office ebenfalls als Autor und Darsteller tätig war, inspirierte Kaling, beide Rollen anzustreben. John Krasinski stand neben ihr als Beweis, dass das Modell Autor-plus-Schauspieler funktionieren konnte.
Ein Anruf am schlimmsten Tag
The Mindy Project, das von 2012 bis 2017 lief, war Kalings erster Schritt als Schöpferin, Autorin und Hauptdarstellerin ihrer eigenen Serie. Sie war damit die erste Frau of Color, die alle drei Rollen gleichzeitig in einer Netzwerkserie übernahm, und die Sendung war die erste im amerikanischen Netzwerkfernsehen mit einer indisch-amerikanischen Hauptfigur.
Der Tag, an dem Fox-Chef Kevin Reilly anrief, um ihr die Serienbestellung mitzuteilen, war der Tag, an dem Kalings Mutter starb. Kaling befand sich noch im Krankenhaus, als das Telefon klingelte. 'Es war ein Geschenk', sagte sie mit brechender Stimme. 'Nicht nur beruflich, sondern weil es mir half, an etwas anderes zu denken. Ich glaube bis heute, dass es ein Geschenk meiner Mutter war.'
Die Serie ermöglichte ihr außerdem, das zu tun, was sie von Anfang an wollte: romantische Komödien machen. Und mehr als zwei Sätze pro Folge sprechen.
Repräsentation als zweischneidiges Schwert
Marie Claire bezeichnete Kaling als 'die prägende Stimme der ersten Generation asiatisch-amerikanischer Einwanderer'. Der Guardian nannte sie eine der mächtigsten Frauen im Fernsehen. Ehemalige US-Präsident Joe Biden überreichte ihr die National Medal of Arts. Trotzdem, oder gerade deshalb, steht Kaling unter einem besonderen Druck.
Die indisch-amerikanische Community beobachtet ihre Arbeit mit einer Intensität, die andere Serienschöpfer nicht kennen. 'Meine Community ist so ausgehungert nach Repräsentation, dass ein enormer Druck entsteht', sagte Kaling. 'Wenn ich eine bestimmte Art von indischer Person zeige, die andere Traditionen hat als die, die das Publikum kennt, fühlt sich das für manche falsch an.' Diese Spannung begleitet sie seit zwei Jahrzehnten.
Kaling findet trotzdem eine Art Frieden damit: 'Dieselben Menschen, die mich am meisten unter die Lupe nehmen, sind auch diejenigen, die am lautesten für mich eintreten. Ich werde manchmal wütend auf sie, wie man auf Familie wütend wird. Aber es ist mir wirklich wichtig, es für sie richtig zu machen.' Bei Never Have I Ever, ihrer Netflix-Serie von 2020 bis 2023, war die Entscheidung, John McEnroe als Erzähler zu verpflichten, so eine ungewöhnliche Idee, die viele zunächst ablehnten und die sich dann als Markenzeichen der Serie erwies.
Cliffhanger als Produktionsstrategie
Running Point profitiert von einer Technik, die Kaling bei Never Have I Ever für Netflix entwickelt hat: den bewussten Cliffhanger am Staffelende. 'Netflix hat uns das beigebracht', erklärte Kaling. 'Sie wollen, dass du die nächste Staffel schaust, also musst du am Ende etwas so Verrücktes passieren lassen, dass niemand abschalten kann. Das ist ein Verkaufsinstrument.' Produzent Nicholas Duvernay arbeitet ebenfalls an Projekten, die von dieser Logik profitieren.
The Sex Lives of College Girls, die Kaling für HBO Max ko-kreierte und die von 2021 bis 2025 lief, folgte einem ähnlichen Muster. Kalings Produktionsphilosophie ist dabei klar: Ordentliche Abschlüsse sind für das lineare Fernsehen, offene Enden sind für die Streamingplattform.
Mit Running Point Staffel 2 in der Emmy-Diskussion, Not Suitable for Work an der Spitze der Streaming-Charts und einer Karriere, die von The Office bis zur National Medal of Arts reicht, ist Mindy Kaling längst mehr als eine Pionierin. Sie ist der Maßstab.
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Artikel geschrieben von:

Laura Klein ist spezialisiert auf Sci-Fi, Fantasy und Mystery-Serien mit geschultem Blick für Erzähltempo und Figurenentwicklung.
Alle Artikel von LauraLaura hat 3 weitere Artikel zur selben Serie verfasst.