Kein Trost, aber Wahrheit: Was Levinson mit dem Euphoria-Finale wirklich sagen wollte

·01.06.2026, 16:30 Uhr·4 Min
Kein Trost, aber Wahrheit: Was Levinson mit dem Euphoria-Finale wirklich sagen wollte
Bild: HBO · TMDB

Rue Bennett stirbt, und Euphoria ist damit endgültig vorbei. Zendayas Figur erliegt in Staffel 3 einer Fentanyl-vergifteten Pille, HBO bestätigte das Serienende. Sam Levinson hat damit eine der schonungslosesten Sucht-Geschichten des amerikanischen Fernsehens zu ihrem logischen Ende gebracht.

Artikel-Inhalt

Ein Tod verändert alles

Sam Levinson hatte während des Autorenstreiks 2023 eine andere Geschichte für Rue Bennett (Zendaya) geschrieben. Als Angus Cloud, der Fezco in den ersten beiden Staffeln spielte, im Juli 2023 im Alter von 25 Jahren an einer Fentanyl-Überdosis starb, warf Levinson das Konzept über Bord. Der Tod seines Schauspielers zwang ihn, das Finale neu zu denken.

Gegenüber dem New York Times Popcast erklärte Levinson: 'Als er starb, musste ich das Skript neu konzipieren. Ich dachte: Man kann heute keine Geschichte über Sucht erzählen, ohne die ganz realen Konsequenzen zu zeigen. Die meisten Menschen bekommen keine zweite Chance.' Diese Überzeugung formte das Schicksal von Zendayas Figur Rue bis zur letzten Szene.

Im Finale mit dem Titel 'In God We Trust' stirbt Rue Bennett an Fentanyl-versetzten Percocet-Tabletten, die ihr der Drogenboss Alamo Brown, gespielt von Adewale Akinnuoye-Agbaje, als sadistischen Racheakt verabreicht, weil er glaubt, sie arbeite für die DEA. Rues Sponsor Ali, verkörpert von Colman Domingo, tötet Brown schließlich in einem Schusswechsel.

Levinson: Kein Pessimismus, sondern Wahrheit

Levinson betonte, er sehe das Ende nicht als pessimistisch. Die Euphoria-Geschichte sei 'am Ende eine tragische, aber sie ist auch die Wahrheit. Wer heute Drogen nimmt oder ausprobiert, riskiert sein Leben.' Diese Haltung speist sich aus seiner eigenen Geschichte: Levinson ist offen darüber, selbst in Genesung von einer Sucht zu sein.

Besonders die Fentanyl-Krise treibt ihn an. Im Jahr 2023, dem Todesjahr von Angus Cloud, starben in den USA 73.000 Menschen an Fentanyl-Überdosen. 'Ich war wütend auf Fentanyl', sagte Levinson. 'Ich konnte nicht verstehen, warum unser Land so viele Menschen vergiften lässt.'

Für Levinson geht es darum, das Publikum in die Position eines Familienmitglieds zu versetzen, das jemanden durch Sucht verliert. 'Ich wollte dieses Gefühl spiegeln. Ich liebe Rue, und das Publikum liebt Rue. Und genau das sollte der Abschied auslösen.'

Angus Cloud: Ein Tribut im Finale

Levinson hielt Fezco in der dritten Staffel am Leben, schickte die Figur aber als Konsequenz des zweiten Staffelfinales ins Gefängnis. Im Finale glaubt das Publikum zunächst, Fezco sei entkommen, bevor sich Rues letzte Szene als Halluzination entpuppt. Unveröffentlichtes Filmmaterial von Rue und Fezco gemeinsam wurde als Tribut an Cloud eingebaut.

Bei einer Vorführung im Brooklyn Paramount Theater in New York widmete Levinson seine Eröffnungsrede Cloud. 'Diese Staffel haben wir Angus verloren. Viele von euch haben ihn so geliebt wie ich. Er hatte ein Licht, das einen ganzen Raum füllen konnte. Er verdiente mehr Zeit. Aber er wurde, wie viel zu viele Menschen in diesem Land, von Fentanyl genommen', sagte er vor dem Publikum.

Storm Reid, die Rues Schwester spielt, und Nika King als Rues Mutter kehrten für die Finalszene zurück. Die Stille im Saal während Rues letztem Moment beschrieben Augenzeugen als absolut.

Das endgültige Ende der Serie

HBO hat bestätigt: Euphoria ist nach drei Staffeln abgeschlossen. Levinson selbst formulierte es klar: 'Was die Geschichte betrifft, die wir erzählen wollten, nämlich eine Geschichte über Sucht und ihre Konsequenzen, fühlt sich das für mich wie das Ende an.' Eine offizielle Bezeichnung als 'Serienfinale' hatten Levinson und HBO zunächst vermieden, die Botschaft ist jedoch eindeutig.

Zwischen dem Ende der zweiten und dem Beginn der dritten Staffel lagen vier Jahre Echtzeit. Die Produktion war mit 178 Drehtagen außergewöhnlich aufwendig. Die Serie sprang in der Handlung fünf Jahre nach vorne und zeigte eine erwachsene Rue als Drogenkurierin, die für rivalisierende Kartelle arbeitet.

Martha Kellys Figur Laurie nimmt sich im Finale das Leben. Jacob Elordis Nate (Jacob Elordi) stirbt bereits in der vorletzten Episode. Levinson erklärte, er betrachte die Serie eher wie einen Film: Manche Figuren rücken in den Vordergrund, andere in den Hintergrund. Cassies Geschichte, gespielt von Sydney Sweeney, bildete den zentralen Bogen der dritten Staffel.

Levinson über Ensemble und Zukunft

Zum Umgang mit dem gesamten Ensemble erklärte Levinson, er habe mit allen Figuren die Illusionen der modernen Welt hinterfragen wollen: 'Likes erfüllen die Seele nicht. Liebe, Geld, Ruhm, Drogen bieten keine Flucht.' Neben Zendaya und Sydney Sweeney waren Alexa Demie, Hunter Schafer und Maude Apatow zentrale Teile dieses Gedankens.

Zur Sexualisierung der Serie, die wiederholt Diskussionen ausgelöst hat, bezog Levinson klar Stellung. Schauspielerinnen wie Sydney Sweeney seien bereits beim Vorsprechen über die Anforderungen der Rolle informiert worden. Nach dem Casting greife ein Intimacy Coordinator ein, und kein Darsteller könne zu einer Szene gezwungen werden.

Den Abschluss der Serie verstand Levinson trotz allem nicht als hoffnungslos. 'Wenn wir uns zusammenreißen, unsere Liebsten schützen und vielleicht an etwas Größeres als uns selbst glauben, können wir eine Zukunft gestalten', sagte er. Euphoria endet düster, aber nicht ohne diesen leisen Funken.

Mehr zu „Euphoria"

Quelle: HBOZuletzt aktualisiert: 01.06.2026, 16:30 Uhr

Artikel geschrieben von:

Sophie Hartmann
Autor
Sophie Hartmann
Action-SerienScience FictionFantasy-Serien

Sophie Hartmann analysiert seit mehreren Jahren Serienwelten mit Fokus auf Action, Sci-Fi, Fantasy und Mystery.

Alle Artikel von Sophie

Mehr aktuelle Serien-News

Bleib auf dem Laufenden — alle frischen Meldungen, Trailer und Staffel-Starts auf einen Blick.