Euphoria-Finale sorgt für Gesprächsstoff, der nicht nachlässt

Rue ist tot, und Euphoria lässt keine Hoffnung übrig. Im Serienfinale auf HBO findet Ali (Colman Domingo) Zendayas Figur leblos auf seinem Sofa. Für Fans bedeutet das: kein offenes Ende, keine Rettung, nur stille Endgültigkeit.
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Rue stirbt, Ali wacht allein auf
Im Staffel-3-Finale von Euphoria, das zugleich als Serienfinale gilt, findet Ali (Colman Domingo) Rue (Zendaya) tot auf seinem Sofa. Sie hat die mit Fentanyl versetzten Percocet geschluckt, die ihr Alamo Brown (Adewale Akinnuoye-Agbaje) zugesteckt hat. Ali testet die Pillen, der Streifen schlägt positiv an, er schlägt mit der Faust auf die Küchentheke und ruft dann Rues Mutter (Nika King) an.
Was Domingo in diesem Moment bewusst vermied, war lautes Trauern. Er wollte die Szene so still wie möglich spielen, fast klinisch. In einem Interview gegenüber Variety beschrieb er, wie Ali die Situation zunächst von der Türschwelle aus einschätzte, bevor er überhaupt zu Rue trat: 'Er hat es fast schon gewusst, nur durch ihre Körpersprache.' Rues Leichnam lag während der gesamten Szene noch auf dem Sofa, während Ali die Pillen untersuchte.
Kurz bevor er den Raum verließ, streckte Domingo die Arme aus und ließ den Kopf sinken. Was wie eine spontane Geste wirkt, beschreibt er als einen der intensivsten Momente der Dreharbeiten: 'Das war ein Christus-am-Kreuz-Moment. Ich habe alles getan, was ich tun sollte.' Aus diesem Moment heraus, sagt er, wurde Ali zu einer anderen Person.
Der Rachefeldzug im Armeeuniform
Zwei Monate nach Rues Tod tritt Ali ein letztes Mal bei einem Treffen der Anonymen Alkoholiker auf. Ohne Kufi, in ziviler Kleidung, wirkt er wie ein Fremder. In einem Monolog erklärt er, dass Empathie allein das System nicht verändert, weil man dann auch mit dem Dealer mitfühlen müsste. Er kündigt an, einen anderen Weg zu gehen.
Zu Hause sägt er den Lauf seiner Schrotflinte ab und zieht seine alte Armeeuniform an. Domingo und Levinson hatten gemeinsam überlegt, welchen Militärzweig Ali gedient hatte, und sich für die Army entschieden. 'Er geht zurück in den Dienst', erklärte Domingo. 'Das ist das Einzige, was ihm noch Sinn ergibt.' Die Uniform ist kein Kostüm, sondern ein Bekenntnis.
Im Silver Slipper, dem Stripclub von Alamo Brown, konfrontiert Ali zunächst G (Marshawn Lynch), drückt die Waffe unter den Tisch und erschießt ihn, als G lügt. Dann stellt er sich Alamo direkt gegenüber. Als Alamo versucht, als Erster zu schießen, versagt seine Waffe. Sein Handlanger Bishop (Darrell Britt-Gibson) hat sie nicht geladen. Ali tötet Alamo mit allen drei verbliebenen Kugeln.
Levinsons Western-Ansatz und schwarze Männlichkeit
Sam Levinson hatte Domingo früh erklärt, dass Staffel 3 ins Alttestamentarische gehen würde. 'Ich gehe zurück zu den Wurzeln, zum Alten Testament, weil das der Zustand ist, in dem sich unsere Gesellschaft befindet', zitiert Domingo den Showrunner. Die Bildsprache des Finales, die weiten Landschaften, die Duelle wie aus einem Western, folgen dieser Logik konsequent.
Domingo hebt hervor, wie ungewöhnlich es war, so viele unterschiedliche schwarze Charaktere in einer gemeinsamen Handlung zu sehen: Alamo als mythisch aufgeladene Cowboy-Figur, Bishop als rätselhafter Grenzgänger, Ali als Veteran auf Rachefeldzug. 'All diese verschiedenen Vorstellungen von schwarzer Männlichkeit kollidieren im Silver Slipper', sagte er. 'Das ist außergewöhnlich.' Rue selbst habe keinen schwarzen Vater, werde aber von diesen Männern auf je eigene Weise geprägt.
Den Dialog im Club schrieb Levinson zu 98 Prozent selbst. Den Rest, darunter einzelne Ausdrücke, die Ali gegenüber G verwendet, improvisierte Domingo im Moment. 'Ich habe als schwarzer Mann das Recht, das so zu sagen', erklärte er. 'Ali macht klar: Ich habe keine Angst vor dir.'
El Paso und das versprochene Land
Nach dem Anschlag fährt Ali nicht zur Polizei, nicht ins Krankenhaus, sondern nach El Paso, Texas. Rue hatte ihm einmal von einem Gehöft dort erzählt, dem friedlichsten Ort, den sie je gesehen hatte. Ali stellt sich der Familie als Martin McQueen vor, seinem Geburtsnamen, bevor er zum Islam konvertierte.
Beim Abendessen betet er, stellt sich Rue auf dem leeren Stuhl gegenüber vor und murmelt: 'Möge ihre Erinnerung ein Segen sein.' Die Kamera zieht zurück, eine amerikanische Flagge weht im Wind, und aus dem Off sagt Rue: 'Möge Gott uns alle segnen.' Es ist der letzte Satz der Serie.
Domingo räumte ein, dass die Szene in einem praktischen Sinne kaum logisch ist. Kein Polizist, keine Konsequenz. Aber das sei beabsichtigt: 'In meinem Kopf gibt es eine Version, in der Ali an dem Tag gestorben ist, an dem Rue gestorben ist, und das alles ist Rues Perspektive.' Der Weg nach El Paso wäre dann nicht Flucht, sondern Traum.
Domingo über Abschied und persönliche Quellen
Domingo spielte Ali in elf der 26 Episoden der Serie, eine vergleichsweise kleine Präsenz mit unverhältnismäßig großem Gewicht. Für die Figur zog er aus seinem eigenen Leben: ein Bruder, der in verschiedenen Religionen und Philosophien suchte, ein Freund mit zwei Irak-Einsätzen, der Alkohol brauchte, um seinen Kopf zu beruhigen. 'Ich habe früher geurteilt. Heute verstehe ich, dass ich nicht weiß, welche Schrecken er immer wieder durchlebt', sagte Domingo.
Die Frage nach Alis Glauben durchzieht die gesamte Figur. Domingo beschreibt ihn als jemanden, der sich in Büchern, Testamenten und Religionen erschöpft hat, der in Rue versuchte, Gott zu finden, und scheiterte. 'Er hat aufgehört zu glauben. Aber er weiß auch, dass man etwas braucht, an das man sich klammert, sonst kann man nicht leben. Das ist auch meine Überzeugung.'
Ob Euphoria tatsächlich mit dieser dritten Staffel endet, ist noch nicht offiziell bestätigt. Für Domingo persönlich ist der Abschluss klar: 'Ich habe Ali alles gegeben. Er war ein Geschenk für mich, und hoffentlich ein Segen für andere.' Die Figur, sagt er, werde ihn noch lange begleiten.
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Artikel geschrieben von:

Sophie Hartmann analysiert seit mehreren Jahren Serienwelten mit Fokus auf Action, Sci-Fi, Fantasy und Mystery.
Alle Artikel von SophieSophie hat 3 weitere Artikel zur selben Serie verfasst.