Invincible baut auf 144 Hefte und triumphiert
Ein Kampfspiel rettet, was viele Adaptionen ruiniert: fehlendes Quellmaterial. Quarter Up, Kirkmans neues Spieleentwicklerstudio, schöpft aus dem kompletten Invincible-Comic-Run. Dass ausgerechnet ein Fighting Game das konsequenteste Invincible-Produkt wird, hat niemand erwartet.
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Langes Quellmaterial als Erfolgsgeheimnis
Robert Kirkman hat aus eigener Erfahrung gelernt, was eine Adaption gelingen lässt. Der entscheidende Faktor ist ein umfangreicher, abgeschlossener Comicband: Je mehr Material vorhanden ist, desto besser können Autoren und Entwickler arbeiten.
Bei The Walking Dead standen 80 Hefte zur Verfügung, als die Fernsehserie startete. Bei Invincible war die Ausgangslage noch komfortabler: Alle 144 Hefte lagen vollständig vor, bevor auch nur eine einzige Folge der Animationsserie produziert wurde.
Kirkmans frühere Serie Outcast verlief deutlich holpriger. Die Comicveröffentlichung und die Serienproduktion liefen parallel, was den kreativen Prozess erheblich erschwerte. Diesen Fehler wollte Kirkman bei Invincible nicht wiederholen.
Drei Cliffhanger pro Folge möglich
Der Vorteil eines vollständigen Comicarchivs zeigt sich besonders bei der Dramaturgie. Beim Schreiben der Invincible-Animationsserie stehen den Autoren in fast jeder Folge gleich drei mögliche Cliffhanger zur Auswahl, weil das Quellmaterial so dicht ist.
Diese Fülle an Wendepunkten und Spannungsmomenten ist laut Kirkman kein Zufall, sondern direkte Folge der 144-Hefte-Vorlage. Das Autorenteam muss nicht improvisieren, sondern kann aus einem reichen Fundus schöpfen und gezielt auswählen.
Für die Zuschauer bedeutet das ein konstant hohes Spannungsniveau. Figuren wie Omni-Man oder Eve werden nicht künstlich in Szenarien gepresst, sondern entwickeln sich organisch aus dem bestehenden Material.
Invincible VS: Das Kampfspiel entsteht
Invincible VS ist ein Kampfspiel von Kirkmans neuem Entwicklerstudio Quarter Up, einer Tochtergesellschaft seines Unternehmens Skybound Entertainment. Das Spiel setzt auf Drei-gegen-Drei-Kämpfe und bietet einen Kader von 18 Charakteren aus dem Invincible-Universum, darunter eine völlig neu erschaffene Kämpferin.
Kirkman hat eine klare Vision für das Spiel: Es soll ein ernstzunehmendes, brutales Turnierspiel werden, das technisch und spielerisch höchste Ansprüche erfüllt. Die Zusammenstellung des eigenen Dreier-Teams soll dabei Ausdruck der Persönlichkeit des Spielers sein.
Besonders hervorgehoben wird die Spielfigur Eve, die über eine Acht-Wege-Steuerung verfügt und sich omnidirektional durch die Luft bewegen kann. Diese Fähigkeit verleiht ihr einen einzigartigen Spielstil, der sie von den anderen Charakteren des Kaders deutlich abhebt. Entwickler Mike Willette arbeitet gemeinsam mit Kirkman daran, jeden Charakter spielerisch einzigartig zu gestalten.
Kirkman bettelte jahrelang bei Ed Boon
Bevor Quarter Up das eigene Kampfspiel entwickelte, versuchte Kirkman jahrelang, seine Charaktere in Mortal Kombat unterzubringen. Ed Boon, der Schöpfer der Mortal-Kombat-Reihe, war dabei sein Hauptansprechpartner, auch wenn Kirkman betont, dass die beiden keine Freunde sind.
Kirkman hatte bereits Gespräche mit Boon zu Mortal Kombat 11 und versuchte davor, Walking-Dead-Charaktere in das Prügelspiel zu bringen. Auch Omni-Man war im Gespräch, nachdem die Invincible-Serie große Popularität erlangte und Fans den Charakter für Mortal Kombat forderten.
Aus diesen Gesprächen wurde letztlich nichts, was Kirkman dazu bewog, das Kampfspiel selbst in die Hand zu nehmen. Die Parallele zu Bryan Fury aus der Tekken-Reihe liegt nahe: Manchmal muss man die Dinge selbst bauen, wenn man sie so haben will, wie man es sich vorstellt.
Warum die Idee vor der Serie entstand
Die Idee zu einem Invincible-Kampfspiel ist älter als die Animationsserie selbst. Kirkman und sein Team dachten bereits vor dem Start der Serie bei Amazon Prime Video darüber nach, das Universum rund um Mark Grayson als Kampfspiel umzusetzen.
Die enorme Resonanz auf die Serie hat das Projekt zusätzlich befeuert. Mit einer eingeschworenen Fangemeinde im Rücken und einem abgeschlossenen Comicuniversum als Grundlage sieht Kirkman ideale Voraussetzungen für ein qualitativ hochwertiges Spiel.
Für Kirkman schließt sich damit ein Kreis: vom Comic zur Serie, von der Serie zum Spiel. Jede Adaption profitiert dabei vom selben Fundament, dem vollständigen Invincible-Universum mit all seinen Charakteren, Konflikten und Wendungen.
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Artikel geschrieben von:

Mia Braun ist Redakteurin bei serien.de mit Fokus auf moderne Streaming-Serien und detaillierte Episodenanalysen.
Alle Artikel von MiaMia hat 2 weitere Artikel zur selben Serie verfasst.
