Beim Karlovy Vary Festival: David Chase über Die Sopranos und MKUltra

LSD als Kriegswaffe: Das klingt nach Fiktion, war aber bittere Realität. Der CIA kaufte Millionen von Dollars des Schweizer Stoffs, um Soldaten statt zu erschießen wahnsinnig zu machen. David Chase will genau diesen Widerspruch in einer HBO-Miniserie aufarbeiten.
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Neues HBO-Projekt: CIA und LSD
David Chase arbeitet an einem neuen Serienprojekt für HBO. Er hat die Rechte an John Lisles Sachbuch 'Project Mind Control: Sidney Gottlieb, the CIA and the Tragedy of MKULTRA' erworben, um es als Miniserie zu adaptieren. Das Projekt trägt den Titel 'Project: MKUltra' und wäre Chases erste HBO-Arbeit seit dem Sopranos-Prequel-Film 'The Many Saints of Newark' aus dem Jahr 2021.
Chase befindet sich derzeit in einer frühen Entwicklungsphase. 'Ich bin noch in der Story-Phase', erklärte er beim Festival. Der Stoff dreht sich um ein reales Kapitel des Kalten Krieges: Der CIA kaufte enorme Mengen LSD, das ursprünglich in der Schweiz entwickelt worden war, mit dem Ziel, es als Waffe einzusetzen. Die Idee dahinter, so Chase, war, dass Soldaten im Krieg nicht mehr erschossen werden müssten, sondern schlicht den Verstand verlören.
HBO beschreibt das geplante Drama als Thriller rund um den Chemiker und Geheimdienstmann Sidney Gottlieb, bekannt als 'Der Schwarze Zauberer', der das MKUltra-Programm leitete. Dieses Programm führte gefährliche und teils tödliche Gedankenkontroll-Experimente an freiwilligen und unfreiwilligen Versuchspersonen durch. Chase wies darauf hin, dass Gottlieb auch als unbeabsichtigter Pate der gesamten LSD-Gegenkultur gilt, und ergänzte: 'Man sagt, Charles Manson wurde wahrscheinlich irgendwo LSD gegeben.'
Was Chase an den Sopranos bereut
Trotz des legendären Status der Serie hat Chase eine konkrete Szene im Kopf, die er heute streichen würde. 'Wir haben eine Folge gedreht, in der sie nach Italien fahren, und die würde ich ändern', sagte er. Außerdem stört ihn rückblickend, wie die Frauen in der Serie dargestellt wurden: 'Ich glaube, wir haben die Frauen zu sexy und zu aufgemacht gemacht. Als ich es noch einmal sah, wirkte es einfach nicht glaubwürdig.'
Grundsätzliche Reue kennt Chase jedoch nicht. Die Sopranos, die 1999 startete und nach sechs Staffeln bis 2007 lief, hält er für den Höhepunkt seines kreativen Lebens. 'Mein Hauptziel war es, zu unterhalten. Aber ja, es ist der Gipfelpunkt meines kreativen Lebens', sagte er.
Gleichzeitig zweifelt Chase daran, dass die Serie ewig populär bleiben wird. 'Ich habe mir wegen der Sopranos immer Sorgen gemacht', gestand er. Besonders die humoristischen Referenzen auf reale Personen könnten mit der Zeit an Wirkung verlieren. 'Es wird passieren, oder? Noch ist es nicht passiert, aber wir wissen, dass es passieren wird.'
Gandolfini, De Niro und die Besetzung
James Gandolfini bleibt für Chase unersetzlich. 'Er war einfach ein großartiger Schauspieler', sagte Chase in Karlovy Vary. 'Ich glaube, es liegt an seinen Augen. Man konnte den kleinen Jungen in ihm sehen. Obwohl er 40 Jahre alt war, spürte man in seinem Gesicht diesen kleinen Jungen, der vom Universum und der Welt ein bisschen ratlos war.'
Auf die Frage, mit welchem Schauspieler er noch arbeiten möchte, antwortete Chase ohne Zögern: 'Mit De Niro. Ich würde immer noch gerne mit Robert De Niro arbeiten.' Konkrete Pläne für eine Zusammenarbeit nannte er nicht, aber die Aussage zeigt, dass Chase trotz seines Alters noch klare kreative Ambitionen hegt.
Sopranos, Vance und Unglück in Amerika
Ein Journalist fragte Chase, wie er sich fühle, dass US-Vizepräsident J.D. Vance in seinen Memoiren 'Hillbilly Elegy' beschreibt, seine Großmutter sei ein großer Fan der Serie gewesen. Chase zeigte sich wenig überrascht. 'Das überrascht mich nicht. Die konkreten Details überraschen mich', antwortete er.
Chase sieht in der anhaltenden Popularität der Serie ein Spiegelbild gesellschaftlicher Realitäten. 'Viele Menschen in der Sopranos waren deprimiert, und das klingt jetzt schlimm, aber es gibt viel Unglück in den Vereinigten Staaten', erklärte er. Amerika gelte traditionell als glückliches Land, doch das Bewusstsein dafür, dass dem nicht immer so ist, wachse.
Die globale Resonanz auf die Serie bewegt Chase emotional. 'Natürlich explodiert mein Herz. Es macht mich so glücklich', sagte er, fügte aber mit typisch selbstkritischem Humor hinzu, dass er sich dabei sofort einbremse, weil er sich sonst eingebildet vorkomme.
Fernsehen heute: Weniger Mut, mehr Regeln
Chase äußerte sich skeptisch über die Risikobereitschaft des heutigen Streaminggeschäfts. 'Wenn HBO das nicht gesucht hätte, wäre es nicht entstanden', sagte er über die Sopranos. Heute fühle sich das Umfeld wieder mehr wie klassisches Fernsehen an, mit ungeschriebenen Verboten: 'Sag das nicht, mach das nicht!'
Ursprünglich hatte Chase die Sopranos als Film konzipiert. Sein Agent riet ihm damals ab, das Mafia-Genre sei ausgereizt. Erst als HBO eine Serie in Auftrag gab, holte er das Projekt wieder hervor. 'The Sopranos war eine Chance für mich, etwas zu tun, das so filmisch war, wie ich es nur konnte', erklärte er, denn als TV-Autor in den 1970er-Jahren war der Wechsel ins Kino schlicht nicht möglich.
Für die Zukunft schließt Chase ein Comeback ins Sopranos-Universum aus, zeigt sich aber offen für neue Stoffe rund um Italoamerikaner. Ihn fasziniert das Phänomen, dass viele Nachkommen italienischer Einwanderer heute günstig Häuser in verlassenen italienischen Dörfern kaufen und dort auf eine harte Überraschung stoßen. 'Ich würde wieder Mafia-Filme machen, aber ich habe gerade keinen Stoff', so Chase.
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Artikel geschrieben von:

Mia Braun ist Redakteurin bei serien.de mit Fokus auf moderne Streaming-Serien und detaillierte Episodenanalysen.
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