Abbott Elementary dreht im Phillies-Stadion, 70 Schwenks vor der Wende

Die Stadionfolge wirkt jetzt wie echte Spielzeit, nicht wie Studiofernsehen. Für Abbott Elementary drehte Randall Einhorn im Phillies-Stadion, in Deutschland läuft die Serie bei Disney+. Für Zuschauer macht das den Mockumentary-Stil größer, weil Licht, Spiel und Reaktionen live ineinandergreifen.
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Dreh mitten im Spiel
Abbott Elementary verließ für die Folge Ballgame die gewohnte Studioumgebung und zog direkt in ein Phillies-Stadion. In Deutschland läuft die Serie bei Disney+, produziert wurde sie für ABC in den USA. Regisseur und Produzent Randall Einhorn setzte die Folge an zwei Drehtagen um, davon einer während eines laufenden Baseballspiels.
Der erste Tag war für breite Einstellungen angelegt. Rund 400 Komparsen saßen auf den Rängen, damit die Tribünen glaubwürdig gefüllt wirkten. Am eigentlichen Spieltag änderten Wind und Stadionbedingungen den Plan sofort.
Einhorn nutzte genau diesen Kontrollverlust für die Erzählung. Er erklärte: 'Ich musste den Verlauf der Zeit zeigen, also beginnen sie im Schatten, gehen ins volle Sonnenlicht und dann wieder ganz in den Schatten. Danach ist Nacht. Das hat den Zeitverlauf besser verkauft als jede Uhr.'
70 heikle Kameraschwenks
Die größte technische Hürde lag nicht auf dem Rasen, sondern in den Übergängen zwischen Spielfeld, Tribüne und Videowand. Einhorn drehte nach eigenen Angaben schon am Vortag 14 Drehbuchseiten, die exakt an das Material des Spieltags anschließen mussten.
Dadurch entstanden Dutzende Anschlussstellen. 'Ich hatte am nächsten Tag all diese Schwenks aufs Spielfeld, die ich anschließen musste, hin und zurück', sagte Einhorn. Insgesamt markierte sein Drehbuch etwa 70 Kameraschwenks, die bis zur Stadionleinwand PhanaVision verbunden werden mussten.
Für ein Mockumentary ist das besonders heikel, weil Kameras sichtbar mitdenken müssen, ohne sich gegenseitig ins Bild zu fahren. Einhorn fertigte dafür genaue Draufsichten an, in denen Blickrichtungen, Laufwege und sogar die Stellung der Gesichter festgelegt waren.
Schwarber sprengte den Plan
Ava Coleman schrieb in die Folge, dass Kyle Schwarber einen Homerun schlagen sollte. Der Phillies-Profi lieferte deutlich mehr als verlangt und schlug gleich viermal erfolgreich über den Zaun. Damit bekam die Produktion plötzlich mehr verwertbare Momente, als das Drehbuch ursprünglich brauchte.
Einhorn arbeitete deshalb mit drei gleichzeitigen Kamerawinkeln, zwei für die Abdeckung und einer als Totale. Dazu kam Material von der PhanaVision. Wenn Schwarbers Bälle abhoben, folgten die Kameras ihnen dokumentarisch aufs Feld und zogen dann hoch zur Anzeigetafel.
Gerade Sheryl Lee Ralph profitierte davon in ihrer Rolle Barbara Howard. Die Figur gilt in der Serie als Schwarber-Anhängerin, und die Kameras fingen echte Überraschung und echte Freude ein, statt nur sauber gesetzte Spielszenen nachzustellen.
Schauspieler mussten mitlaufen
Das offene Format verlangte von allen Beteiligten Dauerpräsenz. Niemand wartete klassisch auf den eigenen Einsatz, weil jederzeit etwas Relevantes auf dem Feld oder auf den Rängen passieren konnte. Einhorn beschrieb den Vorteil so: 'Niemand wartet auf seine Szene und deshalb reagieren alle die ganze Zeit.'
Diese Arbeitsweise passt zu Abbott Elementary, weil die Serie von spontanen Blicken, Unterbrechungen und halben Kommentaren lebt. Die Darsteller wussten laut Einhorn sehr genau, wo ihre Figuren in einem solchen Moment stehen würden, auch wenn der Auslöser nicht auf Kommando kam.
So entstand der Eindruck, dass die Folge das Chaos eines echten Stadionbesuchs nicht nachbaut, sondern direkt aufsaugt. Genau darin lag der Reiz der Episode und zugleich ihr Produktionsrisiko.
Vier Takes vor dem Sprenger
Nach dem Spiel drehte das Team noch eine Begegnung zwischen Kyle Schwarber und den Figuren aus der Serie. Viel Zeit blieb nicht. Im Stadion stand nur ein halbes Stunde Fenster zur Verfügung, bevor die Rasensprenger anlaufen sollten.
Schwarber war dabei deutlich unsicherer als auf dem Feld. Einhorn gab ihm deshalb eine einfache Anweisung: 'Mach einfach das, was Kyle Schwarber machen würde, dann wird das gut.' Die Szene saß nach vier Takes.
Trotz Funkproblemen blieb der Regisseur ungewöhnlich ruhig. Er sagte, er rege sich heute nicht mehr so auf wie früher, weil es nichts bringe. Die Folge sei die am gründlichsten geplante Arbeit seiner Laufbahn gewesen, und doch habe sie ihm vor allem eines gezeigt: Beim nächsten Mal würde er langsamer sagen, etwas sei unmöglich. Sein eigenes Fazit fiel passend aus: 'Es war ein großer Schwung.'
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Artikel geschrieben von:

Lea Zimmermann analysiert aktuelle Serien mit besonderem Blick für Atmosphäre, Figurenentwicklung und Erzählstruktur.
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