Wegen Staffel 12 reden Serienfans wieder über Finding Your Roots

·20.06.2026, 19:16 Uhr·3 Min
Wegen Staffel 12 reden Serienfans wieder über Finding Your Roots
Bild: PBS · TMDB

Sanaa Lathan stammt von einem wohlhabenden Sklavenhalter ab: Familiengeschichte als Zumutung. Staffel 12 von Finding Your Roots konfrontiert prominente Gäste mit Wahrheiten, die niemand sucht. Gates hält dennoch daran fest, dass Nachkommen keine Schuld tragen.

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Afrikanische Wurzeln und Sklavenhalter-Vorfahren

Staffel 12 von Finding Your Roots hält gleich zwei spektakuläre Enthüllungen bereit. Schauspielerin America Ferrera erfährt, dass einer ihrer Vorfahren ein freier Mulatte afrikanischer Herkunft war. Dazu kommt eine überraschende Verbindung: Ferrera ist eine entfernte Cousine der Regisseurin Ava DuVernay.

Schauspielerin Sanaa Lathan wiederum muss verarbeiten, dass sie von einem wohlhabenden weißen Sklavenhalter abstammt. Für Gates sind solche Befunde kein Anlass zur Verurteilung. Er hat über die Jahre eine klare Haltung entwickelt: 'Ich glaube fest daran, dass wir nicht für die bösen Taten unserer Vorfahren verantwortlich sind.'

Gates fasst die Widersprüchlichkeit amerikanischer Familiengeschichte mit einem Satz zusammen, den er Don King entlehnt: 'Only in America.' Da Ferreras Familie aus Honduras stammt, korrigiert er sich schmunzelnd: 'Oder besser: Only in the Americas.'

Ethik-Protokoll bei heiklen Entdeckungen

Nicht jede Entdeckung landet direkt im Fernsehen. Gates hat ein klares Ethik-Protokoll für Fälle, in denen die Recherche zeigt, dass etwa ein vermeintlicher Vater biologisch gar nicht der Vater ist. In solchen Situationen nimmt sein Team Kontakt zur Pressestelle des Gastes auf, bevor ein Wort vor der Kamera fällt.

Der Ablauf ist immer gleich: Gates fragt zunächst, ob der Gast die Information überhaupt erfahren möchte. Wer Ja sagt, bekommt die Wahrheit direkt mitgeteilt. Ein prominentes Beispiel ist Joe Manganiello: Dessen Großvater hatte keine biologische Verbindung zu ihm, weil seine Großmutter eine Affäre mit einem schwarzen Mann hatte.

Manganiello hat die Enthüllungen so sehr angetrieben, dass Gates für Staffel 13 ein eigenes Sondersegment plant, das all die zusätzlichen Erkenntnisse aus seiner weiteren Eigenrecherche bündelt. Wer hingegen keine weiteren Details erfahren möchte, bekommt trotzdem alle gesammelten Unterlagen ausgehändigt. 'Wir sind nicht die Jerry Springer Show', betont Gates.

Fünf Stunden Dreh pro Gast

Hinter jeder Folge steckt ein enormer Aufwand. Genetik-Genealogie-Expertin CeCe Moore und ein Team aus drei Vollzeit-Genealogen recherchieren im Schnitt mindestens sechs Monate für jeden einzelnen Gast. In einem besonders schwierigen Fall dauerte die Recherche fünf Jahre, weil ein DNA-Rätsel nur lösbar war, wenn der entscheidende genetische Treffer in einer öffentlich zugänglichen Datenbank auftauchte.

Die Drehtage selbst sind lang: Jede Aufzeichnung dauert fünf, manchmal sechs Stunden. Gates, seit fast 50 Jahren Hochschulprofessor in Harvard, trifft seine Gäste erst auf dem Set. Diese Erfahrung als Akademiker, schwierige Gespräche im Hörsaal zu führen, ist für ihn die beste Vorbereitung auf die emotionalen Einzelgespräche vor der Kamera.

Das Ergebnis kann tiefgreifend sein: Bei Téa Leoni stellte sich heraus, dass ihre Mutter adoptiert worden war. Das Team fand sowohl die leibliche Mutter als auch den leiblichen Vater. Die leibliche Großmutter lebte zum Zeitpunkt der Aufnahmen noch, im Alter von 98 Jahren, und Leoni knüpfte Kontakt zu ihren Halbgeschwistern.

Wunschliste: Streisand sagt 'noch nicht'

Seit 2012 lädt Gates Prominente wie Tina Fey und Deepak Chopra in die Sendung ein. Die Wunschliste für künftige Staffeln ist lang: Gates nennt Beyoncé, Taylor Swift mit ihrem Partner Travis Kelce, Clint Eastwood, Jay-Z und Gladys Knight als Wunschgäste.

Barbra Streisand hat Gates bei gemeinsamen Abendessen bereits grundsätzlich zugesagt, zögert aber noch. Ihr Zitat ist prägnant: 'Ich mache es, aber ich bin noch nicht bereit.' Für Gates ist das kein Grund zur Ungeduld, denn die Recherche allein braucht ohnehin mindestens ein halbes Jahr.

Vergangenheit als Identität: 20 Jahre Spurensuche

Als Gates das Format 2006 mit der Dokumentarreihe African American Lives entwickelte, dachte er ausschließlich an schwarze Amerikaner. Er wollte ihnen die durch Sklaverei verlorene Familiengeschichte zurückgeben. Erst 2009 erkannte er, dass verborgene Familiengeheimnisse universell sind, weil die USA eine Nation von Einwanderern ist.

Mehr als 90 Prozent der nach Amerika verschleppten Afrikaner wurden laut Gates von afrikanischen Händlern und Eliten gefangen genommen, nicht von Europäern allein. Diese historische Komplexität prägt seinen unverurteilenden Ansatz: Jeder Stammbaum enthält sowohl Schuld als auch Triumph.

Als intellektuellen Anker zitiert Gates einen Satz, den Stephen Hawking 2016 in einer Vorlesung in Harvard formulierte: 'Die Vergangenheit sagt uns, wer wir sind. Ohne sie verlieren wir unsere Identität.' Hawking sprach damals über das Alter des Universums. Gates wendet den Gedanken auf jeden einzelnen Menschen an, dem Finding Your Roots seine verschüttete Geschichte zurückgibt.

Quelle: PBSZuletzt aktualisiert: 20.06.2026, 19:16 Uhr

Artikel geschrieben von:

Mia Braun
Autor
Mia Braun
Action-&-Adventure-SerienDrama-SerienMystery

Mia Braun ist Redakteurin bei serien.de mit Fokus auf moderne Streaming-Serien und detaillierte Episodenanalysen.

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