Warum The Other Bennet Sister so viele Außenseiter ins Herz trifft

Mary Bennet ist plötzlich das Gesicht eines BBC-Rekorderfolgs. Ella Bruccoleri spielt die lange übersehene Bennet-Schwester in der BBC-Produktion, die auch auf BritBox in den USA reüssiert. Wer sich je wie ein Außenseiter gefühlt hat, findet hier sein Serienpendant.
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Ein Überraschungserfolg auf beiden Seiten
'The Other Bennet Sister' ist das meistgesehene Programm der BBC seit Mai des vergangenen Jahres und erzielte auch beim Streamingdienst BritBox in den USA beachtliche Zuschauerzahlen. Ella Bruccoleri, die die lange übersehene Mary Bennet verkörpert, hatte mit einem derartigen Durchbruch nicht gerechnet.
Beim Fernsehfestival in Monte-Carlo schilderte Bruccoleri ihre Erwartungshaltung vor dem Start: 'Ich setze meine Messlatte immer sehr niedrig, weil es von Timing und so vielen anderen Faktoren abhängt. Mir war die Reichweite eigentlich egal. Ich wollte nur, dass sich Menschen durch die Serie gesehen fühlen.' Dass beides eingetreten ist, freut sie umso mehr.
Die Produktion basiert auf dem Roman von Janice Hadlow und erzählt 'Stolz und Vorurteil' aus der Perspektive der stillen, oft ignorierten Mary Bennet, die weder in ihrer Familie noch in der Gesellschaft des Regency-Englands ihren Platz findet.
Mary Bennet als Spiegel vieler Zuschauer
Seit der Ausstrahlung erreichten Bruccoleri Nachrichten von Menschen aller Geschlechter und Altersgruppen, die sich mit Marys Außenseiterposition identifizieren. 'Sie alle hatten das Gefühl, am Rand von etwas zu stehen, zu dem sie keinen Zugang finden', beschreibt Bruccoleri die Reaktionen.
Besonders berührt haben sie Zuschriften von Frauen, die sich wegen ihres Aussehens unter Druck gesetzt fühlen. 'Sie haben sich sehr gesehen gefühlt, weil jemand auf dem Bildschirm zu sehen war, der nicht wie ein Supermodel aussieht, als Hauptfigur einer Serie. Das ist seltener als es sein sollte', sagt Bruccoleri.
Auch die Figur selbst liefert greifbare Identifikationspunkte: Während Schwester Elizabeth mühelos alle bezirzt, kämpft Mary schon mit einem einfachen Gespräch. Dónal Finn spielt in der Serie Mr. Hayward, eine Figur, die im Handlungsverlauf einen Vogel zeichnet, und genau dieses Motiv tauchte in einer unerwarteten Form wieder auf.
Tattoos als Beweis für Fankult
Beim Presserundgang in New York und Texas erlebte Bruccoleri, wie tief die Serie ihre Anhänger bewegt. Einige Journalisten zeigten ihr Tattoos eines Vogels, direkt inspiriert von der schlecht gezeichneten Skizze, die Mr. Hayward, gespielt von Dónal Finn, in der Serie anfertigt.
Für Bruccoleri ist das schwer zu fassen. Amerika sei so groß, dass sie die tatsächliche Reichweite kaum einschätzen könne, sagt sie. Doch solche persönlichen Begegnungen machen den Erfolg greifbar. In Europa ist die Serie noch nicht zu sehen; in Monte-Carlo läuft sie im Wettbewerb des Fernsehfestivals.
Für den deutschsprachigen Raum ist noch kein Starttermin bekannt. BBC-Produktionen erscheinen in der DACH-Region traditionell über Plattformen wie Sky oder in der ARD-Mediathek.
Vom Brontë-Fan zur Austen-Anhängerin
Vor der Rollenbesetzung hatte Ella Bruccoleri 'Stolz und Vorurteil' nie gelesen. Sie lacht selbst darüber: 'Das ist verrückt, oder?' Als Kind aus North Yorkshire fühlte sie sich zur Welt der Brontës hingezogen und betrachtete Austen als eine Autorin für, wie sie es nennt, 'vornehme Leute aus dem Süden'.
Die Arbeit an der Rolle hat ihre Sichtweise grundlegend verändert. 'Ihr gesellschaftlicher Kommentar ist so präzise, und sie schreibt so viel über Klasse, was natürlich überall auf der Welt universell ist', sagt Bruccoleri. Austens Schärfe gegenüber Reichtum und Materialismus habe sie persönlich berührt.
Ihr Fazit fällt eindeutig aus: 'Sie nimmt Menschen auseinander, die von Wohlstand und Materialismus besessen sind, und es fühlt sich wirklich an, als stünde sie auf meiner Seite.' Ein Satz, der zeigt, wie weit Bruccoleri von ihrer anfänglichen Skepsis entfernt ist.
Marys Geschichte und ihre Botschaft
Die Romanvorlage von Janice Hadlow rückt eine Figur ins Zentrum, die bei Austen meist am Rand steht. Mary Bennet ist kein Sympathieträger im klassischen Sinne, aber genau das macht sie für viele Zuschauer so nahbar: Sie scheitert, zweifelt und sucht ihren Weg abseits gesellschaftlicher Erwartungen.
Bruccoleri empfing Nachrichten von Menschen mit schwierigen Mutter-Tochter-Beziehungen, genau wie Mary sie mit ihrer Mutter erlebt, und von Frauen, die sich seit Jahren wegen ihres Äußeren beobachtet und bewertet fühlen. Die Serie trifft einen Nerv, der weit über das Kostümdrama hinausgeht.
Dass 'The Other Bennet Sister' nun beim Festival in Monte-Carlo im Wettbewerb steht, unterstreicht den Anspruch der Produktion. Für Bruccoleri ist das Wichtigste aber nicht der Preis, sondern die Botschaft: Wer sich wie ein Außenseiter fühlt, soll sich auf dem Bildschirm wiederfinden.
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The Other Bennet Sister läuft am 24. Juni auf das Staffelfinale zu
Vier Worte, dann Stille: Hayward kommt nicht zum Ende. Dónal Finn setzt in Episode 9 zu einer Frage an, die William Ryder mit seinem Auftritt abwürgt. Dass ausgerechnet Marys früherer Verehrer den Moment sabotiert, gibt der Szene eine bittere Note.

Größter Drama-Launch in Großbritannien seit einem Jahr: The Other Bennet Sister setzt Maßstäbe
Ein Billboard in Times Square für Mary Bennet: Das hatte niemand kommen sehen. Die BBC-Serie startete im März mit 7,3 Millionen konsolidierten Zuschauern, mehr als jede andere neue Drama-Produktion in Großbritannien innerhalb eines Jahres. Dass ausgerechnet die vergessene Bennet-Tochter diesen Durchbruch schafft, hat die Branche überrumpelt.

Miss Baxter gab es nie im Buch. Sarah Quintrell brachte sie in The Other Bennet Sister
Eine erfundene Figur verändert Mary Bennets gesamte Liebesgeschichte. Serienmacherin Sarah Quintrell schuf Miss Ann Baxter neu für BritBox, besetzt mit Varada Sethu. Ohne Baxter wäre Mr. Hayward, der im Buch frei ist, von Anfang an verfügbar gewesen.
Artikel geschrieben von:

Nina Wolf ist Redakteurin bei serien.de mit Fokus auf Sci-Fi, Fantasy und Mystery-Formate und langjähriger Streaming-Erfahrung.
Alle Artikel von NinaNina hat einen weiteren Artikel zur selben Serie verfasst.