Größter Drama-Launch in Großbritannien seit einem Jahr: The Other Bennet Sister setzt Maßstäbe

Ein Billboard in Times Square für Mary Bennet: Das hatte niemand kommen sehen. Die BBC-Serie startete im März mit 7,3 Millionen konsolidierten Zuschauern, mehr als jede andere neue Drama-Produktion in Großbritannien innerhalb eines Jahres. Dass ausgerechnet die vergessene Bennet-Tochter diesen Durchbruch schafft, hat die Branche überrumpelt.
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Rekordzahlen, die alles verändern
The Other Bennet Sister hat BritBox in eine neue Dimension gehoben. Mehr als ein Drittel aller aktiven Abonnenten der Plattform, nach Informationen des Hollywood Reporter insgesamt rund 1,5 Millionen Menschen, schauten die Serie innerhalb der ersten zwei Wochen nach dem BritBox-Start am 6. Mai. Die Woche bis zum 18. Mai war die erfolgreichste Anmeldewoche in der gesamten Geschichte von BritBox, allein getrieben durch diese eine Produktion.
BritBox-Chef Robert Schildhouse fasst es knapp zusammen: 'Es ist wohl das Größte, das wir je gemacht haben. Wir sehen, dass die Serie in Medien auftaucht, die nie über BritBox berichtet haben. Die Reaktionen von Kritikern und Publikum übertreffen alles, was wir je erlebt haben.' Der Start auf BritBox brachte fünfmal so viele Neuabonnenten wie jede frühere Produktion auf der Plattform.
Bereits der BBC-Start im März setzte Maßstäbe: Mit einer konsolidierten Reichweite von 7,3 Millionen Zuschauern war es der größte Launch einer neuen Drama-Serie in Großbritannien über alle Plattformen und Streamingdienste hinweg in einem Jahr. Mehr als die Hälfte davon schaute über die Mediathek.
Mary Bennet und ihr starkes Ensemble
Die Serie basiert auf Janice Hadlows gleichnamigem Bestseller und erzählt die Geschichte von Mary Bennet, der in Jane Austens Stolz und Vorurteil stets übersehenen Schwester. Drehbuchautorin Sarah Quintrell begleitet Mary auf ihrem Weg von Longbourn nach London, wo sie versucht, sich von den gesellschaftlichen und familiären Fesseln einer zutiefst antifeministischen Epoche zu befreien.
Ella Bruccoleri spielt die Hauptrolle und hat damit auf beiden Seiten des Atlantiks Herzen gewonnen. Ruth Jones verkörpert Mrs. Bennet, Richard E. Grant gibt Mr. Bennet, und Dónal Finn sowie Laurie Davidson spielen Marys konkurrierende Verehrer. Auf Social-Media-Plattformen kursieren Fanvideos mit Millionen Aufrufen, die Mary in Regency-Kostümen mit ihren Verehrern zeigen.
Produzentin Jane Tranter, Gründerin von Bad Wolf, erklärt den Erfolg der Figur so: 'Ich glaube, ein Teil der Stärke der Reaktion liegt darin, dass die Geschichte von Freundlichkeit und Inklusion handelt. Mary hat ihre eigene Version von Weiblichkeit, und das ist ein wirklich wichtiger Teil daran, eine Geschichte in die Welt zu bringen.' Tranter betont, dass das Publikum deutlich breiter sei als erwartet, darunter auffällig viele ältere Männer über 60 und 70 Jahre.
Wie ein Kaffee-Treffen alles ins Rollen brachte
Der Ursprung der Serie liegt in einem unscheinbaren Treffen in einem Café am Times Square. Jane Tranter, die damals für die Premiere der dritten Staffel von Industry in New York war, stellte Schildhouse die Idee für The Other Bennet Sister vor. Schildhouse erinnert sich: 'Ich verließ dieses Treffen mit dem Gedanken: Okay, wir müssen diese Serie machen. Und jetzt hängt ein Billboard am Times Square mit Mary Bennet darauf.'
Die Koproduktion zwischen Bad Wolf und der BBC zeigt, wie BritBox seine Rolle im britischen Fernsehmarkt neu definiert hat. Schildhouse beschreibt die Strategie offen: 'Wir haben keine Präsenz als Marke beim britischen Publikum, aber innerhalb der britischen Fernsehindustrie sind wir zu einem entscheidenden Akteur geworden, der Serien tatsächlich realisieren kann.' Ohne einen nordamerikanischen Partner fänden viele grünglichteleuchtete Projekte schlicht keine Finanzierung.
BritBox positioniert sich dabei bewusst als unkomplizierter Partner für die britischen öffentlich-rechtlichen Sender. Da der Dienst keine eigene Reichweite im Vereinigten Königreich anstrebt, entstehe kein Wettbewerb um die Rechte auf dem Heimatmarkt, so Schildhouse. Dieses Modell mache BritBox zum idealen Kooperationspartner für Sender, die auf ihre nationalen Lizenzen angewiesen sind.
Britisches Fernsehen als kulturelle Marke
BritBox setzt auf ein klares inhaltliches Profil: Krimis, Mysterys, Literaturadaptionen und Kostümdramen. Schildhouse formuliert es pointiert: 'Britisch ist kein Genre.' Dennoch konzentriere sich der Dienst auf Bereiche, in denen britisches Fernsehen weltweit herausrage, vor allem auf Mystery-Inhalte. Parallel dazu bündelt die Plattform unter dem Label Austen Forever Klassiker wie Stolz und Vorurteil, Emma, Verstand und Gefühl sowie Überredung, jetzt ergänzt durch The Other Bennet Sister.
Darüber hinaus ist BritBox in Nordamerika die exklusive Heimat der Werke von Agatha Christie nach einem Vertrag mit dem Nachlass der Autorin. Produktionen wie Mord ist leicht, Warum haben Sie das nicht Evans gesagt? und Towards Zero sind dort exklusiv zu sehen. Schildhouse verweist auf Downton Abbey als Blaupause: 'Downton Abbey war die erste britische Serie, die wirklich in den populären Zeitgeist dieses Marktes eingedrungen ist, verstärkt durch den Aufstieg des Streamings.'
Dass die Strategie aufgeht, zeigt auch ein BAFTA-Erfolg: Code of Silence, eine Koproduktion von BritBox und ITV, gewann zuletzt den BAFTA TV Award als beste Dramaserie. Schildhouse nennt außerdem den Erfolg britischer Produktionen wie Adolescence und Baby Reindeer als Beleg dafür, dass britisches Erzählhandwerk gerade eine Renaissance in Hollywood erlebt.
Was als nächstes kommt
BritBox plant, den Schwung aus The Other Bennet Sister direkt in neue Projekte zu überführen. Noch in diesem Jahr soll Tommy und Tuppence erscheinen, eine weitere Christie-Adaption mit Imelda Staunton in der Hauptrolle. Dazu kommt die zweite Staffel von Ludwig sowie Endless Night, eine erneute Zusammenarbeit mit der BBC. Das Finale von The Other Bennet Sister ist für den 24. Juni geplant.
Ein Premium-Abonnement-Modell namens BritBox Premier, das Frühzugang zu Episoden bietet, hat die internen Erwartungen bereits übertroffen. Schildhouse: 'Es repräsentiert jetzt über zehn Prozent unserer eigenen Abonnentenbasis, und wir sind seit weniger als einem Jahr in diesem Markt. Aber der Erfolg liegt an dieser Serie. The Other Bennet Sister war außergewöhnlich, weil die Leute sagen: Ich muss das alles jetzt sofort sehen.'
Ob Mary Bennet eine zweite Staffel bekommt, lässt Produzentin Jane Tranter bewusst offen: 'Man macht nicht etwas wie dieses, bei dem die Menschen so reagieren, ohne zu denken: Okay, was können wir noch tun? Wir denken definitiv darüber nach. Das ist alles, was ich im Moment sagen kann.' Schildhouse kündigt zudem Projekte an, über die noch nicht gesprochen werden könne, die er aber als außerordentlich vielversprechend beschreibt.
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Artikel geschrieben von:

Sophie Hartmann analysiert seit mehreren Jahren Serienwelten mit Fokus auf Action, Sci-Fi, Fantasy und Mystery.
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