Warum Esmeralda in The Paper keine klassische Schurkin ist

Esmeralda macht Journalismus-Idealisten das Leben zur Hölle, und das mit Absicht. Sabrina Impacciatore spielt die Chefredakteurin Esmeralda Grand in der Serie The Paper. Doch wer sie als simple Antagonistin abtut, verpasst die eigentliche Pointe der Figur.
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Esmeralda: Schurkin mit Tweety-Bird-Seele
Sabrina Impacciatore spielt in The Paper die Figur Esmeralda Grand, Chefredakteurin des fiktiven Lokalblatts Toledo Truth Teller. Die Rolle war ursprünglich für eine amerikanische Schauspielerin gedacht. Impacciatore sprach das Casting-Vorsprechen mit ihrem italienischen Akzent, log auf Nachfrage, sie könne ihn ablegen, und bekam den Job trotzdem, weil die Produzenten ihren Akzent am Ende lieber mochten als den amerikanischen.
Esmeralda existiert in der Serie vor allem dazu, den idealistischen neuen Chefredakteur und seine Träume vom unabhängigen Journalismus zu sabotieren. Impacciatore wollte die Figur jedoch nicht als bloße Antagonistin anlegen. Ihr Vorbild war Tweety Bird aus den Looney-Tunes-Cartoons: eine Figur, die Schreckliches tut, aber aus einem Überlebensinstinkt heraus, nicht aus reiner Bosheit.
Diesen Ansatz brachte sie am ersten Drehtag direkt auf den Punkt. Als Showrunner Greg Daniels die Besetzung zum Improvisieren aufforderte, betrat Impacciatore den Raum wie ein B-Movie-Vamp, warf das Haar zurück und spielte Esmeralda als jemanden, der heimlich glaubt, ein Filmstar zu sein. Daniels war zunächst verwirrt, das Konzept setzte sich aber durch.
Staffel 2 schon im Kasten
Die Dreharbeiten zur zweiten Staffel von The Paper sind abgeschlossen. Impacciatore beschreibt die Figur darin als noch extremer als in Staffel 1: Esmeralda tue Dinge, die das Publikum bislang nicht von ihr kenne. Einen konkreten Starttermin für Staffel 2 gibt es noch nicht.
Für Impacciatore ist The Paper ein Projekt, das sie nach eigener Aussage jeden einzelnen Drehtag inspiriert hat. Sie beschreibt die Arbeit daran als echtes Spielen im kindlichen Sinne, ein Zustand, in dem eine Schauspielerin nicht mehr agiert, sondern sich verliert. Esmeralda sei eine verrückte Zwillingsschwester von ihr geworden.
Die Serie ist in Deutschland über WOW abrufbar. Produziert wurde sie für Peacock in den USA.
125 Takes für The White Lotus
Vor The Paper war Sabrina Impacciatore in Staffel 2 von The White Lotus zu sehen, als Valentina, die Hotelmanagerin auf Sizilien. Den Casting-Prozess beschreibt sie als obsessiv: Sie begann das Selbstband-Video um zwölf Uhr mittags und schickte es um ein Uhr nachts ab, nach 13 Stunden Arbeit und 125 Einzelaufnahmen.
Showrunner Mike White hatte im Skript eine härtere, kühlere Valentina vorgesehen. Impacciatore schlug eine emotionalere Version vor, White soll bei ihrem Vorsprechen in Person eine Träne vergossen haben. So bekam sie die Rolle als erste Wahl für HBO.
Auf dem Set in Sizilien entwickelte Impacciatore eine enge Freundschaft mit Jennifer Coolidge. Sie verbrachten so viel Zeit miteinander, dass Impacciatore sagt, sie seien fast ein Paar geworden. In einer gemeinsamen Szene habe sie drei Takes lang kein einziges Wort gesagt, weil sie Coolidge nicht unterbrechen wollte.
Zwölf Jahre Komödie, dann Drama
Impacciatore arbeitete zwölf Jahre lang als Komikerin im italienischen Fernsehen, schrieb eigene Sketche, erfand Figuren und machte Parodien. Ihren Durchbruch als dramatische Schauspielerin erlebte sie 2001 durch Ettore Scola, der sie in einem Antinazifilm besetzte. Regisseur Gabriele Muccino, später bekannt durch The Pursuit of Happyness mit Will Smith, gab ihr danach eine weitere prägende Rolle.
Auf der Bühne spielte sie Venus in Fur von David Ives drei Spielzeiten lang vor ausverkauftem Haus und gewann dafür einen Schauspielpreis. Noch extremer war ein Monolog nach einem Text der italienischen Autorin Natalia Ginzburg: eine Stunde lang eine Frau, die zunehmend den Verstand verliert und am Ende ihren Mann tötet. Impacciatore verlor während der Probenzeit viel Gewicht und wachte eines Morgens mit weißen Haaren auf.
Eine Therapeutin, die nach einer Vorstellung in die Garderobe kam, warnte sie, sie begebe sich an Orte, von denen sie möglicherweise nicht zurückfinde. Impacciatore nahm die Warnung ernst, ohne die Intensität aufzugeben.
Tribeca, Schnabel und ein Wunder
Parallel zu The Paper läuft Impacciatores internationale Karriere auf Hochtouren. Beim Tribeca Film Festival laufen zwei ihrer Filme: In the Hand of Dante von Julian Schnabel, in dem sie eine dramatische Nebenrolle übernimmt, und die Komödie Gail Daughtry and the Celebrity Sex Pass.
Das Kuriose: Beide Premieren wurden auf denselben Tag, dieselbe Stunde gelegt. Impacciatore kommentierte das mit dem Satz, die Autoren ihres Lebens, die täglich Zauberpilze nähmen und dann das Drehbuch ihrer Existenz schrieben, hätten sich dabei etwas gedacht.
Für eine italienische Schauspielerin Mitte vierzig, die nach eigener Aussage schon glaubte, ihre Karriere sei vorbei, ist das ein bemerkenswerter Verlauf. Wenn man heute ihren Namen googelt, erscheint sie neben Sophia Loren und Monica Bellucci in den Ergebnissen für 'italienische Schauspielerin', wie ihr eine Freundin jüngst beim Mittagessen erzählte.
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Artikel geschrieben von:

Emma Mueller ist Serienredakteurin mit klarem Fokus auf spannungsgetriebene Formate wie Action, Drama und Mystery.
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