Warum The Comeback mit seiner dritten Staffel selbst Skeptiker überrascht
Valerie Cherish hat per Vertragsklausel ihre eigene Existenz weggeklickt. Lisa Kudrow kehrt in der dritten Staffel von The Comeback zurück, ab sofort bei WOW verfügbar. Dass eine Serie über KI-Ersetzbarkeit ausgerechnet ihre Hauptfigur triumphieren lässt, macht den Sieg doppelt bitter.
Artikel-Inhalt
Valerie steckt in der KI-Falle
Valerie Cherish ist endlich das Gesicht eines erfolgreichen Formats: 'How's That?!' auf dem Streamingdienst NuNet läuft gut, die Zuschauer lieben sie. Doch der Triumph hat einen bitteren Beigeschmack, denn Valerie ist gleichzeitig das Aushängeschild eines von künstlicher Intelligenz verfassten Fernsehprogramms.
Mehr als 70 Prozent des Publikums scheinen damit kein Problem zu haben. NuNet-Chef Brandon, gespielt von Andrew Scott, tut Sitcoms als 'kinderleichte' Formate ab, die 'kein Genie brauchen'. Für Valerie, die ihr Leben dem Genre gewidmet hat, ist das ein Schlag ins Gesicht.
Das eigentliche Damoklesschwert hängt jedoch woanders: Valerie hat per digitalem Vertrag die Rechte an ihrem eigenen Erscheinungsbild abgetreten. Sie selbst könnte durch eine KI-Version ihrer Person ersetzt werden, ohne dass sie ein Wort dagegen sagen dürfte.
Showrunner bietet Rettungsanker
Mächtiger Showrunner Jack Stevens, verkörpert von Bradley Whitford, hatte Valerie zuvor gebeten, sich öffentlich für die Rechte der Autorinnen und Autoren einzusetzen. Nun schickt er ihr eine Nachricht mit einem Angebot, das alles verändern könnte.
Stevens schreibt eine Rolle speziell für sie: eine Frau von einer gewissen Gravität, nicht eines bestimmten Alters, die witzig ist und einen moralischen Kompass besitzt. Die Figur klingt verdächtig nach Valerie Cherish selbst.
Am Ende bestätigen die Abspanninfos, dass Valerie für ihre Darstellung der Richterin und Köchin Eleanor Judge in der Serie 'Judge's Table' einen zweiten Emmy gewinnen wird. Ein Triumph, der sich lange genug hat warten lassen.
Staffel 3 als Reifeprozess
In Staffel 3 wächst Valerie über sich hinaus: Sie übernimmt erstmals die Rolle der ausführenden Produzentin und setzt sich für ihre Kolleginnen und Kollegen vor der Kamera ein, aber auch für die Autorinnen und Autoren hinter den Kulissen. Es ist die erste Position echter Autorität in ihrer langen Karriere.
Serienschöpfer Michael Patrick King und Lisa Kudrow wirkten dabei wie zwischen konkurrierenden Zielen hin- und hergerissen. Einerseits wollten sie die gesellschaftliche Debatte um KI und Streikbewegung ernst nehmen, andererseits sollte Valeries persönliche Reise im Mittelpunkt bleiben.
Die Staffel greift dabei direkt die Ereignisse der Doppelstreiks auf: Die WGA- und SAG-Verträge, die aus diesen Arbeitskämpfen hervorgingen, enthalten nun Schutzklauseln gegen KI-geschriebene Drehbücher und die unerlaubte Nutzung von Schauspielerbildnissen. Valeries Geschichte spiegelt diese reale Auseinandersetzung unmittelbar wider.
Rückkehr alter Weggefährtinnen
Dokumentarfilmerin Jane, gespielt von Laura Silverman, bringt es auf den Punkt: 'Ich beobachte dich seit 20 Jahren', sagt sie zu Valerie. Dieser Satz fasst zusammen, was The Comeback für treue Zuschauer bedeutet: eine ungewöhnlich lange, ehrliche Beziehung zu einer Figur, die man eigentlich nicht mögen sollte, aber trotzdem liebt.
Auch Juna, gespielt von Malin Akerman, taucht auf dem Studiogelände wieder auf. Der einstige Jungstar ist inzwischen selbst ein Superstar und sagt Valerie atemlos: 'Für mich bist du es.' Ein Moment, der trotz allem Zynismus der Serie ehrlich berührt.
In Staffel 2 hatte Valerie die Emmy-Verleihung geschwänzt, um ihren geliebten Friseur Mickey, gespielt von Robert Michael Morris, im Krankenhaus zu besuchen. Solche Momente zeigen, was hinter der glitzernden Oberfläche von Valeries Selbstdarstellung steckt: echte Loyalität.
Kudrows Meisterklasse in Demütigung
Was The Comeback von anderen Serien über das Showbusiness unterscheidet, ist Valeries unerschütterliche Selbstwahrnehmung. 'Ich habe das nie so gefühlt, diese Demütigung', sagt sie. 'Ich glaube, man muss zustimmen, gedemütigt zu werden, und ich habe nie unterschrieben.'
Lisa Kudrow spielt diese Haltung mit einer Präzision, die gleichzeitig zum Lachen und zum Nachdenken bringt. Valerie ist naiv und klug, eitel und warmherzig, eine Figur, die das Publikum trotz aller Widersprüche nie loslässt.
The Comeback hat sich sein glückliches Ende vielleicht nicht in jeder dramaturgischen Hinsicht erarbeitet. Aber nach drei Staffeln mit Valerie Cherish fühlt es sich trotzdem verdammt gut an, es zu bekommen.
Mehr zu „The Comeback"

Warum der The Comeback Podcast zum Finale seinen stärksten Gast hatte
Eigentlich sollte Valerie Cherish interviewt werden, doch dann tauchte Jennifer Aniston auf. Aniston spielte im Podcast-Clip eine begeisterte Superfan und richtete ihre Frage direkt an Kudrows Figur. Das verwischt die Grenze zwischen Realität und Fiktion auf eine Weise, die selbst The Comeback kaum besser hätte schreiben können.

Dan Bucatinsky übernimmt in The Comeback Staffel 3 mehr Macht als je zuvor
Dreimal abgesetzt, dreimal zurück: The Comeback bekommt eine letzte Staffel. HBO bestätigte das Projekt nach einer weiteren Pause von zehn Jahren, mit Dan Bucatinsky nun auch hinter der Kamera. Dass ausgerechnet der Loyalste der Serie mehr Kontrolle bekommt als je zuvor, hätte kaum jemand erwartet.

Laura Silverman verrät: The Comeback ändert alles in Staffel 3
Laura Silverman bestätigt: The Comeback Staffel 3 dreht im Sommer 2025. Jane erfährt in Folge 6 ihren größten Moment, als sie von hinter der Kamera vor die Kamera tritt. Für die Serie bedeutet das den emotionalen Abschluss einer Beziehung, die sich über drei Staffeln aufgebaut hat.
Artikel geschrieben von:

Nina Wolf ist Redakteurin bei serien.de mit Fokus auf Sci-Fi, Fantasy und Mystery-Formate und langjähriger Streaming-Erfahrung.
Alle Artikel von Nina