Warum PONIES mit Haley Lu Richardson stärker wirkt als gedacht

Richardson sagt, sie sei für diese Rolle geboren worden. Twila, die schrullige Sekretärin, die in Ponies zur CIA-Agentin aufsteigt, ist die Figur, die sie noch nie zuvor so gespürt hat. Wer das sieht, versteht sofort, warum die Serie stärker wirkt als erwartet.
Artikel-Inhalt
Twila: Eine Rolle, die passt
Haley Lu Richardson spielt in PONIES die Figur Twila, eine eigenwillige Sekretärin, die im Moskau der 1970er Jahre zur CIA-Agentin wird. Gegenüber steht ihr Emilia Clarke als Bea, eine nach Vorschrift lebende, kontrollierte Persönlichkeit. Die beiden Frauen sind als Gegensätze angelegt, wachsen im Verlauf der Staffel aber aufeinander zu.
Richardson beschreibt die Besetzung als etwas, das sie tief persönlich trifft: 'Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand anderes Twila spielt, weil ich dafür geboren wurde. Dieses Gefühl hatte ich noch nie zuvor bei einer Figur.' Showrunner David Iserson und Susanna Fogel haben selbst betont, dass andere Schauspielerinnen Twila möglicherweise eindimensionaler gespielt hätten.
Twila trägt viel Scham und Schmerz in sich, unterdrückt durch eine schwierige Kindheit und eine zehn Jahre lange, belastende Ehe. Genau diese Tiefe macht die Figur laut Richardson so besonders: Sie spielt ihre Ungeschliffenheit bewusst aus, als Schutzschild, bevor andere sie dafür angreifen können.
Kostüm und Dialekt als Schlüssel
Für die Entwicklung von Twilas äußerer Erscheinung arbeitete Richardson eng mit Kostümdesignerin Anastasia Magoutas zusammen. Die beiden gingen gemeinsam auf Secondhand-Einkaufstour, um den Look der Figur zu erarbeiten. Bereits beim ersten Telefonat fanden sie das passende Symbol: Cowboystiefel mit Schmetterlingen und Flammen, die noch während des Gesprächs bestellt wurden.
Ebenso wichtig war die Arbeit mit Dialektcoach Christine Grace Szarko. Twila spricht ungeschliffen, mit einem eigenwilligen Akzent und einer merkwürdigen Selbstsicherheit darin. Richardson erklärt, dass dieser Sprechstil kein reines Versteckspiel ist: 'Sie spielt ihre Ungebildetheit auf, wirft sie anderen ins Gesicht, damit sie niemand zuerst damit treffen kann. Aber sie ist auch wirklich so.'
Körperlich näherte sich Richardson der Figur ebenfalls bewusst an. Twila sitzt breiter, bewegt sich maskuliner. Diese physischen Details halfen Richardson, eine eigene Distanz zu sich selbst herzustellen, ohne die Parallelen zur eigenen Persönlichkeit zu verlieren.
Budapest, Geburtstag und Erschöpfung
Sechs Monate lang drehte das Team in Budapest, wo die 1970er-Moskauer Kulisse nachgebaut wurde. Die Bedingungen waren anspruchsvoll: Richardson und Emilia Clarke wurden während der Produktion mehrfach krank, die Drehtage waren lang.
Für Richardson hatte der Dreh trotzdem eine persönliche Bedeutung. Sie feierte ihren 30. Geburtstag in Budapest, mitten in der Produktion, während sie eine Figur spielte, die selbst eine große Verwandlung durchmacht. 'Das war heilsam und befreiend', sagt sie. 'Ich habe Twila geliebt, und durch diese Liebe habe ich Dinge an mir selbst geliebt, für die ich mich vorher geschämt habe.'
Lili Walters spielt Ivanna, Twilas romantisches Interesse in der Serie. Diese Beziehung erlaubt Twila laut Richardson erstmals, ihre Verletzlichkeit und Sanftheit zu erkunden, jenseits der starren Rollenbilder, die ihr bisheriges Leben geprägt haben.
Frauen, Macht und eine klare Ansage
Ponies erzählt im Kern von zwei Frauen, die in einem System arbeiten, das nicht für sie gemacht wurde. Richardson sieht darin ein Thema, das weit über die 1970er hinausweist. Sie formuliert es direkt: 'Wir müssen eine Frau zur Präsidentin machen, dann verschwinden alle Probleme. Das darf man ruhig zitieren.'
Als Beispiel für die Kraft des Unerwarteten nennt Richardson die Schauspieler Hudson Williams und Connor Storrie, die in der Serie Heated Rivalry zu sehen sind. 'Wer sind diese Typen? Aber sie sind die Besten. Manchmal muss man auf jemanden setzen, der noch nichts bewiesen hat.' Dieses Prinzip überträgt sie direkt auf die gesellschaftliche Debatte um Frauen in Führungspositionen.
Für Richardson steckt in Twilas und Beas scheinbaren Schwächen die eigentliche Stärke. Ihr Kindheitsfreunds Vater habe ihr einmal gesagt: Jede Stärke, zu weit getrieben, wird zur Schwäche, und jede Schwäche hat ihren Ursprung in einer Stärke. Dieses Prinzip sieht sie in beiden Figuren verkörpert.
Staffel 2: Hoffnung und Holzklopfen
Eine zweite Staffel ist bisher nicht offiziell bestätigt. Richardson macht jedoch keinen Hehl daraus, wie sehr ihr daran liegt. Bei einem Branchentreffen von NBCUniversal suchte sie das Gespräch mit Produktionsverantwortlichen und erklärte ihnen unverblümt: Jedes Mal, wenn die Serie erwähnt wird, klopft sie auf Holz für eine Fortsetzung.
Die Reaktion blieb vage, ein Lächeln und ein Nicken. Richardson interpretiert das offen: Sie weiß nicht, was es bedeutet. Aber sie wäre traurig, Twila zurücklassen zu müssen.
Sabrina Impacciatore, bekannt aus White Lotus, ist ebenfalls Teil des Ponies-Ensembles. Die Serie bleibt damit ein Projekt mit starker internationaler Besetzung, das in Deutschland bei WOW, Sky Go und über den Wow Fiction Amazon Channel abrufbar ist.
Mehr zu „PONIES"

Viele übersehen PONIES noch, dabei trifft die Serie gerade einen wunden Punkt
Ob PONIES das Emmy-Muster wirklich brechen kann, ist noch offen. Klar ist: Die Serie greift ein strukturelles Problem auf, das von Bain über Danes bis zu den Slow-Horses-Darstellerinnen reicht. Was das für die Wahrnehmung weiblicher Spioninnen im TV bedeutet, entscheidet sich gerade.

PONIES Staffel 2 rückt näher: Die Macher sprechen über ihre Pläne
Ponies kehrt zurück, und die 1970er bleiben der Schauplatz. Peacock hat grünes Licht für Staffel 2 gegeben, nachdem Emilia Clarke und Haley Lu Richardson die erste Staffel trugen. Für Fans bedeutet das: Die unwahrscheinlichste Seriengeschichte der letzten Jahre geht weiter.
Artikel geschrieben von:

Clara Hoffmann ist Serien-Redakteurin mit besonderem Fokus auf emotionale Drama-Serien und detailreiche Period Pieces.
Alle Artikel von Clara