Warum I Love LA bewusst keine Micro-Trends kopiert

Die Kostümbildnerin von I Love LA besaß früher Vintageshops. Christina Flannery bringt diesen Hintergrund direkt in die Serie ein: Looks aus den 1940ern bis 2003 ersetzen aktuelle Trends. Dass ausgerechnet Vintage den zeitlosesten Effekt erzeugt, ist der überraschende Kern des Konzepts.
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Zeitlosigkeit statt Mikrotrend-Falle
Mode bewegt sich schnell, und wer eine Serie für die Generation Z produziert, riskiert, dass ein Look bereits veraltet aussieht, bevor die Folge überhaupt ausgestrahlt wird. Genau das wollten Rachel Sennott und Kostümbildnerin Christina Flannery bei I Love LA verhindern. Sennott beschreibt das Problem präzise: 'Mode bewegt sich gerade sehr schnell, und es ist leicht, einen Look einzubauen, der sich sofort alt anfühlt.'
Der Ansatz der beiden war deshalb nicht, aktuelle Trends zu kopieren, sondern jedem Charakter einen eigenen, unverwechselbaren Stil zu geben. So entsteht eine Bildsprache, die zwar erkennbar zeitgenössisch ist, sich aber nicht an einem bestimmten Moment festkrallt.
I Love LA läuft auf HBO und ist in Deutschland über WOW, Sky Go sowie den Wow Fiction Amazon Channel abrufbar. Die erste Staffel umfasst acht Episoden.
Sex and the City als geheime Blaupause
Als Referenz für den Kostümstil der Serie nennt Flannery ausgerechnet eine Produktion aus den späten 1990er Jahren: Sex and the City, erste Staffel. Der Grund liegt im DIY-Charakter der damaligen Mode. 'Es war nicht von Kopf bis Fuß durchgestylt, sauber, organisiert, alles ergab Sinn. Es war auf seltsame Weise zusammengestückelt', erklärt Flannery.
Konkret bedeutete das für I Love LA: ein süßes Vintage-T-Shirt kombiniert mit einem Designerrock aus einem kleinen Secondhand-Laden. Dieses eklektische Prinzip zieht sich durch die gesamte erste Staffel und verleiht den Charakteren eine Authentizität, die rein kommerzielle Looks nicht erreichen könnten.
Flannery betont, dass sie Zuschauer nicht durch allzu ausgestellte Stilistik verprellen wollte. Das Ziel war Identifikation, nicht Bewunderung aus der Distanz.
Das Gold Room: Kostüme aus 100 Jahren
Ein entscheidender Fundort für die Kostüme war das sogenannte Gold Room, ein riesiges Lagergebäude auf dem Warner Bros. Studiogelände. Dort lagern Kostüme aus nahezu jedem Jahrzehnt der letzten hundert Jahre. Sennott erinnert sich begeistert: 'Sie haben Gänge und Gänge mit den 1940ern, den 50ern, den 60ern, den 90ern. 2003 ist sogar ein eigener Gang.'
Flannery, die vor ihrer Karriere als Kostümbildnerin selbst Vintage-Läden betrieb, nutzte dieses Archiv intensiv. Gemeinsam mit Sennott durchstöberte sie die Bestände und stellte Racks zusammen, aus denen die Charakterlooks entstanden.
Auch die Sci-Fi-Abteilung des Lagers spielte eine überraschende Rolle. Das Jackett, das Ayo Edebiri in ihrer Einführungsszene als britischer Popstar Mimi Rush trägt, stammt aus einem Science-Fiction-Film. Flannery verrät außerdem, dass auch die Figur Tallulah vereinzelt Teile aus der Sci-Fi-Sektion trägt.
Staffel 2: Charaktere in neuer Ära
I Love LA wurde bereits für eine zweite Staffel verlängert. Flannery hat nach eigenen Angaben erste Sichtungen für neue Looks begonnen, auch wenn die intensive Vorbereitungsphase noch aussteht. Die Drehbücher wurden bislang nicht an die Kostümabteilung weitergegeben, wie Sennott gegenüber Deadline bestätigte.
Inhaltlich kündigt Sennott eine spürbare Veränderung an: 'Die Charaktere haben am Ende der letzten Staffel einen Sprung in eine neue Ära gemacht, und die Kleidung wird das widerspiegeln dürfen, was Spaß machen wird.' Die Mode soll also nicht nur Dekoration sein, sondern die Entwicklung der Figuren sichtbar machen.
Flannery hat für Staffel 2 ein klares Ziel: unabhängige Designer aus Los Angeles stärker in den Vordergrund zu rücken. 'Was mich wirklich begeistert, ist, dass wir weiterhin Indie-Designer aus L.A. fördern können. Wenn man in einer Stadt arbeitet, muss man die Community unterstützen', sagt sie.
Edebiri und Azion im Kostüm-Fokus
Neben der Gesamtästhetik der Serie stellte die Verwandlung von Ayo Edebiri in die britische Popikone Mimi Rush eine besondere kreative Herausforderung dar. Das Ergebnis, ein Jackett aus einem Sci-Fi-Filmfundus, zeigt exemplarisch, wie weit Flannery bei der Suche nach den richtigen Stücken geht.
Auch Odessa A'zion erhielt durch die Kostüme eine klar definierte Charakteridentität. Flannery arbeitete dabei nicht mit dem Prinzip 'zeitgenössisch gleich unkompliziert', sondern durchforstete moderne Modeketten, Vintage-Shops und Studiofundus gleichermaßen.
Das Ergebnis ist eine Serie, in der Kleidung tatsächlich erzählt, wer eine Figur ist. Nicht als Kostüm im theatralischen Sinne, sondern als Ausdruck von Haltung, Herkunft und Selbstbild.
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Artikel geschrieben von:

Lea Zimmermann analysiert aktuelle Serien mit besonderem Blick für Atmosphäre, Figurenentwicklung und Erzählstruktur.
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