Warum Bridgerton Staffel 4 stärker wirkt als befürchtet

Die schwächste Staffel im Acht-Staffeln-Plan wird zur Entdeckung. Yerin Ha, bis dato kaum im Mainstream angekommen, trägt als Sophie Baek die gesamte Halbzeit-Staffel. Dass ausgerechnet eine Unbekannte Bridgerton vor der Mittelmäßigkeit rettet, hat niemand erwartet.
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Staffel 4 drohte, Füllmaterial zu werden
Bridgerton folgt einem Acht-Staffeln-Plan, der sämtliche Romane von Autorin Julia Quinn adaptieren soll. Staffel 4 markiert die Halbzeit dieses Projekts und konzentriert sich auf Benedict Bridgerton (Luke Thompson), gespielt von Luke Thompson, den zweiten Sohn der Familie nach dem bereits verheirateten Anthony, den Jonathan Bailey in den ersten Staffeln verkörperte.
Benedicts Geschichte dreht sich um ein loses, ausschweifendes Leben, das nach einer Zäsur verlangt. Ohne eine starke Gegenfigur hätte die Staffel leicht im Klischee des künstlerhaften Freigeists versinken können, der von der richtigen Frau gerettet wird.
Genau das verhindert Yerin Ha. Ihre Figur Sophie Baek ist keine Erlöserin, sondern eine Herausforderung. Das macht den Unterschied.
Sophies Geschichte: Klasse und Würde
Sophie Baek ist die uneheliche Tochter eines Earls und einer Dienerin. Nach dem Tod ihres Vaters zwingt sie eine böse Stiefmutter in die Rolle einer Hausbediensteten, obwohl Sophie hochgebildet ist, fließend Französisch spricht und eine natürliche Würde ausstrahlt. Showrunnerin Jess Brownell und Executive Producerin Shonda Rhimes haben der Figur damit eine Komplexität mitgegeben, die in der Serie bislang selten war.
Sophie und Benedict begegnen sich auf einem Maskenball, zu dem Sophie heimlich mit Hilfe ihrer Dienstbotenkollegen gelangt. Ihre Intelligenz, ihr Witz und ihre Überzeugungen fesseln Benedict sofort. Doch statt sich als Muse in seine Welt fügen zu lassen, stellt Sophie seine Weltsicht direkt in Frage.
Als Benedict die anderen Frauen der Gesellschaft für ihre Jagd nach einem Ehemann kritisiert, weist Sophie ihn scharf zurecht. Sie macht ihm klar, dass diese Frauen keine Wahl haben: Armut, gesellschaftliche Schande und ein Leben ohne Absicherung sind die realen Alternativen für Frauen, die im England des 19. Jahrhunderts keine vorteilhafte Heirat eingehen.
Ha bringt echte Tiefe in die Serie
Yerin Ha war deutschsprachigen Zuschauern vor Bridgerton vor allem durch ihre Rollen in der Paramount+-Serie Halo und der HBO-Max-Produktion Dune: Prophecy bekannt. In Bridgerton zeigt sie nun eine andere Qualität: eine zurückgehaltene, präzise Präsenz, die die gewohnte leichte Unterhaltungsformel der Serie aufbricht.
Ha navigiert zwei intime Szenen zwischen Sophie und Benedict, die in Tonalität und Tempo kaum unterschiedlicher sein könnten. Dabei gelingt es ihr, die sinnliche Atmosphäre der Serie zu erhalten und gleichzeitig die realen Ängste einer Frau im 19. Jahrhundert glaubhaft zu machen.
Kritiker sehen in ihrer Leistung einen ernsthaften Kandidaten für eine Emmy-Nominierung in der Schauspielkategorie. Bislang hat aus dem gesamten Bridgerton-Cast nur Regé-Jean Page eine solche Nominierung erhalten, und das im Jahr 2021 für seine Rolle in Staffel 1.
Eine neue Perspektive für die Bridgertons
Ha bringt in Bridgerton erstmals eine konsequente Unten-oben-Perspektive ein. Sophies Geschichte zwingt die Bridgerton-Familie und indirekt auch das Publikum, das eigene Privileg zu reflektieren. Die vergangenen Staffeln bewegten sich weitgehend an der Oberfläche aristokratischer Liebesgeschichten. Sophie Baek durchbricht dieses Muster.
Wenn Benedict schließlich Sophies wahre Identität enthüllt, öffnet das die Welt von Bridgerton auf eine Art, die keine andere romantische Enthüllung der Serie zuvor geschafft hat. Die Klassengrenze zwischen den beiden ist kein dramatisches Mittel, das am Ende einfach weggewischt wird, sondern ein dauerhafter Riss im Fundament der Serienlogik.
Ha setzt damit nach Einschätzung von Branchenkritikern einen neuen Standard für die gesamte Serie, nicht nur für diese eine Staffel. Alle acht Staffeln von Bridgerton sind auf Netflix sowie Netflix Standard mit Werbung verfügbar.
Emmy-Chancen und der Bridgerton-Vergleich
Bridgerton ist bei den Emmy Awards vor allem für technische Kategorien bekannt: Kostüm, Ausstattung, Musik. Schauspielerische Nominierungen blieben die Ausnahme. Regé-Jean Page erhielt 2021 als bislang einziger Darsteller der Serie eine Emmy-Nominierung für seine Darstellung von Simon Bassett in Staffel 1.
Has Leistung als Sophie Baek wird nun als möglicher Wendepunkt in dieser Tradition gehandelt. Ob die Nominierungskomitees folgen, bleibt abzuwarten. Der Vergleich mit Page ist jedenfalls kein Zufall: Beide Figuren stehen für Momente, in denen Bridgerton kurz über sich selbst hinauswächst.
Hinter der Produktion stehen Showrunnerin Jess Brownell und Executive Producerin Shonda Rhimes, die Ha laut Branchenberichten bewusst mit einer Figur ausgestattet haben, die mehr Substanz trägt als viele ihrer Vorgängerinnen in der Serie.
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Artikel geschrieben von:

Mia Braun ist Redakteurin bei serien.de mit Fokus auf moderne Streaming-Serien und detaillierte Episodenanalysen.
Alle Artikel von MiaMia hat 3 weitere Artikel zur selben Serie verfasst.