Warum Believe Me gerade so stark ankommt
Ein Produzent, dem Quoten egal sind: Jeff Pope meint das ernst. Seine Serie Believe Me, besetzt mit Katherine Parkinson und Daniel Mays, läuft ohne klassisches Quotenbarometer. Dass ausgerechnet ein erfahrener TV-Produzent Rezensionen als verlässlicheren Erfolgsindikator bezeichnet, markiert einen echten Bruch mit der Branchenlogik.
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Kritiken als neues Erfolgsmaß
Kritiken sind für Produzenten wie Jeff Pope heute wichtiger denn je. Im Gegensatz zu früheren Zeiten, als Zuschauer eine Sendung entweder live sahen oder verpassten, nutzen Menschen heute Rezensionen aktiv, um zu entscheiden, was sie als nächstes schauen. Wer gute Kritiken bekommt, gewinnt Publikum, das gezielt auf der Plattform nach dem Titel sucht.
Pope räumt offen ein, dass er die genauen Abrufzahlen für seine Disney+-Serie Suspect nicht kenne und auch nicht wisse, wie diese Zahlen überhaupt gemessen werden. Was früher der Morgen nach der Ausstrahlung mit seinen Einschaltquoten war, fehlt im Streaming-Umfeld fast vollständig. Das macht die Resonanz durch Kritiken und Publikumsgespräche umso wertvoller.
Produzentin Nicola Shindler, die gemeinsam mit Pope an Believe Me arbeitet, teilt diese Einschätzung. Gute Kritiken erinnern zudem die klassischen öffentlich-rechtlichen Sender daran, dass solche Stoffe beim Publikum ankommen und gefragt sind.
Streaming verändert britisches Fernsehdrama
Streaming-Plattformen zahlen Filmteams deutlich mehr als lokale Sender es können. Das stellt die traditionelle britische Fernsehdramatik vor ernsthafte wirtschaftliche Probleme, weil Talente und Crews zunehmend zu den Plattformen abwandern, die mehr zahlen.
Believe Me war laut Pope finanziell besonders schwer zu realisieren, weil die Serie explizit auf das britische Publikum zugeschnitten ist. Solche Stoffe ohne internationale Verwertbarkeit sind für Plattformen weniger attraktiv, was die Finanzierung erheblich erschwert.
Trotzdem sieht Pope in guten Kritiken eine Chance, das Gleichgewicht zu verschieben. Wenn öffentlich-rechtliche Sender sehen, dass solche Stoffe Aufmerksamkeit erzeugen, kann das dazu beitragen, dass sie wieder mehr in anspruchsvolles britisches Drama investieren.
Worum es bei Believe Me wirklich geht
Jeff Pope betont ausdrücklich: Believe Me ist keine Geschichte über John Worboys und seine Motive. Worboys, bekannt als der Schwarze Taxifahrer, ist für Pope lediglich der Ausgangspunkt, nicht das Zentrum der Erzählung. Im Mittelpunkt stehen die Frauen, die Opfer wurden, und die Frage, warum ihnen nicht geglaubt wurde.
Von je 100 gemeldeten Vergewaltigungen und sexuellen Übergriffen führen in Großbritannien nur drei zu einer Anklage. Diese erschreckende Zahl ist für Pope der eigentliche Kern der Serie. Die Geschichte beginnt mit dem, was Worboys den Frauen antat, aber sie handelt davon, dass diese Frauen nicht gehört wurden.
Pope und sein Team haben Worboys bisher nicht einmal darüber informiert, dass die Serie produziert wird. Das unterstreicht, wie wenig Raum der Täter in dieser Erzählung einnehmen soll. Saurabh Kakkar führt Regie, Aasiya Shah und Miriam Petche spielen zentrale Rollen als Betroffene.
Carrie Johnson als Schlüsselfigur
Eine der faszinierendsten Figuren in Believe Me ist für Pope Carrie Johnson, die spätere Frau von Boris Johnson. Als Kommunikationsdirektorin der Konservativen Partei erfuhr sie, dass Worboys auf Bewährung entlassen werden sollte, und handelte sofort. Pope beschreibt ihre Figur mit dem Gedanken: Sei vorsichtig damit, was du dem Mädchen antust, denn die Frau wird zurückkommen, um dich zu verfolgen.
Katherine Parkinson spielt Carrie Johnson in der Serie. Ihre Figur steht sinnbildlich für die Frage, wie persönliche Erfahrungen mit Ungerechtigkeit Menschen dazu bringen, sich für andere einzusetzen. Aimée-Ffion Edwards und Daniel Mays übernehmen weitere wichtige Rollen in der Produktion.
Die Londoner Metropolitan Police, so Pope, sei auch im Jahr 2026 noch nicht in der Verfassung, die für ihre Aufgabe notwendig wäre. Das verleiht der Serie eine aktuelle politische Dimension, die weit über den Einzelfall Worboys hinausgeht.
Serien müssen etwas bewirken
Für Pope geht es beim Fernsehen nicht nur darum, dem Publikum etwas Angenehmes zu bieten. Serien sollen etwas bedeuten und einen Unterschied machen. Das Gefühl, ob eine Produktion wirklich etwas bewirkt hat, kam früher durch die Einschaltquoten am nächsten Morgen.
Im Streaming-Zeitalter fehlt dieses unmittelbare Feedback. Stattdessen treten Kritiken und gesellschaftliche Debatten an seine Stelle. Wenn eine Serie wie Believe Me dazu beiträgt, dass über Glaubwürdigkeit von Opfern und Versagen von Institutionen gesprochen wird, ist das für Pope wichtiger als jede Abrufzahl.
Die Serie steht damit exemplarisch für einen Wandel im britischen Qualitätsfernsehen: weg von der Reichweite als alleinigem Maßstab, hin zur gesellschaftlichen Relevanz als Gradmesser für Erfolg.
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Artikel geschrieben von:

Lea Zimmermann analysiert aktuelle Serien mit besonderem Blick für Atmosphäre, Figurenentwicklung und Erzählstruktur.
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