Warum Arcane selbst erfahrene Animationsprofis überraschte

·25.04.2026·3 Min
Bild: Netflix · TMDB

Erfahrene Animationsprofis kannten so einen Produktionsprozess schlicht nicht. Riot Games investierte anderthalb Jahre ohne Rückmeldung, 60 Piloten-Entwürfe und ein komplett gestrichenes erstes Serienkonzept in die Netflix-Serie. Dass ausgerechnet dieser ungewöhnliche Luxus an Zeit den Unterschied machte, überraschte sogar die Macher selbst.

Artikel-Inhalt

60 Entwürfe: Ein beispielloser Prozess

Sechzig Entwürfe für ein einziges Pilot-Drehbuch: Diese Zahl allein macht deutlich, wie ungewöhnlich die Produktion von Arcane verlief. J.B. Blanc, der in der Serie eine tragende Rolle spielt, brachte es auf den Punkt: 'Das ist unerhört. Niemand hat so viel Geld und Zeit.'

Dazu kommt, dass das Produktionsteam um Schöpfer Christian Linke und Alex Yee eine vollständige Pilotfolge produzierte und sie anschließend komplett verwarf. Ein solcher Schritt ist in der Animationsbranche schlicht ohne Beispiel und zeigt, welchen Perfektionsanspruch Riot Games von Beginn an verfolgte.

Jason Spisak, der ebenfalls von Anfang an dabei war, erinnerte mit einem Augenzwinkern daran, woher das Budget stammte: 'Wir danken euch für all eure Mikrotransaktionen.' Tatsächlich floss ein erheblicher Teil der Einnahmen aus dem Spiel League of Legends direkt in die Serienproduktion.

Anderthalb Jahre Funkstille für die Besetzung

Nach den ersten Aufnahmen folgte für viele Schauspielerinnen und Schauspieler eine lange Ungewissheit. Jason Spisak und J.B. Blanc nahmen Szenen auf und warteten anschließend anderthalb Jahre lang, ohne eine einzige Rückmeldung zu erhalten.

Blanc schilderte die Situation unverblümt: 'Es war nicht so, dass sie sagten: Keine Sorge, du bist noch dabei. So etwas bekamst du von denen nie. Gar keine Kommunikation.' Die Besetzung wurde mehrfach verändert, doch Blanc und Spisak überstanden jeden dieser Schnitte.

Ob andere Rollen zwischenzeitlich mit anderen Darstellern besetzt waren, blieb teilweise unklar. Spisak äußerte sich zu einer bestimmten Figur mit den Worten: 'Ich kenne die Antwort darauf nicht. Ich glaube, es könnte einen anderen Schauspieler gegeben haben, der ihn gespielt hat.'

Luxus der Zeit als entscheidender Vorteil

Was die Produktion von Arcane grundlegend von anderen Animationsprojekten unterschied, war der Umgang mit Zeit. Showrunner Amanda Overton und das Team um Christian Linke beschrieben den Entstehungsprozess als außergewöhnlich großzügig bemessen.

Linke betonte, dass in der Animationsbranche normalerweise enormer Zeitdruck herrsche: 'Es ist keine Fabrik, aber die Zeit ist knapp. Man hat nicht die Möglichkeit, eine Szene wirklich zu durchdringen oder sie zu überarbeiten.' Bei Arcane war das grundlegend anders.

Maggie Lovitt, die an der Produktion beteiligt war, fasste den entscheidenden Unterschied zusammen: 'Eines der größten Geschenke war der Luxus, uns Zeit zu nehmen. Wir hatten die Möglichkeit, eine Szene mehrfach und auf verschiedene Weisen aufzunehmen und sie wirklich zu spüren.'

Von 2015 bis zum weltweiten Erfolg

Die Idee zu Arcane reicht bis ins Jahr 2015 zurück. Christian Linke und Alex Yee, beide Mitglieder des Riot-Games-Teams, wollten die Figuren Vi und Jinx, die ursprünglich für das Spiel League of Legends entwickelt worden waren, in einem eigenständigen Erzählformat zum Leben erwecken.

Die ersten Sprachaufnahmen fanden vor rund zehn Jahren statt, wie Linke im Gespräch mit David Dunne bestätigte. Zwischen dem ersten Aufnahmetermin und der Fertigstellung der zweiten und letzten Staffel lagen damit fast ein Jahrzehnt intensiver Entwicklungsarbeit.

Katie Leung und die übrigen Mitglieder des Ensembles erlebten diesen langen Prozess hautnah mit. Das Ergebnis, eine Serie mit atemberaubenden Animationen von Studio Fortiche, gewann zahlreiche Preise und gilt heute als Maßstab für Videospiel-Adaptionen.

Arcane als Maßstab für Adaptionen

Anderthalb Jahre nach dem Finale der zweiten Staffel bleibt Arcane ein Referenzpunkt in der Diskussion darüber, wie aufwendig produzierte Animationsserien aussehen können. Die Kombination aus erzählerischer Tiefe, visueller Brillanz und dem langen Entwicklungsprozess ist bis heute einzigartig.

Hailee Steinfeld als Vi und Ella Purnell als Jinx lieferten Leistungen ab, die von Kritikern und Fans gleichermaßen gefeiert wurden. Dass beide Darstellerinnen die zahlreichen Umbesetzungsphasen überlebten, war keineswegs selbstverständlich.

Ob das Universum von Arcane auf Netflix in irgendeiner Form fortgesetzt wird, ist derzeit nicht bekannt. Ein konkreter Termin für ein mögliches Nachfolgeprojekt steht noch aus.

Mehr zu „Arcane"

Quelle: NetflixZuletzt aktualisiert: 25.04.2026, 04:16 Uhr

Artikel geschrieben von:

Anna Schneider
Autor
Anna Schneider
Science FictionFantasy-SerienMystery

Anna Schneider analysiert Serien von düsteren Mystery-Stoffen bis zu leichteren Komödien mit Fokus auf Erzählstruktur und Figurenentwicklung.

Alle Artikel von Anna

Wo wird die Serie gestreamt?

Streaming-Verfügbarkeit für Deutschland • Daten von TMDB