Vic Michaelis und Very Important People: unterschätzt, aber länger dabei als gedacht

Unterschätzt, aber nicht verschwunden: Very Important People trotzt dem Mainstream. Während Michaelis parallel als Serienregulär bei Peacocks Spionagethriller Ponies neben Emilia Clarke dreht, läuft Staffel 4 bei Dropout im Acht-Tage-Sprint. Die Serie beweist, dass kleines Budget und langer Atem kein Widerspruch sind.
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Staffel 4 entsteht in acht Tagen
Alle Folgen der vierten Staffel von Very Important People werden in nur acht Drehtagen produziert. Michaelis befand sich mitten in diesem Marathon, als das Gespräch stattfand, nämlich an Tag drei der komprimierten Produktion. Die dritte Staffel umfasste 14 Episoden und war zum Zeitpunkt des Interviews kurz vor dem Abschluss.
Dropout hielt kurz zuvor seine erste Emmy-FYC-Veranstaltung in der Laugh Factory in Los Angeles ab. Michaelis trat dort gemeinsam mit den langjährigen Cast-Mitgliedern Brennan Lee Mulligan und Lou Wilson in einer Live-Miniaturversion von Game Changer auf, moderiert von Dropout-Chef Sam Reich.
Very Important People ist eine Prothesen-gestützte Talkshow, in der Michaelis als Gastgeber auftritt. Dass das Format drei Staffeln überstehen würde, hielt Michaelis anfangs selbst für unwahrscheinlich: 'Ich dachte, ich komme mit dem ersten damit durch. Ich war mir nicht sicher, ob in der Vorproduktion überhaupt vorgesehen war, dass der Moderator wechselt.'
Von CollegeHumor zu Emilia Clarke
Michaelis ist seit den Tagen dabei, als Dropout noch unter dem Namen CollegeHumor firmierte. Damals übernahm die Komikerin kleine Rollen, während sie gleichzeitig mit der Upright Citizens Brigade in Los Angeles auf der Bühne stand. Heute gehört Michaelis zum festen Ensemble mehrerer Dropout-Formate, darunter Make Some Noise und Smartypants.
Der Sprung ins klassische Seriengeschäft gelang über eine Nebenrolle als Mildred in der zweiten Staffel von Upload. Darauf folgte die Verpflichtung als Serienregulär Cheryl Szymanski in der Peacock-Spionage-Thrillerserie Ponies, an der Seite von Emilia Clarke und Haley Lu Richardson.
Bei Ponies war Michaelis nach eigenen Angaben die Letzte, die gecastet wurde: 'Buchstäblich alle, die ich kenne, waren davor im Gespräch, bevor sie auf mich zugekommen sind.' Das hinderte Michaelis nicht daran, die Chance vollständig zu nutzen.
Dropout als künstlerische Heimat
Michaelis betont, dass die Arbeit für Dropout heute aus einem anderen Antrieb heraus geschieht als früher. 'Ich mache Dropout, weil ich Dropout machen will, nicht weil ich die Miete zahlen muss', sagte Michaelis. Die Buchung von Ponies habe paradoxerweise die Bindung an die Plattform gestärkt, weil finanzielle Zwänge weggefallen seien.
Sam Reich, Chef von Dropout, besucht das Set von Very Important People persönlich, um vorbeizuschauen. Michaelis beschreibt die Plattform als einen Ort, der kreative Freiheit bietet, die im übrigen Seriengeschäft selten geworden ist: 'In dem Klima, in dem die Branche gerade steckt, stecken viele Leute viel Geld in Projekte und haben Angst, Risiken einzugehen.'
Angela Giarratana von Smosh gehört zu den Gästen der aktuellen Staffel, die Michaelis besonders am Herzen liegt. Auch Shayne Topp und Amanda Lehan-Canto stehen auf der Wunschliste für künftige Folgen.
Emmys, Indie-Streaming und offene Tore
YouTube-Formate wie Hot Ones und Royal Court wurden in diesem Jahr bei den Emmy Awards eingereicht. Reich erklärte dazu, dass eine Nominierung für irgendjemanden aus dem Indie-Streaming-Bereich ein Gewinn für alle sei. Michaelis sieht das genauso und verweist auf Formate wie Mythical Kitchen als Teil eines größeren Wandels.
Der Vergleich mit dem Prinzip steigender Flut und hebender Boote verlief im Gespräch komisch aus dem Ruder, bevor Michaelis zum eigentlichen Punkt zurückfand: Es gehe darum, die Wahrnehmung von Independent-Streamern in der Branche zu verändern, nicht darum, wer konkret einen Preis gewinnt.
Dropout setzt dabei auf ein Modell, das Michaelis als außergewöhnlich beschreibt: Die besten Ideen setzen sich durch, und wer Zuschauer findet, bekommt kreative Freiheit, weiterzumachen. Dieses Prinzip hält Michaelis für selten und schützenswert.
Traum: The Rock und Alexandra Daddario
Wenn es nach Michaelis geht, soll die Karriere in Richtung großes Kino gehen. Als Traumformat nennt Michaelis den Katastrophenfilm San Andreas und formuliert das Ziel unverblümt: 'Ich will San Andreas machen. Ich will gleichzeitig Alexandra Daddario und The Rock sein.' Action, Abenteuer, Monster, große Leinwand.
Der erste Guardians of the Galaxy habe Michaelis' Sicht auf Film grundlegend verändert. Der entscheidende Maßstab ist dabei der Vater: Michaelis will Projekte machen, bei denen der Vater, der früher mit Improv-Comedy nichts anfangen konnte, begeistert im Kino sitzt.
Neben den Serienproduktionen steht auch ein Videospiel-Auftritt an, den Michaelis als völlig neues Format beschreibt. Details dazu nannte Michaelis noch nicht, bezeichnete die Erfahrung aber als 'absoluten Spaß'. Ob und wann deutsche Fans Very Important People oder Ponies regulär streamen können, ist derzeit noch offen.
Artikel geschrieben von:

Lea Zimmermann analysiert aktuelle Serien mit besonderem Blick für Atmosphäre, Figurenentwicklung und Erzählstruktur.
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