Ein Budget von Millionen: Nicholas Meyer über Star Trek II und Strange New Worlds

11 Millionen Dollar retteten Star Trek vor dem Aus. Nicholas Meyer drehte 'The Wrath of Khan' für ein Bruchteil-Budget, nachdem der erste Film 45 Millionen Dollar verschlungen hatte. Zum 60. Jubiläum des Franchises erklärt der Regisseur, warum Geldnot manchmal der beste Produzent ist.
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Ein Budget, das alles veränderte
Der erste 'Star Trek'-Film kostete 1979 rund 41 Millionen Euro und war eine außer Kontrolle geratene Produktion. Er spielte sein Geld zwar ein, doch für die Fortsetzung setzte das Studio klare Grenzen: Kein vergleichbares Budget, kein vergleichbares Chaos. Produzent Harve Bennett, bekannt durch Serien wie 'The Six Million Dollar Man' und 'The Bionic Woman', übernahm die Verantwortung.
Bennett bekam die Aufgabe, einen besseren Film für die Hälfte des Geldes zu produzieren. Seine Antwort war legendär: Er könne für dieses Geld gleich fünf Filme drehen. Am Ende lag das tatsächliche Budget bei rund 10 Millionen Euro, ein Bruchteil dessen, was der Vorgänger verschlungen hatte.
Bevor Meyer an Bord kam, existierten bereits fünf verschiedene Drehbuchentwürfe. Keiner davon überzeugte. Meyer selbst hatte 'Star Trek' im Fernsehen gesehen und war zunächst wenig beeindruckt. Die bunten Kostüme ließen ihn kalt, die tiefere Botschaft der Serie, dass Menschen verschiedener Kulturen und Hintergründe gemeinsam Gutes bewirken können, ging an ihm schlicht vorbei.
Hornblower als Schlüssel zum Universum
Der entscheidende Durchbruch kam durch eine Kindheitserinnerung. Meyer entdeckte mit 13 Jahren die Abenteuer von Kapitän Horatio Hornblower, einem fiktiven britischen Marineoffizier der napoleonischen Kriege. Die Romane fesselten ihn damals mit Seefahrt, Gefahr und Romantik.
Beim Lesen des fünften Drehbuchentwurfs traf ihn die Erkenntnis: Kirk ist Hornblower im Weltraum. Dieser Vergleich gab ihm den Rahmen, den er brauchte. Gegenüber Variety erklärte Meyer: 'Kirk is Hornblower in outer space. I know how to do that.' Mit diesem gedanklichen Anker fand er seinen Zugang zur Figur und zum gesamten 'Star Trek'-Universum.
Das Ergebnis dieser Herangehensweise ist bis heute spürbar. 'Der Zorn des Khan' gilt vielen als der stärkste der 'Star Trek'-Kinofilme, ein Film, der trotz minimaler Mittel maximale Wirkung entfaltete.
Meyers Blick auf das heutige Fernsehen
Beim Italian Global Series Festival, das in diesem Jahr 60 Jahre 'Star Trek' feiert und einen Vorausblick auf 'Star Trek: Strange New Worlds' Staffel 4 bietet, sprach Meyer auch über den Wandel der Medienlandschaft. Sein Befund ist ernüchternd: Selbst Filmstudenten könnten heute kaum noch einen vollständigen Kinofilm am Stück schauen.
Der Trend gehe hin zu ultrakurzen Formaten, vertikalen Videos von 30 Sekunden, teils aus China finanziert. Meyer erinnert in diesem Zusammenhang an Jeffrey Katzenbergs gescheitertes Projekt Quibi, das vor einigen Jahren Investitionen in kurze Smartphone-Episoden bündelte und kläglich scheiterte. Heute, so Meyer, würde dasselbe Konzept funktionieren.
Für Meyer bleibt das kollektive Kinoerlebnis dennoch unersetzlich. Das gemeinsame Lachen und Weinen mit Fremden in einem Saal sei eine Form menschlicher Verbindung, die durch Streaming auf dem Smartphone nicht zu ersetzen sei. 'I think we forfeit all of this at our peril', sagte er gegenüber Variety.
Serien zwischen Dickens und Cliffhanger
Meyer sieht in der modernen Seriendramaturgie durchaus Parallelen zur Literatur des 19. Jahrhunderts. Fortlaufende Serien erinnerten ihn an die in Fortsetzungen veröffentlichten Romane von Charles Dickens oder Alexandre Dumas, die ebenfalls Zeit hatten, Charaktere über viele Folgen hinweg zu entwickeln. 'Breaking Bad' nennt er als Paradebeispiel dafür, wie ein Protagonist, Walter White, über Staffeln hinweg glaubwürdig verfallen kann.
Gleichzeitig sieht er die wachsende Zahl an Formatvorgaben kritisch. Cliffhanger am Episodenende seien kein neues Konzept, das gebe es seit der 'Odyssee'. Doch heute kämen immer mehr Regeln hinzu, was Geschichtenerzähler dürfen und was nicht. Kulturelle und wirtschaftliche Einschränkungen machten es schwerer, originelle Stoffe durchzusetzen.
Meyer, der neben seiner 'Star Trek'-Arbeit die Netflix-Serie 'Medici: Masters of Florence' mitentwickelte, kennt beide Welten aus eigener Erfahrung. Sein Fazit: Das Handwerk bleibt dasselbe, die Hindernisse werden mehr.
Star Trek mit 60: Blick nach vorne
Das Italian Global Series Festival nutzte das 60-jährige Jubiläum von 'Star Trek' für einen Ausblick auf 'Star Trek: Strange New Worlds' Staffel 4, die auf Paramount+ erscheinen wird. Das Festival bot damit einen seltenen Rahmen, in dem Vergangenheit und Zukunft des Franchise direkt aufeinandertrafen.
Meyers Rückblick auf 'Der Zorn des Khan' steht dabei sinnbildlich für das, was 'Star Trek' ausmacht: knappe Mittel, starke Ideen, unerwartete Inspirationsquellen. Ob Staffel 4 von 'Strange New Worlds' an diese Tradition anknüpfen kann, werden die Episoden selbst zeigen müssen.
Abseits von 'Star Trek' bewegt sich die Branche weiter: Andrea Riseborough stößt zu Jeremy Strong für das Paramount+-Drama '9/12', und Rob Reiner erhielt posthum eine Emmy-Nominierung für seine Rolle in 'The Bear'. Anthony Hopkins wiederum wechselt das Medium und veröffentlicht im August sein erstes Musikalbum beim Klassiklabel Decca.
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Artikel geschrieben von:

Marie Weber berichtet über Action-, Drama- und Mystery-Serien mit besonderem Fokus auf Spannungsdramaturgie und Figurenzeichnung.
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