Ted Lasso wagt in Staffel 4 einen Neustart mit weiblichem Kader

·05.08.2026, 10:04 Uhr·4 Min
Ted Lasso wagt in Staffel 4 einen Neustart mit weiblichem Kader
Bild: Apple TV · TMDB

Ted Lasso kehrt zurück, obwohl Staffel 3 wie ein Serienfinale wirkte. Drei Jahre später schickt Apple TV+ Jason Sudeikis als Coach eines Frauenteams zurück nach London. Dass die Serie nach ihrem holprigen Abschluss noch einmal neu startet, hätten viele Fans nicht erwartet.

Artikel-Inhalt

Frischer Auftrag für Ted Lasso

Drei Jahre nach dem umstrittenen Abschluss der dritten Staffel kehrt Ted Lasso auf Apple TV+ zurück. Die Prämisse ist dabei klug gewählt: Zwei Jahre nachdem Ted (Jason Sudeikis) AFC Richmond verließ und mit seinem Schnurrbart nach Kansas City zurückkehrte, tauchen Clubbesitzerin Rebecca (Hannah Waddingham), Marketingchefin Keeley (Juno Temple) und Betriebsleiter Leslie Higgins (Jeremy Swift) in den USA auf. Ihr Angebot: Ted soll das neu gegründete Frauenteam des Clubs trainieren, das als krasse Außenseiter in die Liga startet.

Das Konzept verbindet zwei Ideen, die sich gegenseitig reiben. Einerseits ist es ein Klassentreffen, bei dem Ted nach London zurückkehrt und die alte Crew um sich schart. Andererseits soll es ein echter Neuanfang sein, mit neuen Spielerinnen, neuen Herausforderungen und einem anderen kulturellen Kontext. Staffel 4 funktioniert deutlich besser, wenn sie das zweite Versprechen einlöst.

Produziert wird die Serie von Warner Bros. Television, erschaffen wurde sie von Jason Sudeikis, Bill Lawrence, Joe Kelly und Brendan Hunt. Das Grundgerüst bleibt also in denselben Händen wie von Beginn an.

Tanya Reynolds überzeugt als Kontrastfigur

Die stärkste Neuzugang ist Tanya Reynolds, bekannt aus 'Sex Education'. Sie spielt Alice Chilton, eine Trainerin mit dauerhaftem Stirnrunzeln und knapper Strenge, die als perfekte Gegenfigur zu Teds unerschütterlichem Optimismus funktioniert. Ihre Figur fühlt sich von Anfang an vollständig ausgearbeitet an.

Das Problem: Sie ist in den ersten fünf der insgesamt zehn Episoden so ziemlich die einzige neue Figur, die wirklich Tiefe bekommt. Andere frische Gesichter, darunter eine Spielerin, die gleichzeitig alleinerziehende Mutter ist, und eine Torhüterin, die partout keine Handschuhe trägt, blitzen zwar auf, bleiben aber vorerst Randerscheinungen.

Tracey Ullmann taucht als neue Mentorin für Rebecca auf und bringt komödiantisches Gewicht mit. Doch auch sie kommt in den gesichteten Folgen noch nicht voll zur Entfaltung. Die Serie zeigt, was möglich wäre, wenn sie konsequent auf diese Figuren setzen würde.

Altbekannte Gesichter blockieren den Neustart

Brett Goldstein ist nicht nur als Schauspieler, sondern auch hinter der Kamera eine treibende Kraft. Das erklärt womöglich, warum sein Charakter Roy Kent, einst grummeliger Spieler, jetzt Trainer, trotz des Schwenks weg von der Männermannschaft weiterhin so viel Screentime bekommt. Roy und Keeleys On-off-Beziehung zieht sich dabei wie ein müder Kaugummi durch die Handlung.

Ähnlich verhält es sich mit Beard, gespielt von Serienmitschöpfer Brendan Hunt: Die Figur füllt weiterhin Platz, obwohl sie als gelegentlicher Gastauftritt mehr Wirkung hätte. Die Konsequenz ist spürbar. Eine wichtige Entscheidung von Teds Ex-Frau Michelle (Andrea Anders) wird im Schnelldurchlauf abgehandelt, statt aus ihrer Perspektive gezeigt zu werden.

Ein ganzer Episodenstrang dreht sich um Grüppchenbildung im Team, obwohl das Problem erst sehr spät tatsächlich auf dem Bildschirm zu sehen ist. Bis dahin erzählen andere Figuren davon, was das Geschehen seltsam abstrakt wirken lässt.

Kürzere Episoden als echte Verbesserung

Eine konkrete Lehre aus der dritten Staffel scheint die Produktion gezogen zu haben: Keine der ersten fünf Episoden überschreitet die Stundenlänge. In Staffel 3 war das regelmäßig der Fall und sorgte für Kritik wegen Überladung und Längen.

Das straffere Format tut der Serie gut. Szenen kommen schneller auf den Punkt, die Energie bleibt höher. Wenn das Tempo über alle zehn Folgen gehalten wird, wäre das allein schon ein echter Fortschritt gegenüber dem Vorgänger.

Die blinde Aufrichtigkeit und der unablässige Positivismus, die manche Zuschauer an 'Ted Lasso' schätzen und andere nerven, sind weiterhin fester Bestandteil der Serie. Feministische Kommentare spielen durch den Fokus auf das Frauenteam eine größere Rolle als je zuvor, was nicht immer mit Fingerspitzengefühl gehandhabt wird.

Versprechen und Versäumnisse im Gleichgewicht

Staffel 4 ist kein gescheiterter Neustart, aber auch kein überzeugender. Die Zutaten für eine echte Wiedergeburt sind vorhanden: ein relevantes Thema, neue Charaktere mit Potenzial, ein strafferes Format. Das Ensemble der alten Garde steht dem jedoch konsequent im Weg.

Solange Roy Kent und Beard Hauptfiguren-Status genießen, bleibt für Alice Chilton, Tracey Ullmanns Figur und die neuen Spielerinnen zu wenig Raum. 'Ted Lasso' müsste das Feld freimachen, tut es aber nicht.

Für Fans der ersten Stunde bietet Staffel 4 vertraute Wärme mit etwas frischer Luft. Wer hoffte, die Serie würde sich vollständig neu erfinden, dürfte nach fünf Folgen noch unentschieden sein.

Mehr zu „Ted Lasso"

Quelle: Apple TVZuletzt aktualisiert: 05.08.2026, 10:04 Uhr

Artikel geschrieben von:

Mia Braun
Autor
Mia Braun
Action-&-Adventure-SerienDrama-SerienMystery

Mia Braun ist Redakteurin bei serien.de mit Fokus auf moderne Streaming-Serien und detaillierte Episodenanalysen.

Alle Artikel von Mia

Mehr aktuelle Serien-News

Bleib auf dem Laufenden — alle frischen Meldungen, Trailer und Staffel-Starts auf einen Blick.