Stuart Campbell bricht in Half Man aus der Anonymität aus

Wie weit kann eine Serie über männliche Wut wirklich gehen? Half Man, Richard Gadds neue HBO-Serie mit Stuart Campbell, liefert ab Donnerstag die Antwort. Kritiker sind sich einig: die Grenze wird überschritten.
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Gadds neue Serie erschüttert das Publikum
Half Man ist Richard Gadds nächster großer Schlag nach dem Welterfolg Baby Reindeer. Die neue Serie verfolgt die angespannte, aber tiefe Beziehung zweier Männer über 30 Jahre hinweg und richtet dabei einen schonungslosen Blick auf toxische Männlichkeit, Wut und Verdrängung.
Kritiker beschreiben das Ergebnis als brutale Zumutung im besten Sinne: eine Serie, bei der man kaum hinsehen kann und trotzdem nicht wegschauen will. Gadd selbst bezeichnet Half Man als Auseinandersetzung mit toxischer Männlichkeit, ein Thema, das ihn offensichtlich nicht loslässt.
Matthew Rhys und Jamie Bell gehören zum Ensemble, das diese Geschichte über Jahrzehnte trägt. Bell spielt die ältere Version von Niall, jenem ruhigeren Charakter, der als Gegenpol zu Rubens Unberechenbarkeit funktioniert.
Campbell wollte eigentlich Niall spielen
Stuart Campbells Weg zu Ruben war alles andere als geradlinig. Er kam ursprünglich zum Vorsprechen mit der Absicht, für die Rolle des sanftmütigen Niall aufgenommen zu werden. Gadd erkannte jedoch sofort, dass Campbell für etwas ganz anderes bestimmt war.
Niall, der in seiner jüngeren Version von Mitchell Robertson und später von Jamie Bell gespielt wird, ist ein grundlegend anderer Charakter als Ruben. Ruben ist groß, einschüchternd und unberechenbar, ein wandelnder Widerspruch, wie Campbell ihn selbst beschreibt.
Dass ausgerechnet er diese Rolle bekommen hat, erfüllt Campbell mit tiefer Dankbarkeit. 'Es gibt so leicht eine andere Welt, in der jemand anderes diesen Part spielt und ihm gerecht wird', sagt er. 'Deshalb bin ich einfach wirklich froh, dass es ich sein durfte.'
Zwei Jahre Vorbereitung, ein Durchbruch
Der Weg von der ersten Bewerbung bis zum Dreh war lang. Campbell schickte sein erstes Selbstaufnahme-Video vor etwa zwei Jahren ein, ungefähr zur gleichen Zeit wie sein Kollege Mitchell Robertson. Die Zusage kam Ende 2024, die Dreharbeiten begannen 2025.
Für Campbell war es kein völliges Neuland, mit Gadd zu arbeiten. Bereits 2018 standen beide gemeinsam für die BBC-Three-Serie Clique vor der Kamera, wenn auch nur in wenigen Szenen. 'Ich habe mich in seiner Gegenwart ziemlich sicher gefühlt', erinnert er sich.
Wer neugierig ist, kann Campbell in Clique mit einem markanten Kurzhaarschnitt entdecken, einem Merkmal, das er selbst schmunzelnd erwähnt. Damals ahnte noch niemand, welche Rolle ihm wenige Jahre später zufallen würde.
Ruben: Gewalt, Schmerz und innere Konflikte
Die Darstellung von Ruben verlangte Campbell einiges ab. Jeder Mensch trage einen wesentlichen Schmerz in sich, sagt er. Seinen ersten Job hatte er mit 13 Jahren, und Konflikte dieser Art habe er schon früh in seinem Leben erkundet, wenn auch meist als Opfer und nicht als Täter von Gewalt.
Genau dieser Perspektivwechsel war für ihn die eigentliche Herausforderung und zugleich die größte Belohnung der Rolle. Ruben ist kein einfacher Bösewicht, sondern eine Figur voller innerer Widersprüche, die den Zuschauer zwingt, Verständnis und Ablehnung gleichzeitig zu empfinden.
Um die körperlich intensiven Szenen sicher zu gestalten, waren an bestimmten Drehtagen gleich zwei Intimacy Coordinators am Set, dazu umfangreiche Stunt-Koordination und Proben vor dem eigentlichen Dreh. Die Produktion nahm die Fürsorge für ihr Ensemble erkennbar ernst.
Half Man: Wo und wann schauen?
Half Man läuft ab Donnerstag, dem 24. April 2026, wöchentlich auf HBO. Für Zuschauerinnen und Zuschauer außerhalb der USA ist die Serie über den jeweiligen regionalen Streaming-Anbieter abrufbar.
Richard Gadd ist in dieser Woche auch Titelthema des Branchenmagazins The Hollywood Reporter, was die enorme Aufmerksamkeit unterstreicht, die die Serie bereits vor dem Start auf sich gezogen hat. Auch Auftritte wie beim Talkformat von Jimmy Kimmel gehören zur Promotionswelle rund um den Start.
Mit Half Man beweist Gadd, dass Baby Reindeer kein Zufallstreffer war. Die Kombination aus persönlichem Schreiben, starken Darsteller und unbequemen Themen macht die neue Serie zu einem der meistdiskutierten Fernsehereignisse des Frühjahrs 2026.
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Eine einzige Szene verändert, wie man Half Man versteht. Richard Gadd erklärt, warum die Krankenhaus-Konfrontation in Episode vier der emotionale Kern der HBO-Max-Serie ist. Wer diese Szene gesehen hat, schaut Ruben und Niall danach mit anderen Augen an.

Wegen Richard Gadd schauen jetzt viele zum ersten Mal Half Man
Drei Emmys für autobiografisches Trauma, jetzt der Sprung ins Fiktionale. Gadd schreibt und produziert Half Man erneut selbst, doch die Geschichte von Ruben und Niall ist diesmal erfunden. Ob sein Stil ohne persönliche Vorlage trägt, ist die eigentliche Frage dieser Serie.

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Artikel geschrieben von:

Clara Hoffmann ist Serien-Redakteurin mit besonderem Fokus auf emotionale Drama-Serien und detailreiche Period Pieces.
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