Staffel 3 von Interview with the Vampire startet als andere Serie

Wer Louis vermisst, muss sich umgewöhnen. Interview with the Vampire heißt jetzt The Vampire Lestat und stellt ab Staffel 3 Sam Reids Figur in den Vordergrund. Was folgt, ist lauter, schriller und schamloser als alles, was die Serie bisher gezeigt hat.
Artikel-Inhalt
Neuer Titel, neuer Ton
Zwei Staffeln lang adaptierte die Serie Anne Rices Kultroman von 1976 mit Jacob Anderson als Louis im Mittelpunkt. Nun ist diese Geschichte erzählt, und Showrunner Rolin Jones wechselt zur Romanfortsetzung von 1985, die konsequenterweise auch den Serientitel bestimmt.
Der Namenswechsel zu The Vampire Lestat ist kein reines Marketing-Manöver, sondern ein inhaltliches Signal: Die Serie verlässt die introspektive Erzählperspektive des Interviews und stürzt sich in die exzentrische Welt ihres schillerndsten Charakters.
Sam Reid, der Lestat bereits in den ersten beiden Staffeln mit wilder Energie verkörperte, bekommt nun die Bühne, die seiner Figur gebührt. Rolin Jones hat die Weichen für einen Serienumbau gestellt, der mutig und konsequent zugleich ist.
Lestat als Rockstar auf Tour
In Staffel 3 tritt Lestat als selbsternannter Vampir-Frontsänner einer Gothic-Glam-Rockband auf und gibt sich öffentlich als das zu erkennen, was er ist. Die Prämisse ist so absurd wie faszinierend: Ein 265 Jahre alter Vampir mit einem Mikrofon in der Hand und ohne jeden inneren Zensur-Knopf.
Rolin Jones beschreibt diesen Zustand treffend: Lestat habe einen Schalter im Inneren, der beim Anblick eines Mikrofons umgelegt werde, und er gehe die Sache genauso ungefiltert an wie den Rest seiner 265 Lebensjahre. Genau das sei der eigentliche Spaß an dieser Staffel.
Daniel Hart, der Komponist der Serie, steuert pro Folge mehrere Originalsongs bei und gibt der Rockstar-Erzählung eine echte musikalische Substanz. Das Ergebnis soll sich laut Jones anfühlen wie ein Konzertbesuch in einem legendären Untergrund-Club, roh und nach echtem Leben riechend.
Molloy kehrt als Vampir zurück
Assad Zaman kehrt als Molloy zurück, der inzwischen selbst zum Vampir geworden ist. Sein Buch über Louis, das den Titel 'Interview With the Vampire' trägt, ist ein Bestseller geworden, was Lestat naturgemäß nicht auf sich sitzen lässt.
Lestat lädt Molloy ein, eine Dokumentation über sein Leben zu drehen, während er auf Tour ist. Diese Konstruktion erlaubt der Serie, Lestats Sichtweise auf die gemeinsame Geschichte mit Louis neu zu verhandeln und dabei Lestats Narzissmus als dramaturgisches Werkzeug einzusetzen.
Eric Bogosian, der als Molloy bereits in den Vorgänger-Staffeln brillierte, steht damit erneut im Zentrum des erzählerischen Rahmens, diesmal jedoch als Gegengewicht zu einem Lestat, der die Deutungshoheit über sein eigenes Leben beansprucht.
Gothische Tiefe bleibt erhalten
Trotz des Tonwechsels verliert The Vampire Lestat die dunkle Seele seiner Vorgänger-Staffeln nicht. Die gothische Dramatik lebt vor allem in Rückblenden fort, die Lestats erschreckende Einführung in die Unsterblichkeit durch den monströsen Magnus zeigen, verkörpert von Damien Atkins.
Auch Lestats vampirische Mutter Gabriella taucht wieder auf: Jennifer Ehle übernimmt die Rolle und bringt eine weitere komplexe Beziehung in die Serie, die das Thema Familie unter Vampiren mit neuer Brisanz auflädt.
Rolin Jones und sein Team haben bewusst entschieden, diese Vergangenheits-Szenen nicht als Rückblende zu verstecken, sondern sie dramaturgisch in den Vordergrund zu stellen. Die Frage, warum eine solche Szene nicht direkt im Jetzt erzählt werden kann, habe das Team dazu gebracht, die Struktur aufzubrechen und den emotionalen Kern freizulegen.
Lestats Glanz gedimmt für 2026
Rolin Jones hat bewusst einige von Lestats strahlender Aura aus der Romanvorlage abgemildert, um die Figur für das Jahr 2026 glaubwürdig zu machen. Die Idee, dass Vampire real sein könnten, sei vielleicht einen Tag lang ein heißes Thema, und für Lestats Art von Musik interessiere sich schlicht kaum noch jemand.
Diese Erdung macht Lestat paradoxerweise interessanter: Ein Vampir, der mit seiner eigenen Irrelevanz ringt, ist dramatisch ergiebiger als ein unnahbarer Übervampir. Sam Reid dürfte diese Fallhöhe mit Genuss auskosten.
Die Serie bleibt damit ihrem Anspruch treu, Anne Rices Universum nicht als museales Kostümstück zu behandeln, sondern als lebendiges, zeitgenössisches Drama mit echten emotionalen Reibungspunkten.
Mehr zu „Interview with the Vampire"

Junger Daniel Molloy gestrichen: Interview with the Vampire setzt Staffel 3 neu auf
Wer Fields Version des jungen Daniel Molloy mochte, wartet vergebens. Der Schauspieler fehlt in Staffel 3, die unter neuem Namen als The Vampire Lestat startet. Fans bekommen stattdessen Lestat de Lioncourt und seine Mutter Gabrielle im Mittelpunkt.

Ab 24. Mai: Interview with the Vampire startet mit Vorschau-Episode in die neue Runde
Zur dritten Staffel gibt es erstmals eine eigene Begleitshow. 'The Vampire Lestat: After Dark' startet am 24. Mai mit einer Vorschau-Episode auf AMC+ und wird wöchentlich von Moderatorin Lizzie Bassett mit Cast-Interviews begleitet. Für Fans bedeutet das einen neuen Zugang hinter die Kulissen der Serie.

Interview with the Vampire bekommt ein Finale, das niemand kommen sieht
Das Serienfinale, das niemand kommen sieht, ist jetzt offiziell angekündigt. Eric Bogosian, der in Staffel 3 den Journalisten Daniel Molloy spielt, verspricht ein Finale wie eine Atombombe. Wer die ersten zwei Staffeln für intensiv hielt, sollte sich neu kalibrieren.
Artikel geschrieben von:

Clara Hoffmann ist Serien-Redakteurin mit besonderem Fokus auf emotionale Drama-Serien und detailreiche Period Pieces.
Alle Artikel von ClaraClara hat einen weiteren Artikel zur selben Serie verfasst.