Shrinking läuft, Rooster startet, Bad Monkey kommt: Bill Lawrence produziert gerade auf Hochtouren

Bill Lawrence produziert derzeit fünf Serien gleichzeitig. Shrinking läuft auf Apple TV+, Bad Monkey geht in die zweite Staffel, Rooster mit Steve Carell befindet sich bei HBO im Writers Room. Kein anderer Comedy-Showrunner seiner Generation hat aktuell mehr Projekte im aktiven Betrieb.
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Vom Wunderkind zum Produktions-Imperium
Bill Lawrence war gerade 27 Jahre alt, als Mentor Gary David Goldberg ihm die Zügel der Michael-J.-Fox-Komödie Spin City überließ. Was damals wie ein Risiko wirkte, erwies sich als Startschuss für eine der beständigsten Karrieren im amerikanischen Serienfernsehen. Lawrence schuf danach Scrubs, das neun Staffeln lief, und Cougar Town, das es auf sechs Staffeln brachte.
Heute betreibt seine Produktionsfirma Doozer Productions fünf laufende Serien, mehr als die Hälfte davon mit Dreharbeiten in Burbank. Mindestens zwei weitere Projekte befinden sich in der Entwicklung. Das Büro auf dem Gelände der Warner Bros. Studios wirkt dabei wie ein Gegenentwurf zu den Spardebatten, die die Branche sonst dominieren.
Lawrence selbst kommentiert seinen Arbeitsstil trocken: 'Wenn Leute dumm genug sind, mich Dinge produzieren zu lassen, versuche ich so viel wie möglich zu machen, weil es nicht nur um mich geht. Es macht so viel Spaß, anderen durch dieses System zu helfen.'
Shrinking, Rooster, Bad Monkey: Alles gleichzeitig
Staffel vier von Shrinking bei Apple TV+ befindet sich in der Anlaufphase, und Lawrence führt bei der ersten Episode selbst Regie. Er beschreibt die neue Staffel als etwas, das sich wie eine neue Serie anfühlt, obwohl es dieselbe ist. Parallel dazu steckt er tief in den Vorbereitungen für Staffel zwei von Rooster, dem Steve-Carell-Vehikel für HBO.
Staffel zwei von Bad Monkey, ebenfalls bei Apple TV+, befindet sich bereits in der Postproduktion. Alle drei Produktionen entstehen auf dem Warner-Bros.-Gelände in Burbank. 'Ich versuche, alle meine Produktionen in Los Angeles zu drehen', sagt Lawrence. Ted Lasso bildet die logische Ausnahme, weil die Serie in London spielt.
Die Scrubs-Wiederbelebung, produziert von Disney für ABC, ist das einzige aktuelle Lawrence-Projekt, das nicht in Los Angeles gedreht wird. Die Produktionskosten zwingen die Crew nach Vancouver: Nach Lawrences eigener Einschätzung entspricht dasselbe Budget in Los Angeles etwa 3,2 Millionen Euro, in Vancouver hingegen rund 5,2 Millionen Euro. Für Staffel drei soll die Produktion zurück nach Südkalifornien geholt werden.
Dunkle Jahre und der Streaming-Neustart
Nach Scrubs und Cougar Town folgten Jahre, in denen nichts funktionierte. Serien wie Ground Floor, Undateable und Surviving Jack kamen und gingen schnell. Den Tiefpunkt markierte Whiskey Cavalier: 'Die Show scheiterte so schnell, dass ich anfing zu denken: Das könnte das Ende für mich sein', erinnert sich Lawrence.
Genau dieser Moment trieb ihn ins Streaming. Der Wechsel zahlte sich aus: Mit Ted Lasso, Shrinking und Bad Monkey gelang Lawrence eine Karriere-Renaissance, die er selbst als unerwartet bezeichnet. 'Ich hatte nicht damit gerechnet, in meinen Mitt-Fünfzigern, ehrlich gesagt bin ich 57, eine Karriere-Renaissance zu erleben.'
Sein Vertrag mit Warner Bros. läuft noch gut zwei Jahre. Über die Zukunft des Studios unter neuer Führung macht er sich keine großen Sorgen: 'Ich habe den Tod des Dramas erlebt, den Tod der Sitcom. Es wird nur noch Reality geben! Keine Mehrkamera-Shows mehr! Dann gab es wieder Mehrkamera-Shows. Das ist die verrückteste Welt gerade.'
Ted Lasso, Harrison Ford und Staffel-Versprechen
Ted Lasso war ursprünglich als Drei-Staffeln-Bogen konzipiert: Trauer im ersten Jahr, Vergebung im zweiten, Aufbruch im dritten. Als Apple TV+ nach mehr fragte, wandte sich Lawrence an die Besetzung. Harrison Ford, der zunächst nur zwei Staffeln zusagen wollte, wurde mit einem Handschlag-Deal überzeugt: Sollte er die dritte Staffel nicht drehen wollen, müsse er zumindest für einen würdigen Abschied seiner Figur zur Verfügung stehen.
Ford wurde zum größten Fürsprecher der Serie. Lawrence berichtet, dass Fans den Schauspieler inzwischen auf die Show ansprechen, statt Star-Wars-Merchandise signiert haben zu wollen. Bei der laufenden Wiederkehr von Ted Lasso ist Lawrence jedoch bewusst im Hintergrund: 'Es wäre unaufrichtig zu sagen, dass diese Show nicht Jason Sudeikis' Vision und Stimme ist. Er wusste von Anfang an, wer Ted ist.'
Doozer Productions ist als Firma weiterhin an der Produktion beteiligt, Lawrence selbst konzentriert sich aber auf seine anderen Projekte. Die klare Aufgabenteilung gilt als Merkmal seines Führungsstils: Vertraute Showrunner übernehmen die Verantwortung, Lawrence gibt die Richtung vor.
Familie, Marke und die Filmfrage
Christa Miller, Lawrences Ehefrau, spielte in Scrubs, Cougar Town und spielt nun in Shrinking. Lawrence räumt ein, ihr künstlerisches Potenzial lange unterschätzt zu haben: 'Bis wir zu Shrinking kamen, hatte ich nicht erkannt, wie gut sie als Schauspielerin wirklich ist. Ich habe mich immer auf das verlassen, was ich konnte: meine Frau zum Lachen bringen.' Sein jüngstes Kind verbringt die Semesterpause als Produktionsassistent bei Shrinking.
Shrinking-Co-Schöpfer Brett Goldstein drängt Lawrence seit Längerem dazu, einen Spielfilm zu drehen. Lawrence zeigt sich offen, aber zögerlich: 'Einen Film zu schreiben fühlt sich an wie ein Kind auszutragen und es dann gegen seinen Willen zur Adoption freizugeben.' Die Kontrolle, die er im Seriengeschäft genießt, ist im Filmbereich kaum zu replizieren.
Als Marke sieht Lawrence sich selbst eher skeptisch, auch wenn er die Wirkung anerkennt. 'Ich weiß, was meine Stimme ist: Ich schreibe immer Komödien mit emotionalem Gewicht, bei denen man hofft, die Figuren wirklich zu mögen.' Dass sein Name bei Zuschauern als Qualitätssignal gilt, ist ihm lieber als jede Branchenauszeichnung.
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Artikel geschrieben von:

Julia Fischer analysiert Serien mit besonderem Fokus auf erzählerische Details, Charakterentwicklung und Genre-Mix.
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