Seeschlacht, Drachen, große Namen: House of the Dragon Staffel 3 startet vertraut

Ausgerechnet Staffel 3 produziert die besten HotD-Episoden überhaupt. Folge drei und vier gehören laut Kritikern zum Stärksten, was die Serie je gezeigt hat. Dass das nach zwei zähen Auftaktepisoden kommt, macht die Sache nicht einfacher.
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Staffel 3 startet mit alten Problemen
House of the Dragon Staffel 3 startet am 21. Juni bei WOW und setzt genau dort an, wo Staffel 2 aufgehört hat: an der Schwelle zu einem Konflikt, der sich seit Jahren aufbaut. Rhaenyra Targaryen (Emma D'Arcy) steht kurz davor, ihren Anspruch auf den Eisernen Thron durchzusetzen. An ihrer Seite stehen Admiral Corlys Velaryon (Steve Toussaint) mit einer Flotte sowie drei frisch gekürte Drachen-Reiter: Ulf (Tom Bennett), Addam (Clinton Liberty) und Hugh (Kieran Bew).
Das Grundproblem der Serie bleibt in den ersten beiden Episoden ungelöst: zu viele Charaktere mit ähnlich klingenden Namen, zu viele Schauplätze, zu wenig Zeit, um irgendetwas davon emotional aufzuladen. Staffel 1 verspielte ihren Schwung durch einen Zeitsprung. Staffel 2 baute zwei Jahre lang Spannung auf, ohne sie zu entladen. Staffel 3 droht zunächst, dasselbe Muster fortzusetzen.
Dazu kommt die sogenannte Andor-Falle: Seit der Star-Wars-Serie beweist hat, was ein eng fokussiertes, handwerklich herausragendes Serienformat leisten kann, fällt es schwerer, aufgeblähte Spektakel-Produktionen ohne diesen Maßstab zu bewerten. House of the Dragon muss sich daran messen lassen, ob es will oder nicht.
Die Seeschlacht überzeugt nicht
Episode eins baut auf die sogenannte Schlacht im Schlund zu, eine massive Seeschlacht, die den Auftakt der Staffel dominieren soll. Das Ergebnis ist technisch aufwendig, aber emotional flach. Tausende computergenerierte Schiffe, mehrere Drachen gleichzeitig im Einsatz: Die Wirkung verpufft, weil kein einziger Moment das Gefühl echter Gefahr erzeugt.
Auf der Gegenseite hat Tyland Lannister (Jefferson Hall) die Flotte der Triarchie gesichert, angeführt von Admiral Sharako Lohar (Abigail Thorn). Aemond (Ewan Mitchell), psychisch instabil und mit einem Drachen im Rücken, ist nicht bereit zu kapitulieren. Sein Bruder Aegon (Tom Glynn-Carney), schwer verbrannt und kaum handlungsfähig, bleibt trotzdem gefährlich ehrgeizig.
Die Serie erbt von Game of Thrones die Bereitschaft, jederzeit Hauptfiguren zu töten. Was sie nicht geerbt hat, ist die Fähigkeit, diese Tode emotional zu verankern. Wer in Staffel 3 stirbt, stirbt oft ohne dass es wirklich schmerzt.
Episode drei verändert alles
Ab der dritten Episode kippt die Stimmung. Rhaenyra bekommt die Möglichkeit zu regieren, und die Serie stellt eine einfache, aber bisher kaum gestellte Frage: Hat sie überhaupt eine Agenda? Jahrelang hat sie ihren Anspruch auf den Thron verteidigt, aber was will sie eigentlich damit anfangen? Dasselbe gilt für Alicent (Olivia Cooke) und für Daemon (Matt Smith).
D'Arcy zeigt in diesen Episoden Seiten der Figur, die bisher nie angedeutet wurden. Die Szenen haben Witz, Leichtigkeit, eine fast absurde Qualität, die an Succession erinnert. Smith bleibt herrlich selbstgefällig in seiner Interpretation des Daemon, und Cooke liefert erneut die subtilste Arbeit im gesamten Ensemble.
Gleichzeitig webt die vierte Episode Themen ein, die weit über Drachen und Dynastien hinausgehen: Budgetkrisen, zerfallende Institutionen, eine Oberschicht, die Krieg als Spiel betreibt, während die einfache Bevölkerung die Konsequenzen trägt. Das ist das Westeros, das Game of Thrones in seinen besten Momenten gezeigt hat.
Neues Ensemble, starke Einzelleistungen
James Norton stößt als Ormund Hightower neu zum Cast und ist sofort die interessanteste Neubesetzung der Staffel. Sein Charakter, ein Verbündeter der Fraktion um Alicent, Aemond und Aegon, verbirgt seine eigenen Motive geschickt. Norton spielt das mit einer Zurückhaltung, die neugierig macht.
Gayle Rankin als Alys entwickelt sich zu einer der unheimlichsten Figuren der Serie. Sonoya Mizunos Mysaria bekommt mehr Screentime und nutzt sie. Phoebe Campbell als Rhaena, zuletzt mit einem wilden Drachen konfrontiert, trägt ihre Szenen mit einer Erschöpfung, die glaubwürdig wirkt.
Das Ensemble ist groß, zu groß. Aber dort, wo die Serie einzelnen Figuren Raum gibt, funktioniert sie. Das Problem ist, dass dieser Raum in den ersten vier Episoden ungleich verteilt ist.
Kurswechsel oder kurzes Aufflackern?
Episoden drei und vier sind die bisher stärksten Folgen der gesamten Serie. Sie verdienen mehr als zwei Stunden Sendezeit, sie hätten eine ganze Staffel tragen können. Aber House of the Dragon hat zu viel auf dem Teller und zu wenig Zeit, um alles gleichzeitig zu bedienen.
Das Kernproblem bleibt strukturell: Zwei Jahre zwischen den Staffeln, acht bis zehn Episoden pro Durchgang, kein Raum für echten Erzählfluss. Die Serie springt von Spektakel zu Spektakel, ohne die Zwischenräume zu füllen. A Knight of the Seven Kingdoms hat im Januar bewiesen, dass Westeros auch in kleinerem Maßstab funktioniert. House of the Dragon zieht daraus noch keine konsequenten Schlüsse.
Staffel 3 zeigt, dass die Serie weiß, was sie sein könnte. Ob sie den Mut hat, diesen Weg konsequent zu gehen, werden die verbleibenden Episoden zeigen. Ab dem 21. Juni bei WOW.
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Artikel geschrieben von:

Anna Schneider analysiert Serien von düsteren Mystery-Stoffen bis zu leichteren Komödien mit Fokus auf Erzählstruktur und Figurenentwicklung.
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