Sam Levinson und Euphoria: Creators werfen der Serie Klischees vor
Ob Sam Levinson auf die Kritik reagiert, ist völlig offen. Bekannt ist: Echte OnlyFans-Creators werfen Euphoria Staffel 3 vor, Inhalte darzustellen, die die Plattform verbietet. Für Zuschauer stellt sich die Frage, wie viel Verantwortung eine Jugendserie gegenüber der Realität trägt.
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Cassie dreht Inhalte für die Hochzeit
In der dritten Staffel von Euphoria stecken fast alle Hauptfiguren tief in der Sexarbeit. Rue (Zendaya) schmuggelt Fentanyl aus Mexiko und arbeitet als stellvertretende Managerin in einem zwielichtigen Stripclub, um ihre Schulden bei der Dealerin Laurie abzubezahlen. Jules (Hunter Schafer) (Hunter Schafer) verdient als hochbezahlte Sugar Baby eines plastischen Chirurgen gutes Geld.
Cassie (Sydney Sweeney) (Sydney Sweeney) hingegen eröffnet einen OnlyFans-Account, um die rund 46.000 Euro an Hochzeitsblumen zu finanzieren, die sie für ihre Heirat mit Nate (Jacob Elordi) (Jacob Elordi) benötigt. Ihre widerwillige Managerin wird dabei ausgerechnet ihre Ex-Freundin Maddy (Alexa Demie) (Alexa Demie), die Cassie zur nächsten großen Plattform-Kreatorin aufbauen will.
Den Anfang macht Cassie mit einem Auftritt als Hund: Hundeohren, Halsband, Leine, Handgelenk-Manschetten, ein Schwanz und ein Satinkorsett aus Sydney Sweeneys eigener Dessous-Linie SYRN gehören zum Kostüm. Die Fotos dafür schießt Haushälterin Juana, gespielt von Minerva Garcia.
Verbotene Inhalte auf echter Plattform
Genau hier setzt die Kritik echter Creators an. OnlyFans-Produzentin Sydney Leathers, die seit 2017 auf der Plattform aktiv ist, bezeichnet die Darstellung als lächerlich und übertrieben. Besonders ein Detail stört sie: Cassie tritt in einer Szene als Baby verkleidet mit Windel auf, was auf der echten Plattform schlicht nicht erlaubt ist.
Die Nutzungsbedingungen von OnlyFans verbieten ausdrücklich jegliche Altersrollen-Inhalte, die echte oder simulierte Minderjährige darstellen. Wer dagegen verstößt, riskiert die Sperrung aller Inhalte und des gesamten Accounts. Leathers betont, dass Kreditkartenanbieter ebenfalls strenge Regeln durchsetzen, die immer restriktiver werden.
Für Leathers ist das mehr als ein dramaturgischer Fehler: 'Da ist so vieles lächerlich und überzeichnet. So vieles, was sie ihre Figur tun lassen, ist auf OnlyFans nicht einmal erlaubt, und das allein ist zum Haare raufen.'
Maitland Ward rechnet mit Levinson ab
Besonders deutliche Worte findet Maitland Ward, eine der erfolgreichsten Kreatorinnen auf OnlyFans, die monatlich einen sechsstelligen Betrag auf der Plattform verdient. Ward, die einem breiten Publikum durch die Sitcom 'Boy Meets World' und den Kinofilm 'White Chicks' bekannt ist, bevor sie in die Erwachsenenunterhaltung wechselte, sieht in der Darstellung eine gezielte Abwertung.
Ward kritisiert insbesondere die Baby-Szene: 'Dass sie sie als Baby verkleidet haben, um pornografische OnlyFans-Inhalte zu produzieren, war mehr als beunruhigend und bedient erneut das Klischee, dass Sexarbeiterinnen keinen moralischen Kompass haben und für Geld alles tun.' Sie warnt zudem vor dem anhaltenden Stigma, das Sexarbeit mit Menschenhandel und Missbrauch gleichsetzt.
Wards Schlussfolgerung fällt vernichtend aus: 'Es erinnert mich daran, wie ich bei Boy Meets World in Dessous herumgepranced bin. Es sind einfach die Männer im Autorenraum, die ihre Fantasien ausleben.' Auch Alix Lynx, eine weitere bekannte Kreatorin der Branche, teilt die Skepsis gegenüber der Seriendarstellung.
Levinson verteidigt seinen künstlerischen Ansatz
Sam Levinson sieht das naturgemäß anders. Gegenüber dem Branchenmagazin The Hollywood Reporter beschreibt er die Hunde-Szene mit einer gewissen Leichtigkeit: 'Sie hat ihr Hundehaus und ihre kleinen Hundeohren und die Nase, und das hat seinen eigenen Humor. Was die Szene aber wirklich ausmacht, ist die Tatsache, dass ihre Haushälterin diejenige ist, die filmt.'
Levinson betont außerdem die visuelle Sprache, die er für Cassies OnlyFans-Auftritte gewählt hat. Einige Szenen seien ausschließlich mit Ringlicht ausgeleuchtet worden, wie es echte Kreatorinnen verwenden. Das erzeuge einen charakteristischen Effekt: Im Zentrum ein warmes, gleichmäßiges Licht, drumherum tiefe Dunkelheit. 'Das ist einfach unheimlich und verstörend', sagt Levinson.
Ob diese ästhetische Absicht die inhaltliche Kritik der Betroffenen entkräftet, darf bezweifelt werden. Für Ward und Leathers geht es nicht um Beleuchtung, sondern um das grundlegende Bild, das Euphoria von einer ganzen Berufsgruppe zeichnet.
Staffel 3 als Schlusspunkt der Serie
Die dritte Staffel könnte gleichzeitig die letzte sein. Euphoria begleitet seit der ersten Staffel eine Gruppe junger Menschen in Südkalifornien durch Sucht, Trauma und Identitätssuche. Mit Staffel 3 weitet Levinson das Themenspektrum auf Sexarbeit in verschiedenen Formen aus, was dem ohnehin kontroversen Serienformat eine neue Dimension verleiht.
Neben Cassies OnlyFans-Geschichte durchläuft auch Jules als hochbezahlte Begleiterin einer wohlhabenden Klientel eine radikale Veränderung. Der plastische Chirurg, der sie in Frischhaltefolie wickelt, steht dabei exemplarisch für die verstörenden Machtverhältnisse, die Levinson in dieser Staffel auslotet.
Für deutsche Zuschauerinnen und Zuschauer ist Euphoria Staffel 3 bei WOW verfügbar. Die Debatte um die Darstellung von Sexarbeit zeigt, dass die Serie auch abseits des Bildschirms polarisiert und reale Konsequenzen für das öffentliche Bild einer Branche hat, die sich von solchen Darstellungen schlicht nicht repräsentiert fühlt.
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Artikel geschrieben von:

Sophie Hartmann analysiert seit mehreren Jahren Serienwelten mit Fokus auf Action, Sci-Fi, Fantasy und Mystery.
Alle Artikel von SophieSophie hat einen weiteren Artikel zur selben Serie verfasst.