President Curtis debütiert als Rick-and-Morty-Ableger mit ungewissem Ausgang

·24.07.2026, 18:02 Uhr·4 Min
President Curtis debütiert als Rick-and-Morty-Ableger mit ungewissem Ausgang
Bild: Adult Swim · TMDB

Ein Rick-and-Morty-Ableger verändert das Franchise, aber kaum zum Besseren. President Curtis, geschaffen von Dan Harmon und James Siciliano, dreht sich um die Nebenfigur Andre Curtis, gesprochen von Keith David. Für Fans bedeutet das: ein Spin-off zum falschen Zeitpunkt, mit einem Piloten, der die Skepsis eher bestätigt als entkräftet.

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Ableger ohne optimales Timing

President Curtis startet zu einem Zeitpunkt, an dem Rick and Morty selbst nicht mehr auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft steht. Die Mutterserie, die in ihrer besten Phase als eine der kreativ entfesselsten Animationsserien überhaupt galt, liefert seit einigen Staffeln ungleichmäßige Qualität. Vor diesem Hintergrund wirkt der Spin-off-Auftrag mutig, fast trotzig.

Geschaffen von Dan Harmon und James Siciliano, dreht sich die zehnteilige erste Staffel um Präsident Andre Curtis, eine Nebenfigur aus dem Rick and Morty-Universum. Keith David, der der Figur seit Jahren seine markante Stimme leiht, rückt nun ins Zentrum. Dass ausgerechnet dieser Charakter einen eigenen Ableger erhält, überrascht: Curtis hat in der Mutterserie nie eine klar definierte Persönlichkeit oder ein eigenes Umfeld entwickelt.

Der Pilot bestätigt zunächst die Skepsis. Er ist nicht nur wenig komisch, selbst ein obligatorischer Gastauftritt von Rick und Morty verpufft wirkungslos. Wer nach der ersten Folge aufgibt, verpasst allerdings eine Serie, die sich danach spürbar steigert.

Ein Präsident mit ungewöhnlichen Prioritäten

Curtis führt das Land nicht im klassischen Sinne. Statt Staatsgeschäften widmet er sich Vigilante-Missionen und spielt vernetzte Videospiele mit seinen Wählern. Die Auftaktpressekonferenz setzt den Ton: Curtis verkündet stolz, Paul Bunyan getötet zu haben, der sich als riesiger, menschenfressender Kannibale entpuppt hat und nicht als das folkloristische Symbol amerikanischer Holzfäller-Romantik.

An seiner Seite agieren zwei Figuren, die das Potential der Serie sowohl tragen als auch bremsen. O'Doyle, gesprochen von Jim Rash, ist ein halb-leprechaun-stämmiger Geheimdienstagent, der die Täuschungen und Tricks seiner Spezies vehement ablehnt. Banks, gesprochen von Stephanie Beatriz, ist Curtis' neu ernannte Stabschefin, die zwar kein Cyborg ist, aber cybernетisch für neuronale Plastizität optimiert wurde.

Beide Figuren bleiben über weite Strecken der Staffel blass. Weder die Leprechaun-Prämisse noch die cybernетischen Fähigkeiten werden konsequent ausgebaut. Einzelne Episoden, darunter eine rund um den Diebstahl von Gold aus Fort Knox und eine Rückblende zu Banks' Transformation, deuten an, was möglich wäre.

Pilotfolge scheitert auf ganzer Linie

Die erste Episode, in der die CIA echte Mondlandungsaufnahmen sichern will, um ein Geheimnis aus der Kennedy-Ära zu schützen, ist vor allem damit beschäftigt, Figuren und Format einzuführen. Das gelingt kaum. O'Doyle bleibt konturlos, Banks ist als Charakter nicht greifbar, und die Frage, warum eine Stabschefin in einem Stab ohne Mitarbeiter überhaupt nötig ist, beantwortet die Serie nicht.

Realismus ist in einem solchen Format nicht der Maßstab. Wenn die Komik aber nicht stark genug ist, um über solche Fragen hinwegzutragen, fallen sie umso mehr auf. Der Pilot schafft diesen Ausgleich nicht.

Ab der zweiten Folge dreht die Serie auf. Die Episodenkonzepte werden solider: Ein geheimes Hochsicherheitsgefängnis im Bermuda-Dreieck, eine Reise zum Erdmittelpunkt, der Geist Abraham Lincolns und Amelia Earhart als Gastfiguren. Wer Geduld mitbringt, wird mit einer Serie belohnt, die zumindest handwerklich funktioniert.

Meta-Humor statt politische Schärfe

President Curtis meidet politische Satire fast vollständig. Die Serie ist weit wohler damit, Fernsehkonventionen zu kommentieren: Witze über Spin-offs, A- und B-Handlungsstränge sowie die Weihnachtsliebe des Hallmark-Channels durchziehen die Staffel. Was fehlt, ist eine Haltung zur Frage, wie ein Präsident wie Curtis überhaupt an die Macht gelangt.

In Rick and Morty erinnerte die Figur mal an Barack Obama, mal an Donald Trump. In der eigenen Serie verkörpert Curtis nichts Greifbares mehr. Ein Hauch Melancholie, der durch eine Episode mit seiner Ex-Frau, der neugewählten Gouverneurin von Illinois, aufscheint, ersetzt keine Ideologie. Keith David infundiert diese Einsamkeit mit stiller Würde, was den Charakter emotional leicht auflädt, ohne ihm politisches Profil zu geben.

Die Staffel beschränkt sich bewusst auf historische Figuren und Ereignisse, um Parallelen zu zeitgenössischen Politikern zu vermeiden. Das ist eine sichere Entscheidung, aber auch eine, die der Serie Biss kostet.

Fazit: Solide Basis, viel Luft nach oben

President Curtis wird in der ersten Staffel keine Kultserie. Dafür fehlen die zündenden Einfälle, die Rick and Morty in seinen besten Jahren auszeichneten. Die Fähigkeit, aus einem kleinen Gedankenkern etwas kreativ Grenzüberschreitendes zu entwickeln, zeigt der Ableger nur in Ansätzen.

Was bleibt, ist eine Serie, die nach holprigem Start einen verlässlichen Rhythmus findet. Die wiederkehrenden Abspann-Songs und ihre Outtakes gehören zu den konsistenteren Gags. Jim Rash und Stephanie Beatriz leisten energisches Sprecharbeit, ohne bislang unverwechselbare Figuren zu formen. Bei diesem Entwicklungstempo könnten O'Doyle und Banks in Staffel sechs oder sieben interessant werden.

Als kurzweilige Ablenkung mit einem starken Sprecher im Zentrum funktioniert President Curtis. Als Erweiterung eines einst außergewöhnlichen Universums bleibt die Serie hinter den Erwartungen zurück. In Deutschland wird die Serie traditionell über Sky und WOW erwartet.

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Quelle: Adult SwimZuletzt aktualisiert: 24.07.2026, 18:02 Uhr

Artikel geschrieben von:

Clara Hoffmann
Autor
Clara Hoffmann
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Clara Hoffmann ist Serien-Redakteurin mit besonderem Fokus auf emotionale Drama-Serien und detailreiche Period Pieces.

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