Nagellack als Beweiskriterium: Was Believe Me über Polizeiversagen zeigt
Ein Nagellack-Beweis reichte, um einen Serientäter zu überführen. Believe Me, das vierteilige Drama von Jeff Pope mit Daniel Mays als John Worboys, zeigt, wie Scotland Yard zwei Opfer jahrelang im Stich ließ. Die Serie macht sichtbar, was institutionelles Versagen für echte Menschen bedeutet.
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Eine wahre Geschichte, die erschüttert
Believe Me basiert auf dem realen Fall des Taxifahrers John Worboys, der in Großbritannien als 'Black Cab Rapist' bekannt wurde. Seine Methode: Er nahm Frauen nach Abenden in der Stadt mit, behauptete, im Casino oder in der Lotterie gewonnen zu haben, und drängte ihnen beharrlich ein mit Drogen versetztes Glas Champagner auf, um gemeinsam zu 'feiern'. Die Frauen verloren das Bewusstsein und wurden Opfer schwerster Übergriffe.
Die Serie zeigt, wie zwei Frauen diese Angriffe bei der Londoner Polizei, dem Metropolitan Police Service, meldeten und dabei von den Behörden nicht ernst genommen wurden. Worboys konnte so über Jahre weitermachen und wurde zu einem der produktivsten Sexualstraftäter der britischen Geschichte.
Drehbuchautorin und Produzentin Jeff Pope hat die Geschichte in vier Episoden verdichtet. Produziert wurde die Serie von Popes Produktionsfirma Etta Pictures, einem Teil von ITV Studios, mit Unterstützung der walisischen Regierung über Creative Wales. Gedreht wurde in Cardiff.
Cast spricht über den Stoff
Die Darstellerinnen Aimée-Ffion Edwards, Aasiya Shah und Miriam Petche verkörpern die betroffenen Frauen, deren Namen in der Serie durch Pseudonyme ersetzt wurden, um ihre Anonymität zu schützen. Auch andere Details ihrer Geschichten wurden verändert. Aasiya Shah beschrieb die Qualität von Popes Schreiben mit den Worten: 'Was an Jeffs Schreiben so beeindruckend ist: Die Vielschichtigkeit ist bereits angelegt, und er ist so brillant darin, Szenen zu schreiben, die sich wirklich nachvollziehbar und menschlich anfühlen.'
Aimée-Ffion Edwards, die eine der Hauptfiguren namens Sarah spielt, betonte, wie wertvoll der Kontakt zur realen Person hinter ihrer Rolle war: 'Wir hatten das große Glück, mit der echten Sarah sprechen zu können, ihre Seite zu hören und ihr zuzuhören, wie sie über ihre Erfahrungen spricht.'
Daniel Mays übernimmt die Rolle des Täters John Worboys. Die Besetzung eines Mannes in dieser Rolle war eine bewusste Entscheidung, die die Produktion mit Sorgfalt begleitet hat, um den Fokus klar auf die Erfahrungen der Opfer zu legen.
Jeff Pope über seine Verantwortung
Jeff Pope, der die Serie schrieb und als ausführender Produzent verantwortete, war sich der besonderen Verantwortung bewusst, die mit diesem Stoff einhergeht. Er sagte offen: 'Ich war mir sehr bewusst, dass ich als Mann im Wesentlichen die Geschichte von drei Frauen erzähle.'
Diese Haltung prägte die gesamte Herangehensweise an die Inszenierung. Pope entschied sich dafür, die tatsächlichen Übergriffe so weit wie möglich aus dem Bild zu halten. 'Das bedeutete, dass wir von den eigentlichen Übergriffen sehr wenig zeigen, sondern uns auf die Auswirkungen konzentrieren, die sie auf die Frauen hatten', erklärte er.
Regisseurin Julia Ford setzte diese Haltung visuell um. Gemeinsam mit Pope entwickelte sie eine Bildsprache, die Würde und Konsequenz in den Vordergrund stellt, statt Gewalt zu zeigen.
Polizeiversagen als zentrales Thema
Ein besonders erschütternder Aspekt der Serie ist die Darstellung, wie Beamte des Metropolitan Police Service mit den Opfern umgingen. Eine Szene, die im Vorfeld für Aufsehen sorgte, zeigt eine Polizistin, die ein Opfer nach dem Zustand ihrer Fingernägel fragt, also danach, ob sie gepflegt aussah, als sie in das Taxi stieg.
Diese und ähnliche Szenen illustrieren, wie Vorurteile gegenüber Opfern sexueller Gewalt das Ermittlungsverhalten beeinflussten und dazu beitrugen, dass Worboys jahrelang nicht gefasst wurde. Die Figuren Laila und Paul Shaffer stehen im Drama für jene, die mit dem System in Konflikt geraten.
Cast und Produktionsteam äußerten die Hoffnung, dass Believe Me über die reine Unterhaltung hinauswirkt und eine gesellschaftliche Debatte über den Umgang mit Opfern sexueller Gewalt anstößt.
Wann kommt die Serie?
Believe Me wurde in Zusammenarbeit mit ITV Studios produziert, die die Serie auch international vertreiben. Ein konkreter Starttermin für Deutschland steht noch aus.
Die vierteilige Produktion entstand mit Unterstützung der walisischen Regierung über das Förderprogramm Creative Wales und wurde vollständig in Cardiff gedreht. Die Zusammenarbeit mit den realen Betroffenen war ein zentraler Bestandteil der Entwicklung.
Interessierte sollten die Ankündigungen der deutschen Streaming-Anbieter im Blick behalten, da eine internationale Auswertung über ITV Studios geplant ist.
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Warum Believe Me gerade so stark ankommt
Ein Produzent, dem Quoten egal sind: Jeff Pope meint das ernst. Seine Serie Believe Me, besetzt mit Katherine Parkinson und Daniel Mays, läuft ohne klassisches Quotenbarometer. Dass ausgerechnet ein erfahrener TV-Produzent Rezensionen als verlässlicheren Erfolgsindikator bezeichnet, markiert einen echten Bruch mit der Branchenlogik.
Warum Believe Me gerade so viele Menschen berührt
Täter-Psychologie versus Opfer-Realität: Believe Me bricht radikal mit dem Genre. Autor Jeff Pope weigert sich, in die Gedankenwelt des Sexualstraftäters John Worboys einzutauchen, der zwischen 2006 und 2008 mindestens zwölf Frauen betäubte und missbrauchte. Daniel Mays spielt den Verbrecher, doch die Serie gehört den Überlebenden.
Artikel geschrieben von:

Emma Mueller ist Serienredakteurin mit klarem Fokus auf spannungsgetriebene Formate wie Action, Drama und Mystery.
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