Mit der finalen Staffel von The Chi erfüllt sich Lela Rochon einen alten Wunsch

Sie wollte eine Gangster-Lady, bekam aber eine Hochzeitsplanerin. Lela Rochon, die 'The Chi' seit 2018 mit ihren Kindern verfolgt hat, tritt in der finalen Staffel als Vivian auf. Aus dem Wunsch-Charakter wurde nichts, doch Rochon formte die Rolle kurzerhand nach ihrem eigenen Bild.
Artikel-Inhalt
Vivian: Hochzeitsplanerin mit Eigenwillen
In Episode 6 der finalen Staffel, 'When Truth Thaws', betritt Lela Rochon die Welt von 'The Chi' als Vivian, eine Luxus-Hochzeitsplanerin. Ihre Aufgabe: die Traumhochzeit von Emmett (Jacob Latimore) und Keisha (Birgundi Baker) zu organisieren. Was simpel klingt, entpuppt sich schnell als emotionaler Minenfeld, denn Emmetts Ex-Frau Tiffany (Hannaha Hall) mischt sich finanziell und gefühlsmäßig ein.
Rochon hatte sich nach Lena Waithes Ankündigung, sie in die Serie zu schreiben, etwas ganz anderes erhofft. 'Ich hatte meine Hoffnungen auf eine große, saftige Gangster-Lady gesetzt', sagte Rochon in einem Interview gegenüber Variety. Stattdessen kam die Hochzeitsplanerin. Rochon ließ sich davon nicht bremsen und formte Vivian nach ihrem eigenen Bild: fabelhaft, unverwechselbar, alles andere als brav.
Die Figur trägt eine persönliche Note: Rochon hatte in den 1990er-Jahren selbst eine Filmidee über eine Hochzeitsplanerin entwickelt, bis Jennifer Lopez ihr mit 'Ein Herz für jeden Fall' zuvorkam. Jahrzehnte später bekommt sie nun zumindest auf dem Bildschirm die Rolle, die ihr damals entglitt.
Fans seit 2018: Eine Liebesgeschichte
Rochon verfolgt 'The Chi' seit der allerersten Folge im Jahr 2018. Sie begann die Serie gemeinsam mit ihren Kindern zu schauen, als diese noch in der Mittelstufe waren. Dass die Produktion nun nach acht Staffeln endet, beschreibt sie als 'wunderbar und bittersüß' zugleich.
Chicago war für die Schauspielerin Neuland. Abgesehen von Auftritten in der 'Oprah Winfrey Show' und lokalem Presserummel hatte sie die Stadt kaum erlebt. Am Set entdeckte sie ein vollständiges Studiouniversum und eine lebendige Stadtkultur, die sie tief beeindruckte.
Mit den jüngeren Kolleginnen und Kollegen am Set beobachtete Rochon, wie sich die Branche verändert hat. Viele von ihnen wohnen nicht in Los Angeles, drehen per Videoübertragung vor und haben keine klassische Hollywood-Karriere angestrebt. Das berührte sie, auch wenn sie es als legitimen neuen Weg akzeptiert.
Regie und mehr kreative Macht
Hinter der Kamera zieht es Rochon seit Längerem. Sie beschreibt den Wunsch zu inszenieren als etwas, das in ihr 'kratzt und kriecht'. Als sie erfuhr, dass Lena Waithe ein Regie-Förderprogramm aufgelegt hatte, ohne dass sie davon wusste, war ihre Enttäuschung spürbar: Sie hätte sofort eine Episode übernommen.
Am Set von 'The Chi' arbeitete sie mit zwei jungen Regisseurinnen zusammen, deren unterschiedliche Herangehensweisen sie faszinierten. Als erfahrene Akteurin hielt sie sich bewusst zurück, auch wenn sie inhaltliche Impulse lieber für sich behielt.
Künftig will Rochon bei Rollenangeboten nicht mehr nur als Darstellerin einsteigen. 'Wenn mir jemand eine Rolle anbietet, sage ich: OK, ich mache es, aber ich möchte auch ausführende Produzentin sein', erklärte sie. Mehr kreative Kontrolle ist für sie keine Forderung, sondern eine Notwendigkeit.
Frauen of Color: Kampf für Sichtbarkeit
Rochon arbeitet an zwei eigenen Projekten: 'Passing Love', eine Geschichte über eine Frau, die in Paris ihre leibliche Mutter sucht, und 'Manhunt', eine Komödie über drei selbstbewusste Frauen in New York City auf der Suche nach Liebe. Beide Stoffe kämpfen gegen dieselbe Hürde: Produzenten, die Frauen, besonders Frauen of Color, ungern als Hauptfiguren akzeptieren.
Dabei verweist Rochon auf ein klares Marktargument: Frauen of Color sind die aktivste Zielgruppe beim Kinobesuch, beim Buchkauf und beim Kauf von Merchandise. 'Wir sind das größte Publikum, und die Leute verschlafen das', sagte sie. Serien wie 'White Lotus' oder 'Your Friends and Neighbors' mit Jon Hamm zeigen für sie, wie viel Potenzial brach liegt.
Gleichzeitig beobachtet Rochon mit Sorge, dass in der aktuellen politischen Klimaverschiebung in den USA viele Produktionen mit People-of-Color-Besetzungen gestrichen oder zurückgefahren wurden. 'Wir hatten so viel erreicht', sagte sie, 'und jetzt macht einen das traurig.'
Hollywood-Erinnerungen: Hackman, Pacino, Foxx
Rochons Karriere umspannt Jahrzehnte und Generationen. 'The Chamber', basierend auf einem Roman von John Grisham, brachte sie an die Seite von Gene Hackman, der im vergangenen Jahr verstarb. Ein kürzlich aufgetauchtes Foto der beiden, lachend, beschreibt sie als 'ikonischen Moment'.
Noch prägender war die Zusammenarbeit mit Al Pacino in Oliver Stones Football-Drama 'Any Given Sunday'. Rochon erinnert sich an intensive Probenarbote, bei denen sie, Pacino, Jamie Foxx und Regisseur Stone stundenlang gemeinsam Szenen erarbeiteten. 'Das ist ein Moment', sagt sie schlicht.
Trotz dieser Karriere betont Rochon, dass sie stets wählerisch war, auch in finanziell schwierigen Zeiten. Rollen müssen sie begeistern, Integrität haben und eine Herausforderung darstellen. Was Nicole Kidman angeboten werde, lande nicht automatisch auf ihrem Schreibtisch, sagt sie ohne Bitterkeit. Deshalb schreibt sie ihre eigenen Geschichten.
Mehr zu „The Chi"

Nach sechs Staffeln The Chi: Cortez Smith holt sich neue Vertreter
Nuck ist Geschichte, und das trifft The Chi-Fans ins Mark. Cortez Smith hat sich nach sechs Staffeln als Serienantagonist neu aufgestellt und zwei Vertretungen verpflichtet. Was als nächstes kommt, ist offen, aber Smith macht klar: er ist längst nicht fertig.

The Chi endet: Warum Staffel 8 so viel Trauer auslöst
The Chi endet mit Staffel 8, zehn Episoden, Start am 22. Mai 2026. Die Folgen erscheinen wöchentlich auf Paramount+, mit Jacob Latimore, Birgundi Baker und Luke James in den Hauptrollen. Lena Waithe schließt damit ihr Drama über den Südwesten Chicagos nach acht Jahren ab.
Artikel geschrieben von:

Julia Fischer analysiert Serien mit besonderem Fokus auf erzählerische Details, Charakterentwicklung und Genre-Mix.
Alle Artikel von Julia