Kaum jemand ahnte damals, was Josh D'Amaro für The Bear: King of the Kitchen bedeuten würde
Lineare TV-Sender als Retter von Streaming-Hits: Das klingt paradox. Disney-CFO Hugh Johnston erklärte, dass Netzwerke wie FX als Studios fungieren und Inhalte plattformübergreifend vermarkten. Dass ausgerechnet das alte TV-Modell The Bear: King of the Kitchen trägt, hätte kaum jemand erwartet.
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Marken mit Studios statt reiner Sender
Disney-Finanzchef Hugh Johnston formulierte die neue Konzernphilosophie klar: Die linearen Netzwerke seien besser als Marken mit eigenen Studios zu verstehen, die Inhalte wie 'The Bear' oder 'Shogun' produzieren und diese Inhalte anschließend über mehrere Verbreitungswege vermarkten. Eine Aufspaltung dieser Geschäftsbereiche in separate Unternehmen sei hochkomplex und würde nach Einschätzung des Konzerns keinen zusätzlichen Wert für die Aktionäre schaffen.
Besonders mit Blick auf die aktuelle Bewertung linearer Netzwerke am Markt sieht Disney keinen Anreiz für einen Verkauf. Der Konzern verwalte vielmehr einen Übergang in der Vermarktung dieser Marken, so Johnston weiter, und sei auf diesem Weg bereits weit vorangeschritten.
FX etwa bewies 2024 mit dem weltweiten Erfolg von 'Shogun', wie wertvoll solche Marken als Produktionsstudios sein können. Die Serie wurde international gefeiert und unterstreicht Disneys Argument, dass Qualitätsinhalte über viele Plattformen hinweg monetarisiert werden können.
Streaming überholt lineares Fernsehen
Der Konzern meldet einen historischen Wendepunkt: Im zuletzt berichteten Quartal erwirtschaftete Disney Entertainment im Streaming-Bereich mehr Umsatz als im linearen Fernsehen, sogar mehr als doppelt so viel. Damit ist die Transformation, die Disney seit Jahren anstrebt, in greifbare Nähe gerückt.
Johnston betonte, dass die Ergebnisbasis aus dem linearen Geschäft zwar von Quartal zu Quartal schrumpfe, das Segment Disney Entertainment insgesamt aber solide wachse. Sinkende Einnahmen im klassischen Fernsehen werden also durch steigende Streaming-Erlöse mehr als ausgeglichen.
Dieser Übergang zeigt sich auch daran, dass ESPN mittlerweile eine reine Streaming-Option für Abonnenten anbietet und zudem in die Disney+-Plattform integriert wurde. Disney+ ist damit nicht nur Heimat von Unterhaltungsserien, sondern zunehmend auch von Sport.
ESPN bleibt zentraler Strategiepfeiler
Sportrechte sind teuer und verlieren ohne ausreichende Reichweite an Wert. Disney sieht sich hier jedoch gut aufgestellt: ESPN gilt als wichtigste Sportmedienmarke der Welt und verschafft dem Konzern die nötige Skalierung im bedeutendsten Markt. Sport bleibt damit ein fester Bestandteil der Programm- und Vertriebsstrategie.
Gleichzeitig räumt Johnston ein, dass der wirtschaftliche Wandel bei ESPN noch nicht abgeschlossen ist. Der Konzern müsse diesen Übergang weiter gestalten und ESPN dabei stärker für das Gesamtgeschäft nutzbar machen.
Die Herausforderung besteht darin, traditionelle Werbeeinnahmen aus dem linearen Sportfernsehen durch Streaming-Abonnements und neue Vertriebsmodelle zu ersetzen, ohne dabei die Reichweite zu verlieren, die ESPN seinen Wert verleiht.
Konkurrenten gehen andere Wege
Comcast hat sein lineares Kabelgeschäft bereits abgestoßen. Warner Bros. Discovery stand kurz davor, sein Kabel-TV-Portfolio ebenfalls zu verkaufen, bis David Ellison in das Bild trat und die Pläne veränderte. Disney beobachtet diese Entwicklungen, zieht daraus aber andere Schlüsse für die eigene Strategie.
Statt Verkauf setzt Disney auf Integration: Inhalte, die für lineare Sender produziert werden, sollen gleichzeitig das Streaming-Angebot stärken. 'The Bear', die Kochserie, die zuletzt als 'The Bear: King of the Kitchen' weitergeführt wird, ist ein Beispiel für Inhalte, die auf mehreren Wegen ihr Publikum finden.
Disneys Ansatz setzt darauf, dass starke Marken wie FX oder ESPN ihren Wert nicht durch den Vertriebskanal definieren, sondern durch die Qualität der Inhalte, die sie produzieren. Das unterscheidet die Strategie grundlegend von einem reinen Sender-Modell.
Neue Projekte stärken das Portfolio
Parallel zur strategischen Neuausrichtung füllt Disney sein Inhalteprogramm weiter auf. Eine Skriptserie über die Gilgo-Beach-Morde befindet sich in Entwicklung, produziert von Curtis '50 Cent' Jackson. Das Projekt zeigt, wie der Konzern über verschiedene Marken und Genres hinweg neue Stoffe erschließt.
Auch außerhalb des Disney-Universums entstehen bemerkenswerte Projekte: Der Horrorfilm 'When Darkness Loves Us' mit Emilia Clarke und Victoria Pedretti soll beim Filmfestival in Cannes über das Unternehmen Cornerstone zum Verkauf angeboten werden. Solche Produktionen verdeutlichen die Bandbreite, mit der Hollywood derzeit neue Inhalte entwickelt.
Für Disney geht es letztlich darum, mit Serien wie 'The Bear' oder 'Shogun' zu beweisen, dass die eigenen Marken als Produktionsstudios konkurrenzfähig sind und Inhalte schaffen, die weltweit ein großes Publikum finden, unabhängig davon, ob sie zunächst linear oder direkt im Streaming erscheinen.
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Artikel geschrieben von:

Julia Fischer analysiert Serien mit besonderem Fokus auf erzählerische Details, Charakterentwicklung und Genre-Mix.
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