Kaum ein anderer hätte Silvermane in Spider-Noir so gespielt wie Brendan Gleeson

Silvermane ist jetzt Ire, kein Italiener, und das verändert alles. Brendan Gleeson spielt Finbar 'Finn' Byrne, einen irischstämmigen Mob-Boss im New York der 1930er, der Nicolas Cages Ben Reilly auf Verrätersuche schickt. Diese Neuerfindung zeigt, dass Spider-Noir keine sklavische Comic-Adaption sein will.
Artikel-Inhalt
Wer ist Silvermane in Spider-Noir?
In Spider-Noir trägt Silvermane den bürgerlichen Namen Finbar 'Finn' Byrne und regiert 1933 als rücksichtsloser Unterweltboss die Straßen von New York City. Als seine Macht durch eine laufende Bürgermeisterwahl ins Wanken gerät, heuert Byrne einen Privatdetektiv an, um einen Verräter in seinen Reihen aufzuspüren. Was er nicht ahnt: Dieser Mann ist Ben Reilly, gespielt von Nicolas Cage, und zugleich der maskierte Held bekannt als The Spider.
Die Figur des Silvermane existiert in den Marvel-Comics seit 1969. Stan Lee und John Buscema schufen ihn für The Amazing Spider-Man Nr. 73 als Mafioso aus Corleone, Sizilien, der sich als Erpresser in der Verbrechersyndikats-Organisation The Maggia hocharbeitete, bevor er seine eigene Verbrecherfamilie gründete. Von dieser Herkunft ist in Spider-Noir nichts übrig geblieben.
Showrunner Oren Uziel und sein Team haben die Figur von Grund auf neu gedacht. Statt der sizilianischen Wurzeln bekommt Silvermane eine irische Biografie, die tief in der Geschichte der irischen Armut und Migration verwurzelt ist.
Gleesons Idee: Dublin statt Sizilien
Brendan Gleeson legte die Comic-Vorlage bewusst beiseite. Im Gespräch mit dem Journalisten Grant Hermanns erklärte er: 'I didn't go digging further back into the comics' - er und Uziel wollten die Figur anders präsentieren als in den Vorlagen, wo der Schurke als Italiener konzipiert war. Gleeson scherzte, sein Italienisch sei 'not good visually, or any other way'.
Stattdessen schlug der irische Schauspieler vor, Silvermane als irischen Gangsterboss jener Ära zu gestalten, mit einer konkreten Herkunftsgeschichte aus den Elendsvierteln Dublins. Gleeson begründete das so: 'I wanted him to be specifically from the slums of Dublin, which were horrific at the turn of the century. So, giving him a historical context and making him into that guy meant that I could access a lot of stuff culturally that I wouldn't have otherwise.' Zusätzlich recherchierte er irische Gangster der damaligen Zeit, um der Figur eine authentische Note zu geben.
Als Inspiration für den Charakter nannte Gleeson Robert Shaws Rolle in dem Kinofilm The Sting. Diese Referenz prägte den ruppigen, ländlich angehauchten Grundton, den er für Byrne anstrebte.
Uziel ließ Gleeson freie Hand
Gleeson schilderte die Zusammenarbeit mit Showrunner Oren Uziel als ungewöhnlich offen. Er habe abgewartet, ob Uziel die Idee der irischen Herkunft mittragen würde, und betonte, es sei keine Bedingung gewesen. Uziel zeigte sich aufgeschlossen: 'He gets really good people around him to bring ideas, and he embraces them. He's very liberating that way', lobte Gleeson.
Die kreative Partnerschaft reichte bis in die Dialoge hinein. Gleeson und Uziel tauschten sich darüber aus, wie ein Mann aus Dublin in bestimmten Situationen tatsächlich sprechen würde, und Uziel lieferte Formulierungen, die das Nötige transportierten, ohne plump zu wirken. Gleeson nannte das eine 'great creative collaboration'.
Auch andere Darsteller wie Li Jun Li und Jack Huson brachten laut Produktionsangaben eigene Ideen zur Neuinterpretation klassischer Marvel-Schurken ein, was Spider-Noir insgesamt einen ungewöhnlich kollaborativen Entstehungsprozess bescherte.
Was aus den Comics wegfiel
Neben der ethnischen Herkunft strich Spider-Noir auch eines der markantesten Elemente des Comic-Silvermane: das Verjüngungsserum, das der Wissenschaftler Curt Connors für ihn entwickelte, um sein Alter umzukehren. In der Zeichenserie der 1990er-Jahre wurde dieser Aspekt leicht verändert übernommen, indem Silvermane mit Connors an einer antiken Steintafel arbeitete. In späteren Animationsproduktionen rückte das Motiv weiter in den Hintergrund.
Für Spider-Noir spielen weder das Serum noch Connors eine Rolle. Die Serie konzentriert sich auf die Gangsterwelt und den Noir-Kosmos der 1930er-Jahre, was eine schlanke Neudefinition der Figur erlaubt, ohne den übernatürlichen Unterton der Comics.
Die Entscheidung passt zum Gesamtkonzept der Serie: Spider-Noir ist die erste Realverfilmung einer Spider-Man-Serie überhaupt und setzt bewusst auf atmosphärische Dichte statt auf Superschurken-Spektakel.
Ausblick auf mögliche zweite Staffel
Showrunner Oren Uziel hat gegenüber dem Magazin ScreenRant angedeutet, eine mögliche zweite Staffel könnte ins New York der Zweiten-Weltkriegs-Ära springen. Dieser Zeitsprung würde neue Figuren und neue Verbrecherwelten ermöglichen, darunter möglicherweise Schurken, die stärker der klassischen italienischen Mafia-Tradition des Comic-Silvermane entsprechen.
Figuren wie Hammerhead, Joseph Manfredi oder Count Nefaria wären stilistisch passend für das Noir-Genre und könnten als Gegenpol zum irisch geprägten Silvermane der ersten Staffel fungieren. Ob und wann eine zweite Staffel offiziell bestellt wird, ist bislang nicht bekannt.
Spider-Noir ist in seiner Gesamtheit auf Amazon Prime Video abrufbar. Ein offizieller Starttermin für Deutschland steht noch aus.
Mehr zu „Spider-Noir"

Spider-Noir zeigt Sucht ohne Verurteilung: Das spaltet das Publikum
Spider-Noir spaltet Zuschauer mit einer Darstellung, die Sucht nicht verurteilt. Nicolas Cage spielt Ben Reilly, einen PTSD-geplagten Superhelden im New York der frühen 1930er-Jahre auf Amazon Prime. Die Serie zwingt ihr Publikum, Sucht als Trauma-Reaktion zu verstehen statt als moralisches Versagen.

Warum Spider-Noir gerade so stark ankommt, hat mit Nicolas Cages Figur zu tun
Mehr Spinne als Mensch, und trotzdem lernt Ben Reilly sprechen wie Bogart. Cages Figur in Spider-Noir wechselt über acht Folgen hinweg ständig den Akzent, weil Ben sich Menschlichkeit aus alten Filmen abgeschaut hat. Das macht aus einem Superhelden-Konzept eine unerwartete Charakterstudie.

Fast ein Jahr Nachdrehs: Spider-Noir hatte ein massives Produktionsproblem
Die Sets von Spider-Noir waren pink und grün gestrichen, weil Farbe nie geplant war. Crewmitglied K.C. Lauf enthüllte, dass alle Kulissen ausschließlich für Schwarz-Weiß-Kontraste gestaltet wurden. Dass die Serie bei Prime Video trotzdem in Farbe erschien, war eine nachträgliche Studioentscheidung.
Artikel geschrieben von:

Emma Mueller ist Serienredakteurin mit klarem Fokus auf spannungsgetriebene Formate wie Action, Drama und Mystery.
Alle Artikel von Emma