Joe Negri hinterließ Mister Rogers' Neighborhood mehr als eine Rolle

Er war Jazzmusiker auf nationalen Bühnen, doch Millionen Kinder kannten ihn nur als freundlichen Handwerker. Joe Negri tourte in den 1940ern mit Big Bands, bevor er 1968 in Mister Rogers' Neighborhood einstieg und 331 Folgen lang blieb. Dieser Widerspruch zwischen Konzertbühne und Kinderprogramm machte ihn zu einer einzigartigen Figur der US-Fernsehgeschichte.
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Ein Leben für Gitarre und Kinder
Joe Negri wurde am 10. Juni 1926 in Pittsburgh geboren und griff bereits mit drei Jahren zur Gitarre. Als Kind trat er im Radio auf, arbeitete als Teenager als Berufsmusiker und tourte in den 1940er-Jahren mit Big Bands durch die gesamten USA, bevor er im Zweiten Weltkrieg die US-Armee diente.
Negri studierte Komposition an der Carnegie Tech, der heutigen Carnegie Mellon University, und baute sich anschließend in Pittsburgh einen Namen als erstklassiger Jazzgitarrist. Er trat regelmäßig als Gast beim Pittsburgh Symphony Orchestra und dessen Pops-Konzerten auf.
Seine Familie beschrieb ihn nach seinem Tod mit den Worten: 'Ob in einem kleinen Club, einem Klassenzimmer, einem Fernsehstudio oder einer Konzerthalle, er brachte bei jedem Auftritt dieselbe Wärme, Bescheidenheit und tiefe Liebe zur Gitarre mit.'
Wie Negri zum Handwerker wurde
Fred Rogers und Joe Negri kannten sich seit den frühen 1960er-Jahren, als sie gemeinsam an einer lokalen Kindersendung in Pittsburgh arbeiteten. Als Rogers seine neue Sendung für den Sender WQED entwickelte, lud er Negri ein, eine feste Rolle zu übernehmen.
Die Aussicht, einen Handwerker zu spielen, ließ Negri zunächst lachen. Er antwortete Rogers damals direkt: 'Fred, du hast den Falschen. Ich bin nicht besonders geschickt. Ich kann nichts. Ich kann nicht mal einen Hammer auf einen Nagel setzen.' Rogers versicherte ihm, die Rolle sei 'Fantasie', woraufhin Negri zusagte.
Ab der 13. Folge spielte er Musik in der Sendung. Sein erstes Lied war 'Sometimes People Are Good', geschrieben von Rogers selbst, das zu einem Klassiker der Serie werden sollte.
331 Folgen und Weltstars als Kollegen
Von 1968 bis 2001 verkörperte Negri den 'Handyman Negri' in insgesamt 331 Folgen von Mister Rogers' Neighborhood. Aus dem freundlichen Handwerker wurde im Laufe der Jahre der Besitzer des Musikladens in der Nachbarschaft.
Auf der Bühne der Sendung teilte er sich den Platz mit musikalischen Weltstars: Yo-Yo Ma, Tony Bennett und Wynton Marsalis traten als Gäste auf. Auch der geliebte Puppen-König Freitag gehörte zu seinen Bühnenpartnern.
Fred Rogers, mit dem Negri über vier Jahrzehnte eng zusammenarbeitete, starb 2003. Die Sendung selbst hatte da bereits ihr Ende gefunden, hinterließ aber ein bleibendes kulturelles Erbe in der amerikanischen Fernsehgeschichte.
Musiker, Lehrer und Albumkünstler
Neben seiner Rolle in der Kindersendung blieb Negri ein aktiver Jazzmusiker. Er wirkte unter anderem an Michael Feinsteinns Standards-Album 'Fly Me to the Moon' aus dem Jahr 2010 mit. Tony Bennett, der ihn einst nach New York City gelockt hatte, kannte er schon lange vor den gemeinsamen Fernsehauftritten.
Als Pädagoge lehrte Negri fast 50 Jahre lang Jazzgitarre an der University of Pittsburgh, der Duquesne University und der Carnegie Mellon University. Generationen von Musikerinnen und Musikern gingen durch seine Klassen.
Eine deutsche Ausstrahlung von Mister Rogers' Neighborhood stand zu Lebzeiten Negris nie an, und ein Startdatum für Deutschland steht weiterhin aus. Die Serie war in erster Linie ein Phänomen des amerikanischen Bildungsfernsehens, produziert für PBS.
Abschied von einer Legende
Joe Negri starb am 30. Mai 2026 in einer Senioreneinrichtung außerhalb von Pittsburgh. Er wurde 99 Jahre alt. Sein Tod wurde von seiner Familie bekannt gegeben, die Beerdigung fand im privaten Rahmen statt.
Er hinterlässt seine Ehefrau Joan Negri, mit der er 72 Jahre verheiratet war, sowie seine Töchter Lisa Negri, verheiratet mit Robert Sickels, Laurie Bentz und Gia Leven. Drei Enkelinnen trauern ebenfalls um ihn.
Mit Joe Negri verliert die Welt einen Musiker, der Kindern über drei Jahrzehnte hinweg zeigte, dass Musik überall ihren Platz hat: ob im Musikgeschäft einer Fernsehstraße oder im Konzertsaal.
Artikel geschrieben von:

Lea Zimmermann analysiert aktuelle Serien mit besonderem Blick für Atmosphäre, Figurenentwicklung und Erzählstruktur.
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