Imperfect Women überrascht: Siddhartha Khosla nennt überraschende Inspirationsquelle
Das Zauberwort für den Komponisten-Job war: Twin Peaks. Siddhartha Khosla überzeugte die Macher von Imperfect Women mit Verweis auf Badalamentis legendären Score, nicht mit eigenen Referenzen. Dass ausgerechnet Twin-Peaks-Regisseurin Lesli Linka Glatter den Piloten inszenierte, macht diesen Einfluss noch konkreter.
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Das Zauberwort war Twin Peaks
Siddhartha Khosla, der bereits Serien wie Only Murders in the Building und Paradise vertont hat, bekam den Auftrag für Imperfect Women mit einem einzigen Argument: Twin Peaks. In einem Interview erklärte er, dass Angelo Badalamentis Score zu Twin Peaks einer seiner liebsten Filmmusiken überhaupt sei und ihn gelehrt habe, wie man einen Thriller mit tiefer Emotion unterlegt.
Für Khosla war die Parallele zwischen beiden Serien offensichtlich: So wie Twin Peaks davon handelt, was Laura Palmer für ihre Gemeinschaft bedeutete, dreht sich Imperfect Women um die Frage, wer Nancy wirklich war und was ihr Tod bei ihren engsten Freundinnen auslöst. Diese emotionale Schicht wollte er in jede Note übersetzen.
Showrunnerin Annie Weisman entwickelte das Projekt gemeinsam mit Charlize Theron als ausführende Produzentin. Dass Lesli Linka Glatter, die bereits beim Original-Twin-Peaks unter David Lynch und Mark Frost Regie führte, den Piloten übernahm, gab dem Vorhaben von Anfang an eine besondere Referenz.
Ein Ton als musikalisches Fragezeichen
Das Hauptthema der Serie entstand aus einer ungewöhnlich schlichten Idee: Khosla hielt einen einzigen Ton, auf dem er über die gesamte Laufzeit des Themas verweilt, und baute daraus ein musikalisches Fragezeichen rund um Nancys Schicksal. Dieser gehaltene Ton symbolisiert die Ungewissheit, die die gesamte Geschichte antreibt.
Um die Figuren Mary und Eleanor zu repräsentieren, die von Elisabeth Moss und Kerry Washington gespielt werden, fügte Khosla eine zweiteilige Harmonie um diesen Grundton herum ein. So trägt die Musik von Beginn an die Spannung zwischen den drei Freundinnen, ohne dass ein einziges Wort gesprochen werden muss.
Kate Mara verkörpert Nancy, deren Mord die Handlung ins Rollen bringt. Moss und Washington spielen die Freundinnen, die nicht nur den Fall aufklären, sondern dabei auch ihre eigene jahrelange Freundschaft hinterfragen und neu bewerten.
Ballett spiegelt die Dramaturgie wider
Khosla wurde außerdem gebeten, die Musik für eine Ballettszene zu schreiben, die als dramaturgischer Spiegel für den gesamten achtteiligen Handlungsbogen fungiert. Diese Szene verdichtet die inneren Konflikte der Figuren in Bewegung und Musik, ohne auf Dialog angewiesen zu sein.
Die Herausforderung bestand darin, eine Komposition zu schaffen, die gleichzeitig eigenständig als Tanzstück funktioniert und zugleich die emotionalen Linien der Serie weiterführt. Khosla beschreibt diesen Auftrag als eine der komplexesten, aber auch befriedigendsten Aufgaben des gesamten Projekts.
Indische Wurzeln fließen in den Score
Khosla betont, dass seine persönliche Biografie einen wesentlichen Einfluss auf seine Arbeit hat. Er wuchs in Indien auf, und die indische Musik, die er von Kindheit an in sich trägt, fließt unbewusst in seine Kompositionen ein, auch wenn er nicht explizit auf traditionelle Instrumente oder Strukturen zurückgreift.
Diese tief verinnerlichten Klangerfahrungen seien, so Khosla, ein Teil dessen, was seine Musik unverwechselbar mache. Gemeinsam mit dem handwerklichen Wissen über westliche Filmmusiktraditionen entstehe daraus etwas Eigenständiges, das sich von generischen Lösungen abhebt.
Menschliche Kreativität bleibt unersetzbar
Khosla nutzte das Interview auch, um eine klare Haltung zur Rolle von Komponisten in einer Zeit zu formulieren, in der Künstliche Intelligenz zunehmend in kreative Prozesse vordringt. Für ihn steht fest: Nichts kann die menschliche Note ersetzen, und genau diese müssen Komponisten und Musiker aktiv einbringen.
Showrunnerinnen und Regisseurinnen bräuchten diesen menschlichen Input, um etwas wirklich Originelles und Frisches zu schaffen. Khosla sieht es als Pflicht der Musikschaffenden, ihre persönlichen Erfahrungen, ihre Herkunft und ihre emotionale Tiefe in die Zusammenarbeit einzubringen, anstatt sich auf technische Lösungen zu verlassen.
Imperfect Women ist bei Apple TV+ verfügbar, wo die erste Staffel bereits abrufbar ist. Eine zweite Staffel ist bestätigt, ein konkretes Startdatum steht noch aus.
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Artikel geschrieben von:

Clara Hoffmann ist Serien-Redakteurin mit besonderem Fokus auf emotionale Drama-Serien und detailreiche Period Pieces.
Alle Artikel von ClaraClara hat einen weiteren Artikel zur selben Serie verfasst.