Hinter dem Score von BEEF Staffel 2 steckt ein simples, aber effektives Prinzip

Rasensprenger und Bienenschwärme lieferten die Vorlage für einen Netflix-Score. Finneas O'Connell, bekannt als Produzent von Billie Eilishs Grammy-Hit 'Bad Guy', nutzte genau diese Klänge für BEEF Staffel 2 mit Oscar Isaac und Carey Mulligan. Dass Natur als Stressmaschine funktioniert, bewies er damit eindrücklich.
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Bienen als Inspiration für den Score
Finneas O'Connell, der als Produzent und Komponist vor allem durch seine Zusammenarbeit mit seiner Schwester Billie Eilish bekannt wurde, hat für BEEF Staffel 2 eine besondere Klang-Philosophie entwickelt. Er suchte gezielt nach Synthesizer-Presets, die er durch Anpassung von Hüllkurven, Filterfrequenzen und dem Pitch-Bend-Rad seines Nord-Synthesizers so veränderte, dass sie an einen Bienenschwarm erinnern.
Die Idee kam ihm durch seinen Alltag in Los Angeles, wo er in der Nähe eines Golfplatzes lebt. Das rhythmische Zischen von Sprinkleranlagen und die natürlichen Klangmuster seiner Umgebung inspirierten ihn, diesen organischen Stress in die Musik der Serie einzuweben.
Sein Credo dabei war simpel: Wenn ihn das Spielen dieser Sounds selbst unter Druck setzt, wird es das Publikum wohl genauso treffen. Dieses Prinzip zieht sich durch den gesamten Score der zweiten Staffel.
Worum geht es in Staffel 2?
Die zweite Staffel von BEEF, die im April 2026 bei Netflix und Netflix Standard mit Werbung startete, folgt einem jungen Pärchen, das Zeuge eines heftigen Streits wird. Ashley Miller, gespielt von Cailee Spaeny, und ihr Verlobter Austin Davis, gespielt von Charles Melton, arbeiten beide als untergeordnete Angestellte in einem Country Club.
Dort geraten sie in den Sog der bröckelnden Ehe ihres Vorgesetzten Joshua Martín, den Oscar Isaac verkörpert, und dessen Frau Lindsay Crane-Martín, gespielt von Carey Mulligan. Was als Zeugenschaft beginnt, entwickelt sich zu einer persönlichen Verstrickung, die alle Beteiligten an ihre Grenzen bringt.
Die Serie setzt damit die Tradition der ersten Staffel fort, alltägliche Konflikte in psychologisch dichte Dramen zu verwandeln, untermalt von einer Musik, die den inneren Aufruhr der Figuren hörbar macht.
Nostalgische Songs treffen modernen Score
O'Connells Kompositionen teilen sich den Klangraum mit einer Reihe sorgfältig ausgewählter Song-Einspielungen. Bands wie LCD Soundsystem, Hot Chip, M83 und die Yeah Yeah Yeahs liefern den nostalgischen Gegenpol zur angespannten Original-Musik.
Besonders prägnant: Am Ende der zweiten Episode erklingt 'Heads Will Roll' von den Yeah Yeah Yeahs, ein Moment, der Ton und Thema der Staffel auf den Punkt bringt. Die Auswahl der Songs war laut O'Connell von Beginn an sehr klar, weil sie Themen wie gesellschaftliche Stellung, Selbstwahrnehmung und Liebesbeziehungen widerspiegeln.
O'Connell beschrieb die Kernidee hinter der Musikauswahl als den Versuch, das Verhältnis der Figuren zu ihrer eigenen Unsicherheit und zur Wahrnehmung durch andere hörbar zu machen. Score und Needle Drops ergänzen sich dabei zu einem stimmigen Ganzen.
'Vicious Thoughts': Vom Klavier zur Kakophonie
Eines der auffälligsten Stücke im Score heißt 'Vicious Thoughts'. Es beginnt als zarte, melodische Klavierkomposition mit einem fast optimistischen, leicht sentimentalen Charakter, bevor es sich in einen aggressiven, kakophonen Synthesizer-Ausbruch verwandelt, der dieselbe Melodie trägt.
O'Connell beschrieb diesen Kontrast als bewusstes Mittel: Die Reinheit des Ausgangsmotivs sollte durch die Gewalt des Klangs gebrochen werden, ohne dass die Melodie selbst verloren geht. Dieser Bruch spiegelt den inneren Zerfall wider, den die Figuren der Serie durchleben.
Solche kompositorischen Entscheidungen zeigen, dass O'Connell nicht nur als Produzent populärer Musik denkt, sondern auch narrativ komponiert: Jeder Klangelement erzählt einen Teil der Geschichte.
Finneas als aufsteigender TV-Komponist
Für viele ist Finneas O'Connell in erster Linie der Produzent hinter Billie Eilishs Grammy-prämiertem Hit 'Bad Guy' oder der Oscar-Gewinner für den James-Bond-Song 'No Time To Die'. Doch seit seinem Debüt als Serien-Komponist für die Apple TV+-Produktion 'Disclaimer' hat er sich einen neuen kreativen Raum erschlossen.
BEEF ist bereits sein zweites großes Serien-Projekt, und O'Connell ist sichtlich begeistert von der Arbeit für Film und Fernsehen. Er betonte, dass er selbst ein leidenschaftlicher Zuschauer sei und die Möglichkeit, Geschichten mit Musik zu begleiten, als besonderes Privileg empfindet.
Als Teenager lernte er gemeinsam mit einem Freund das Titelthema aus 'House of Cards' auf dem Klavier, was zeigt, dass seine Faszination für Serienmusik tief verwurzelt ist. Mit BEEF beweist er, dass er weit mehr als ein Pop-Produzent ist.
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Artikel geschrieben von:

Anna Schneider analysiert Serien von düsteren Mystery-Stoffen bis zu leichteren Komödien mit Fokus auf Erzählstruktur und Figurenentwicklung.
Alle Artikel von AnnaAnna hat 2 weitere Artikel zur selben Serie verfasst.