Hell's Kitchen in den 1970ern: The Westies erzählt reale Gangstergeschichte

Eine irisch-amerikanische Gangsterbande als Serienthema: Das hat bisher kaum jemand gewagt. Chris Brancato und Michael Panes, die Macher von Godfather of Harlem, erzählen die reale Geschichte der Westies aus dem Manhattan der 1970er. Dass ausgerechnet der Bau eines Kongresszentrums den Frieden zwischen Iren und Italienern erzwingt, macht die Prämisse so ungewöhnlich wie glaubwürdig.
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Worum geht es in The Westies?
The Westies basiert auf einer realen irisch-amerikanischen Verbrecherbande, die im mittleren 20. Jahrhundert in Manhattan operierte. Im Mittelpunkt steht ein brüchiger Waffenstillstand zwischen den Westies unter Boss Eamon Sweeney, gespielt von J.K. Simmons, und der berüchtigten italienisch-amerikanischen Gambino-Familie unter Paul Castellano, verkörpert von Ron Lea. Auslöser des Friedens ist kein Goodwill, sondern blankes Geschäftskalkül: Beide Seiten wollen am Bau des Javits Center in Hell's Kitchen verdienen.
Regisseur Alan Taylor inszeniert die Auftaktfolge in einer Atmosphäre trügerischer Ruhe. Die Untergebenen beider Lager halten sich jedoch kaum an die vereinbarten Regeln, und der FBI schickt Agentin Birdie Polk, gespielt von Jessica Frances Dukes, auf die Spur der Gangs. An ihrer Seite arbeitet der korrupte NYPD-Beamte Glenn Keenan, den Titus Welliver mit spürbarer innerer Last trägt.
Showrunner Brancato und Panes, bekannt durch Godfather of Harlem, halten das Erzähltempo gleichmäßig und verlieren sich nicht in übermäßiger Selbstinszenierung. Die Serie denkt nicht groß über das amerikanische Versprechen nach, sie findet es schlicht unterhaltsam, wenn finstere Typen Waffen aufeinander richten.
Simmons und Welliver retten das Meiste
J.K. Simmons verleiht Eamon Sweeney trotz eines wenig originellen Drehbuchs eine spürbare Lebendigkeit. Mit trockenem Sarkasmus und gelegentlicher Erschöpfung macht er aus einer Schablonenfigur etwas annähernd Menschliches. Es gehört nicht zu seinen stärksten Rollen, aber Simmons holt das Maximum heraus.
Titus Welliver trägt seinen korrupten Polizisten Keenan mit einer Schwere, die auf tiefen privaten Schmerz hindeutet. Je mehr die Serie über seinen Hintergrund enthüllt, desto weniger fesselnd wird diese Traurigkeit allerdings, weil das Drehbuch den Zuschauer bis dahin kaum genug investiert hat.
Tom Brittney spielt Protagonist Jimmy Roarke, der in der Tradition des klassischen Gangster-Helden funktioniert: Er ist klüger und moralisch integerer als sein Umfeld, ohne dass die Serie je erklärt, warum. Seine Freundin Bridget, gespielt von Sarah Bolger, bekommt einen Nebenstrang mit IRA-Vergangenheit, der jedoch so isoliert vom Rest der Handlung bleibt, dass er kaum Wirkung entfaltet.
Klischees statt Charaktere
Das größte Problem von The Westies sind seine Figuren. Fast jeder Charakter wirkt wie eine bekannte Schablone aus dem Gangster-Genre-Handbuch. Jimmys bester Freund Mickey ist der hitzköpfige Niedrig-Gangster, dessen Impulskontrolle exakt dann versagt, wenn die Handlung einen Konflikt braucht.
Hamish Allan-Headly spielt John Gotti als abgeschliffene Kopie jedes italienischen Mafiosos, den das Kino je hervorgebracht hat. Die Szene, in der er einen Untergebenen mit gespielter Empörung einschüchtert und dann laut lacht, ist die Visitenkarte seiner Einführung, weil das Genre genau das erwartet.
Die Freunde rund um Jimmy und Mickey bleiben weitgehend austauschbar und existieren hauptsächlich, um Platz zu füllen oder zu sterben. Brancato und Panes verdienen Anerkennung dafür, dass der Zuschauer nie den Faden verliert. Doch Kompetenz allein schafft keine Figuren, an die man sich erinnert.
Produktion und Atmosphäre überzeugen
Produktionsdesigner Rocco Mateo schafft ein New York der 1980er Jahre, das glaubwürdig und abgenutzt wirkt. Schmutzige Straßen, beengte Wohnungen und Bars, die schon vor den unvermeidlichen Schlägereien heruntergekommen aussehen, geben der Serie einen soliden visuellen Rahmen.
Die acht Folgen der ersten Staffel laufen gleichmäßig ab, ohne sich in Längen zu verlieren. Wer eine optisch ansprechende Gangster-Serie als Abendprogramm sucht, wird nicht enttäuscht. Wer Tiefe erwartet, schaut anderswo besser.
Die Produktionsmacher von MGM+ haben sichtbar Sorgfalt investiert. Das Ergebnis ist eine Serie, die zu kompetent ist, um unerträglich zu sein, aber zu fantasielos, um wirklich zu fesseln.
Vergleich mit den Großen des Genres
Die besten Gangster-Dramen, von Francis Ford Coppolas Paten-Trilogie über Martin Scorseses Werke bis zu David Chases Sopranos, verbinden packende Figuren, eigenwilligen Stil und thematische Tiefe mit dem üblichen Repertoire aus Gewalt und Rache. The Westies begnügt sich damit, die vertrauten Muster nachzuzeichnen, auf denen diese Klassiker aufgebaut sind.
Keine komplexen Emotionen, keine größeren Themen, keine einprägsamen Eigenheiten oder Pointen bleiben zurück. Die Serie ist ein Produkt, das seinen Job erledigt, ohne je über sich selbst hinauszuwachsen.
Für das deutsche Publikum gilt: Ein Starttermin für The Westies steht noch aus. Wer das Gangster-Genre liebt und Simmons und Welliver schätzt, findet solide Unterhaltung, sollte aber keine Offenbarung erwarten.
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Artikel geschrieben von:

Laura Klein ist spezialisiert auf Sci-Fi, Fantasy und Mystery-Serien mit geschultem Blick für Erzähltempo und Figurenentwicklung.
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