Hawkins kehrt zurück in Stranger Things: Tales from '85, doch etwas fehlt
Der erste TV-Ableger von Stranger Things ist animiert, nicht live-action. Flying Bark produzierte alle acht Folgen unter Showrunner Eric Robles, mit den Duffer Brothers als ausführende Produzenten. Für eine Franchise mit einem der bekanntesten Casts der Streaming-Ära ist das eine unerwartete Entscheidung.
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Dieselbe Geschichte, dieselben Figuren
Tales from '85 spielt zwischen Staffel 2 und Staffel 3 von Stranger Things, also vor der Schlacht im Starcourt-Einkaufszentrum und vor dem Auftauchen von Fan-Liebling Robin, gespielt von Maya Hawke. Statt neues Terrain zu erkunden, kehrt die Serie buchstäblich nach Hawkins zurück und wiederholt bekannte Muster mit bekannten Gesichtern.
Die Hauptfiguren Mike (Luca Diaz), Will (Benjamin Plessala), Dustin (Braxton Quinney), Lucas (Elisha Williams) und Max sind alle dabei, diesmal als Zeichentrickversionen ihrer selbst. Finn Wolfhard, Noah Schnapp, Caleb McLaughlin, EJ Williams und Braxton Quinney leihen ihren Charakteren die Stimmen, ergänzt durch Ben Plessala und Luca Diaz. Dustin benennt die Gruppe sogar in Hawkins Investigators Club um, was sich wie eine müde Neuverpackung des Altbekannten anfühlt.
Das Resultat ist ein Ableger, der sich laut Kritik buchstäblich in den Randbemerkungen der Stranger Things-Mythologie bewegt. Weder zeitlich noch inhaltlich wagt Tales from '85 einen echten Schritt nach vorne.
Animation ohne visuellen Mut
Als Zeichentrickserie hätte Tales from '85 die Möglichkeit gehabt, visuell neue Wege zu gehen. Stattdessen sieht die Produktion des Studios Flying Bark aus wie eine beliebige zeitgenössische Computeranimationsserie, lediglich aufgepeppt mit Neonblitzen und anderen Achtziger-Details.
Der Stil wirkt generisch und verschenkt das Potenzial des Formats. Eine Zeichentrickserie über Stranger Things könnte surreale Bildwelten erschaffen, die in Live-Action kaum umsetzbar wären. Tales from '85 nutzt diese Freiheit kaum.
Im Vergleich dazu wagte das Bühnenwerk The First Shadow, das in den 1950er Jahren angesiedelt war, zumindest einen anderen Zeitrahmen. Der animierte Ableger hingegen traut sich nicht einmal das.
Nikki als schwacher Robin-Ersatz
Die einzige wirklich neue Figur ist Nikki, gesprochen von Odessa A'Zion. Die Punkerin mit pinkfarbenem Irokesenschnitt soll frischen Wind ins Ensemble bringen. Ihre Mutter Anna, gesprochen von Janeane Garofalo, unterrichtet als Vertretungslehrerin im Fach Naturwissenschaften.
Nikki ist erkennbar als eine Art frühe Version von Robin konzipiert, eine queer-kodierte Identifikationsfigur, die Will ermutigen soll, seine Individualität zu entdecken, bevor er selbst versteht, was ihn besonders macht. Das ist eine nette Idee, bleibt aber in der Ausführung blass.
Die Figur wirkt konstruiert und funktional, nicht organisch gewachsen. Sie füllt eine narrative Lücke, ohne dabei eine eigenständige Persönlichkeit zu entwickeln, die über ihre symbolische Rolle hinausgeht.
Showrunner Robles und die Duffer Brothers
Hinter Tales from '85 steht ein kreatives Team unter der Leitung von Showrunner Eric Robles. Die Duffer Brothers, Schöpfer der Mutterserie, sind als ausführende Produzenten beteiligt, ohne jedoch die inhaltliche Verantwortung zu tragen.
Diese Konstellation erklärt möglicherweise, warum der Ableger so eng an der Vorlage klebt. Ohne das direkte kreative Steuer der Duffer Brothers fehlt Tales from '85 die Risikobereitschaft, die Stranger Things in seinen besten Momenten ausgezeichnet hat.
Robles und sein Team scheinen sich vor allem darum bemüht zu haben, den Kanon nicht zu verletzen, statt die Möglichkeiten des Formats auszuschöpfen. Das Ergebnis ist solide, aber inspirationslos.
Fazit: Verpasste Chance auf Netflix
Alle acht Folgen von Stranger Things: Tales from '85 stehen seit dem 23. April 2026 auf Netflix zur Verfügung. Wer die Originalserie liebt, findet hier vertraute Gesichter und eine gewohnte Atmosphäre, aber kaum Überraschungen.
Als erster offizieller TV-Ableger des Stranger Things-Universums hinterlässt Tales from '85 einen deprimierenden Eindruck. Die Serie beweist vor allem, dass ein Spin-off mehr braucht als Nostalgie und bekannte Namen.
Das Stranger Things-Universum bietet genug unerzählte Geschichten und unbekannte Zeiträume, um wirklich neue Wege zu gehen. Tales from '85 hat diese Chance nicht genutzt und bleibt damit weit hinter seinem Potenzial zurück.
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Deshalb enttäuscht Stranger Things: Tales from '85 so sehr
TV-PG statt TV-14: Der animierte Ableger verliert den Biss der Mutterserie. Netflix zeigt Stranger Things: Tales From '85 in zehn halbstündigen Folgen, entwickelt von Jennifer Muro und Eric Robles. Wer nach Stranger Things 5 noch einmal zittern wollte, bekommt stattdessen zahmes Animationskino für Kinder.

Stranger Things: Tales From '85 und sein 80er-Soundtrack
Nostalgie trifft Animation: Hawkins klingt vertraut, sieht aber völlig anders aus. Stranger Things: Tales From '85 bringt ab dem 23. April auf Netflix die geliebten Charaktere in animierter Form zurück, untermalt von 80er-Hits und einer neuen Version des ikonischen Introsongs. Fans dürfen sich auf einen Soundtrack freuen, der sich anfühlt wie nach Hause kommen.

Warum Stranger Things: Tales from '85 die Lücke zwischen S2 und S3 füllt
Hawkins bekommt erstmals eine eigene Animationsserie. Stranger Things: Tales From '85 startet am 23. April auf Netflix mit einem komplett neuen Sprecher-Cast. Fans erhalten damit endlich Antworten auf die Lücke zwischen Staffel 2 und 3.
Artikel geschrieben von:

Emma Mueller ist Serienredakteurin mit klarem Fokus auf spannungsgetriebene Formate wie Action, Drama und Mystery.
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