Half Man sorgt gerade wegen einer unbekannten Schauspielerin für Gesprächsstoff

Niemand kannte Julie Cullen, jetzt redet alle Welt über sie. Die Newcomerin spielt Joanna in Half Man, der neuen HBO-Max-Serie von Richard Gadd. Dass ausgerechnet eine völlig unbekannte Darstellerin die Diskussion dominiert, hat kaum jemand vorhergesehen.
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Joanna als moralischer Kompass der Serie
Julie Cullen ist stolz auf das, was ihre Figur Joanna in Half Man repräsentiert. Sie betrachtet Joanna als den moralischen Kompass der ersten drei Folgen, eine Rolle, die sie bewusst und mit großer Sorgfalt angelegt hat.
Richard Gadd selbst äußerte sich sehr warmherzig über die Figur. Er bezeichnete Joanna als eine seiner liebsten Charaktere beim Schreiben, was Cullen tief beeindruckt hat.
Obwohl Joanna mit ihrer blonden, aufgeweckten Art zunächst leichtfüßig wirkt, verbirgt sie eine innere Tiefe, die im Verlauf der Geschichte immer deutlicher hervortritt. Genau diese Vielschichtigkeit macht sie zu einem unverzichtbaren Gegengewicht zu den dunkleren Elementen der Serie.
Niall zur Wahrheit bringen
Half Man erzählt die Geschichte zweier Teenager, Niall und Ruben, deren Mütter in einer romantischen Beziehung zueinander stehen. Die Serie wird überwiegend aus der Perspektive der beiden Jungen erzählt, wobei Mitchell Robertson den jungen Niall und Jamie Bell die ältere Version der Figur spielen. Stuart Campbell und später Richard Gadd selbst übernehmen die Rolle des Ruben.
Joanna nimmt in Nialls Leben eine besondere Stellung ein: Sie ist diejenige, die ihn dazu drängt, ehrlich zu sein, auch wenn er es selbst nicht will. Cullen beschreibt diese Dynamik als das Herzstück ihrer Rolle, eine Figur, die nicht wegschaut, wenn andere es täten.
Diese Hartnäckigkeit macht Joanna zu mehr als einer Nebenfigur. Sie ist der menschliche Anker in einer Geschichte, die sich sonst tief in toxische Männlichkeit und Gewalt hineinbewegt.
Die angespannte Dinner-Szene mit Rubens Mutter
Eine der intensivsten Szenen der Serie ist das gemeinsame Abendessen, bei dem Joanna auf Rubens Mutter trifft. Cullen gibt offen zu, dass sie sich vor dieser Szene wirklich gefürchtet hat: Sie war ehrlich gesagt nervös vor ihr.
Die Dreharbeiten standen unter Zeitdruck, was der Szene eine zusätzliche Spannung verlieh. Cullen bekam an jenem Tag nur eine einzige Einstellung für ihre Nahaufnahme, was den Druck noch einmal erhöhte.
Die Intensität entstand auch durch den ungewöhnlichen Drehort. Während der obere Teil von Nialls Haus ein Studioset war, fand die Dinner-Szene tatsächlich im Wohnzimmer eines echten Privathauses statt. Der Übergang zwischen realem Gebäude und BBC-Studios verlief nahtlos, war für das Team aber logistisch anspruchsvoll.
Drehbedingungen in Glasgow
Die Produktion fand im winterlichen Glasgow statt, und die Temperaturen hinterließen bei Cullen einen bleibenden Eindruck. Sie erinnert sich lebhaft daran, wie eisig kalt es am Set war. Glasgow im Winter sei einfach bitterkalt, sagt sie.
Trotz der widrigen Bedingungen lobt Cullen die Arbeit am Set in höchsten Tönen. Besonders die Intimacy-Koordinatorin Sharon MacKay habe eine wichtige Rolle gespielt und das Team bei sensiblen Szenen professionell begleitet.
Die Kombination aus echten Drehoorten und Studioteilen gab der Serie eine besondere Textur. Flur und Küchenbereich stammten aus einem echten Haus, während das Treppenhaus und der obere Bereich im Studio nachgebaut wurden.
Half Man und sein gespaltenes Publikum
Half Man hat seit seinem Erscheinen sowohl Zuschauer als auch Kritiker gespalten. Die Serie von Baby-Reindeer-Schöpfer Richard Gadd zeigt auf kompromisslose Weise Misogynie, Gewalt und toxische Männlichkeit, was manche als mutig, andere als verstörend empfinden.
Für Cullen ist genau diese Kompromisslosigkeit ein Zeichen von Qualität. Die Figur der Joanna bietet dabei einen menschlichen Gegenpol, der das Publikum durch die dunkleren Momente der Serie begleitet.
Half Man ist bei HBO Max in Deutschland abrufbar. Die Serie setzt die Tradition fort, mit der Gadd nach Baby Reindeer schwierige gesellschaftliche Themen in fesselnde Dramaturgie verwandelt.
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Vor Half Man wollte Richard Gadd nur eine Nebenrolle spielen
Richard Gadd spielt in Half Man die Hauptrolle, obwohl er das nie wollte. Der Baby-Reindeer-Schöpfer wollte ursprünglich nur einen Kurzauftritt, doch der Serienerfolg änderte alles. Für Zuschauer bedeutet das: Gadd steht wieder vollständig im Mittelpunkt einer Geschichte, die er sieben Jahre mit sich trug.

Richard Gadd spricht über die härteste Szene in Half Man
Eine einzige Szene verändert, wie man Half Man versteht. Richard Gadd erklärt, warum die Krankenhaus-Konfrontation in Episode vier der emotionale Kern der HBO-Max-Serie ist. Wer diese Szene gesehen hat, schaut Ruben und Niall danach mit anderen Augen an.

Wegen Richard Gadd schauen jetzt viele zum ersten Mal Half Man
Drei Emmys für autobiografisches Trauma, jetzt der Sprung ins Fiktionale. Gadd schreibt und produziert Half Man erneut selbst, doch die Geschichte von Ruben und Niall ist diesmal erfunden. Ob sein Stil ohne persönliche Vorlage trägt, ist die eigentliche Frage dieser Serie.
Artikel geschrieben von:

Julia Fischer analysiert Serien mit besonderem Fokus auf erzählerische Details, Charakterentwicklung und Genre-Mix.
Alle Artikel von JuliaJulia hat einen weiteren Artikel zur selben Serie verfasst.