Für Staffel 3 durchforstete For All Mankind eBay nach Apples Kultflop

Prop Master Jaime Mengual kauft Apples größten Flop auf eBay zusammen. Der Apple Newton, 1998 nach einem gescheiterten Kampf gegen PalmPilot eingestellt, lebt in 'For All Mankind' auf Apple TV+ als Ersatz für das iPhone. Dass ausgerechnet ein Konzern wie Apple seinen eigenen Misserfolg so prominent inszenieren lässt, ist bemerkenswert.
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Der Newton als Herzstück der Serie
Jede neue Staffel von 'For All Mankind' beginnt für Prop Master Jaime Mengual mit demselben Ritual: einem Meeting mit den Showrunnern Ben Nedivi und Matt Wolpert sowie Produzent Ben McGinnis. Das Thema ist stets dasselbe, nämlich der Apple Newton. Kein anderes Requisit prägt die visuelle Sprache der Serie so stark wie dieses längst vergessene Gerät.
Der Newton war in den 1990er-Jahren Apples erster Versuch eines mobilen Digitalassistenten, gesteuert über einen Stift auf einem Touchscreen und gedacht für Kalender und Notizen. Gegen PalmPilot und BlackBerry hatte er keine Chance und wurde 1998 eingestellt, obwohl er als direkter Vorläufer des iPhone gilt.
In der Alternativwelt von 'For All Mankind', in der die amerikanische Raumfahrtbegeisterung nie erlahmte, lief die Geschichte anders. Dort wurde der Newton nie aufgegeben, sondern konsequent weiterentwickelt und ist heute das, was in unserer Realität das iPhone geworden ist.
eBay-Fund wurde zum Serienrequisit
Für das erste Erscheinen des Newtons in Staffel 3 durchforstete Mengual eBay und fand mehrere originale Geräte in gutem Zustand. Er öffnete die Gehäuse, entfernte die alte Technik, installierte eine Hintergrundbeleuchtung und brannte neue Grafiken ein. Aus Museumsstücken wurden funktionierende Requisiten.
Kurz darauf ergänzte das Team eine aufgesetzte Kamera, die dem Newton Videofähigkeiten verlieh. Etwas, das das echte Gerät nie besaß. Mengual beschreibt seinen Ansatz so: 'Ich durchsuche gerne die Archive nach Prototyp-Bildern von iPhones, die nie gebaut wurden, oder Dingen, die Apple ausprobiert hat.'
Dieser Blick in Apples eigene Designgeschichte gibt den Requisiten eine glaubwürdige Tiefe. Die Geräte wirken nicht wie Science-Fiction-Erfindungen, sondern wie eine plausible Weiterentwicklung echter Technologie.
Apple genehmigt jedes Design persönlich
Jede Designentscheidung rund um den Newton wird direkt mit dem Apple-Team abgestimmt. Das gilt für App-Oberflächen, Sounds und das Erscheinungsbild der Hardware. Apple genehmigt alle Änderungen, bevor sie in der Serie zu sehen sind, was 'For All Mankind' zu einer der ungewöhnlichsten Kooperationen zwischen einem Technologiekonzern und einer Fernsehproduktion macht.
In Staffel 4 orientierte sich das Design stark am iPad Mini: größer, flacher, mit erweitertem Display. Für Staffel 5 kehrte das Team zur Kompaktheit zurück, ganz ähnlich wie Apple es mit dem iPhone selbst tat. Mengual versuchte dabei zunächst, ein Modell vollständig neu zu bauen, mit AMOLED-Bildschirmen, scheiterte aber und entschied sich schließlich dafür, ein echtes iPhone in ein Aluminiumgehäuse im Newton-Design einzubauen.
Auch die Bildschirmtechnologie entwickelt sich in der Serie fort. Bereits in den 1990er-Jahren, wie die Alternativzeitlinie sie zeigt, verfügten die Newtons über kapazitive Touchscreens und Videoanruf-Funktionen ähnlich FaceTime, Technologien, die in unserer Realität erst Jahrzehnte später kamen.
Soziale Medien existieren in dieser Welt nicht
Der Newton funktioniert in 'For All Mankind' nicht wie ein modernes Smartphone. Er ist ein Kommunikationswerkzeug zwischen Erde, Mars und allem dazwischen, aber ohne die suchtfördernden Mechanismen heutiger Geräte. Mengual erklärt das mit einem strukturellen Unterschied: 'Die Technologie in unserer Welt wird wirklich dadurch bestimmt, dass das Internet zu Beginn keine öffentliche Domäne war, und so entsteht der Aufstieg sozialer Medien in der Welt von For All Mankind schlicht nicht.'
Das verändert die Beziehung der Figuren zu ihren Geräten grundlegend. Kommunikation steht im Vordergrund, nicht Unterhaltung oder Selbstdarstellung. Die Charaktere nutzen ihre Newtons, um Informationen auszutauschen und in Kontakt zu bleiben, nicht um Feeds zu scrollen.
Diese konzeptionelle Entscheidung macht den Newton zu mehr als einem Requisit. Er ist ein Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklung in dieser Alternativwelt, in der der Wettlauf ins All die Energie absorbierte, die in unserer Realität in soziale Netzwerke floss.
Robustheit statt Eleganz: Design für den Mars
Die Newtons in 'For All Mankind' sind keine schlanken Designobjekte. Sie sind klobiger, kantiger und wirkungsvoller als ihre realen Entsprechungen. Mengual begründet das mit den Einsatzbedingungen: 'Nur weil unsere Technologie fortgeschritten ist, bedeutet das nicht, dass die Hardware nicht etwas klobiger oder retrohafter wirkt.'
Auf dem Mond und auf dem Mars muss Technik extremen Bedingungen standhalten. Staub, Temperaturschwankungen, mechanische Belastung. Ein elegantes Glasgerät wäre dort fehl am Platz. Und noch ein praktischer Gedanke steckt hinter dem robusten Design: 'Vielleicht gibt es auf dem Mars keinen Apple-Reparaturservice ganz in der Nähe', sagt Mengual, 'also müssen die Dinge etwas länger halten.'
Diese Designphilosophie zieht sich durch alle fünf Staffeln und macht den Newton zu einem glaubwürdigen Bestandteil einer Welt, in der Technologie nicht für den Massenmarkt, sondern für das Überleben im All entwickelt wurde.
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Artikel geschrieben von:

Nina Wolf ist Redakteurin bei serien.de mit Fokus auf Sci-Fi, Fantasy und Mystery-Formate und langjähriger Streaming-Erfahrung.
Alle Artikel von NinaNina hat einen weiteren Artikel zur selben Serie verfasst.