Deshalb enttäuscht Stranger Things: Tales from '85 so sehr
TV-PG statt TV-14: Der animierte Ableger verliert den Biss der Mutterserie. Netflix zeigt Stranger Things: Tales From '85 in zehn halbstündigen Folgen, entwickelt von Jennifer Muro und Eric Robles. Wer nach Stranger Things 5 noch einmal zittern wollte, bekommt stattdessen zahmes Animationskino für Kinder.
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Neue Figur Nikki dominiert die Handlung
Die Geschichte spielt Anfang 1985, also zwischen der zweiten und dritten Staffel von Stranger Things. Im Mittelpunkt steht Nikki, eine burschikose, lautstarke Teenagerin mit einem erdbeerrosafarbenen Irokesenschnitt, gesprochen von Odessa A'zion. Sie zieht nach Hawkins, weil ihre Mutter, Mrs. Baxter, die neue Vertretungslehrerin im Fach Naturwissenschaften ist. Janeane Garofalo leiht der Mutter ihre Stimme.
Nikki ist als Außenseiterin konzipiert, die sich langsam in die Clique um Mike (Luca Diaz), Dustin (Braxton Quinney), Lucas (Elisha Williams), Will (Benjamin Plessala), El und Max einfügt. Odessa A'zion verleiht der Figur eine Energie und Glaubwürdigkeit, die den restlichen Figuren in dieser Produktion leider fehlt. Ihr Spiel ist der einzige Moment, in dem die Serie wirklich lebendig wirkt.
Die Entscheidung, eine neue Hauptfigur einzuführen, anstatt die bekannten Charaktere tiefer zu beleuchten, ist mutig, zahlt sich aber nur bedingt aus. Nikki gewinnt schnell Profil, während die vertrauten Gesichter blass bleiben.
Synchronsprecher ersetzen die Originalserie
Keiner der Originaldarsteller aus Stranger Things ist in Tales From '85 zu hören. Braxton Quinney spricht Dustin, Jolie Hoang-Rappaport übernimmt Max, Luca Diaz ist als Mike zu hören, Elisha Williams spricht Lucas, Ben Plessala gibt Will und Brooklyn Davey Norstedt leiht El ihre Stimme.
Diese Besetzungsentscheidung ist nachvollziehbar, da eine Animationsserie einen eigenen Rhythmus hat. Dennoch fällt es schwer, die neuen Stimmen mit den eingeprägten Originalen zu verbinden. Besonders bei Dustin, den Gaten Matarazzo über Jahre geprägt hat, ist der Unterschied spürbar.
Die Synchronleistungen sind solide, aber selten mehr als das. Es fehlt jene Wärme und Vertrautheit, die die Hauptserie über ihre Besetzung aufgebaut hat.
Zahme Altersfreigabe schwächt den Ton
Stranger Things lebt von seiner Spannung, seinem Horror und dem emotionalen Gewicht seiner Figuren. Die Hauptserie trägt eine TV-14-Freigabe, Tales From '85 hingegen nur TV-PG. Dieser Unterschied ist im fertigen Produkt deutlich zu spüren.
Die Bedrohungen wirken entschärft, die Konsequenzen bleiben harmlos. Was in der Originalserie echten Schrecken auslöste, wird hier zu einem harmlosen Abenteuer für ein jüngeres Publikum umgebaut. Das ist keine inhärent schlechte Entscheidung, passt aber schlecht zum Erbe der Marke.
Wer gehofft hatte, der Ableger würde die düstere Atmosphäre der späten Stranger-Things-Staffeln konservieren, wird enttäuscht. Tales From '85 fühlt sich eher wie eine Nachmittagsserie an als wie ein echter Teil des Universums.
Produktion bleibt ambitionslos und vorhersehbar
Jennifer Muro und Eric Robles haben eine Geschichte geschrieben, die formal funktioniert, aber kaum überrascht. Die zehn Folgen à rund 30 Minuten erzählen in überschaubarem Tempo, ohne wirkliche Wendungen oder emotionale Höhepunkte zu setzen. Das Potenzial des Zeitraums zwischen Staffel zwei und drei, in dem vieles offen war, bleibt ungenutzt.
Optisch orientiert sich die Animation am Stil der Ära, ohne ihn wirklich einzufangen. Die Farbpalette ist ansprechend, die Bewegungen sind flüssig, aber es fehlt jener visuelle Mut, der eine Animationsserie wirklich auszeichnet.
Stranger Things 5 zog in den ersten vier Wochen nach Veröffentlichung 30 Millionen Zuschauer an. Dieser Erfolg macht deutlich, wie groß das Interesse am Universum noch ist. Tales From '85 nutzt dieses Kapital, ohne es mit ausreichend Substanz zu füllen.
Fazit: Lichtblick ohne Strahlkraft
Tales From '85 ist kein schlechtes Produkt, aber ein enttäuschendes. Odessa A'zion als Nikki zeigt, was möglich gewesen wäre, wenn die Serie mehr Risikobereitschaft gezeigt hätte. Ihre Figur hat Tiefe, Humor und Eigenständigkeit, die den Rest der Produktion beschämt.
Für sehr junge Zuschauer, die noch nicht mit der Hauptserie vertraut sind, mag Tales From '85 ein angenehmer Einstieg sein. Für alle anderen bleibt es ein Ableger, der mehr verspricht als er hält.
Netflix hat mit Stranger Things eine der prägendsten Serien der vergangenen Dekade produziert. Ein Animationsableger, der das Erbe dieser Serie wirklich würdigt, würde anders aussehen als das, was Tales From '85 letztlich liefert.
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Artikel geschrieben von:

Anna Schneider analysiert Serien von düsteren Mystery-Stoffen bis zu leichteren Komödien mit Fokus auf Erzählstruktur und Figurenentwicklung.
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