Bis zur letzten Episode aktiv: Will & Grace-Regisseur James Burrows gestorben

Das amerikanische Fernsehen verliert seinen prägendsten Komödien-Regisseur. James Burrows, Schöpfer und Regisseur jeder einzelnen Episode von Will & Grace, starb im Alter von 85 Jahren. Sein Werk, über 500 Episoden ikonischer Sitcoms, bleibt ohne Nachfolger.
Artikel-Inhalt
Ein Leben hinter der Kamera
James Burrows war 85 Jahre alt, als er am Freitag starb. Seine Familie teilte mit, er sei 'einer der einflussreichsten und beliebtesten Regisseure in der Geschichte des Fernsehens' gewesen, der 'Generationen von Komödie mitgeprägt und dem Publikum weltweit unermessliche Freude gebracht hat'.
Burrows begann seine Karriere in den frühen 1970er Jahren und baute sich über Jahrzehnte eine Stellung auf, die im amerikanischen Fernsehen nahezu unerreicht blieb. Elf Emmy-Auszeichnungen dokumentieren eine Laufbahn, die weit über einzelne Serien hinausgeht.
Sein letztes Projekt war die zehnteilige Serie Mid-Century Modern aus dem Jahr 2025, die von Will & Grace-Schöpfern David Kohan und Max Mutchnick entwickelt wurde. Burrows führte bei allen zehn Episoden Regie, bis zuletzt ungebrochen aktiv.
Cheers, Will & Grace und mehr
Burrows co-kreierte Cheers gemeinsam mit Glen und Les Charles und inszenierte 236 der insgesamt 270 Episoden. Diese Zahl allein beschreibt, wie eng er mit der Serie verwachsen war. Bei Will & Grace führte er bei jeder einzelnen Folge Regie, sowohl in der Originalserie als auch im Revival von 2017 bis 2020.
Dazu kommen 75 Episoden von Taxi, 49 von Mike & Molly, 32 von Frasier und 15 von Friends. Wer die großen amerikanischen Sitcoms der vergangenen fünfzig Jahre kennt, kennt unweigerlich die Handschrift von James Burrows.
NBC würdigte ihn mit den Worten: 'Jimmy Burrows war der Mann hinter dem Vorhang. Er wusste, wie man zum Lachen bringt, welche Knöpfe man drücken muss, und war der absolute Meister darin, das Beste aus jedem Witz herauszuholen.'
McCormack trauert um seinen Mentor
Will & Grace-Star Eric McCormack meldete sich auf Instagram zu Wort und schrieb: 'Wir haben heute einen Giganten verloren, einen Mentor für mich und einen lieben Freund. Der 400-Kilo-Gorilla der TV-Komödie für fünfzig Jahre, er wurde von allen geliebt und hat nicht nur eine Spur, sondern einen Fußabdruck hinterlassen. Ein unglaubliches Vermächtnis.'
McCormack arbeitete jahrelang eng mit Burrows zusammen, der bei jeder Folge von Will & Grace auf dem Regiestuhl saß. Diese Kontinuität war selten und prägte das Zusammenspiel zwischen Regie und Ensemble nachhaltig.
Auch Rick Rosen von der Agentur WME, der Burrows seit Langem vertrat, fand klare Worte: 'Jimmy war der größte komödiantische Fernsehregisseur in der Geschichte des Mediums. Er inszenierte die ikonischsten, prägendsten Serien ganzer Generationen. Stets ein Gentleman, war es eine absolute Ehre, ihn zu vertreten.'
Eine Industrie nimmt Abschied
Journey Gunderson, Direktorin des National Comedy Center, hob hervor, wie tief Burrows das Handwerk der Sitcom verändert hat: 'Nur wenige Persönlichkeiten hatten einen größeren Einfluss auf die TV-Komödie als James Burrows. Er half dabei, den Klang, den Rhythmus und die Sprache der modernen Fernsehkomödie zu formen und das Sitcom-Format als Kunstform zu erheben.'
Gunderson betonte zudem, Burrows habe Generationen von Autoren, Darstellern, Regisseuren und Geschichtenerzählern beeinflusst. Sein Werk sei in die Geschichte der Komödie selbst eingewoben.
Die Reaktionen aus der Branche zeigen, wie breit sein Einfluss war. Von Agenturen über Sender bis hin zu Kulturinstitutionen: Kaum jemand, der mit Fernsehkomödie zu tun hat, blieb von seiner Arbeit unberührt.
Sein Erbe bleibt unvergessen
Wer Cheers, Friends oder Will & Grace schaut, erlebt die Arbeit von James Burrows, auch wenn sein Name im Abspann oft übersehen wird. Timing, Kameraführung, das präzise Gefühl für den richtigen Moment: Das ist sein Beitrag, unsichtbar und gleichzeitig allgegenwärtig.
Burrows arbeitete bis ins hohe Alter. Mid-Century Modern, sein letztes Projekt, erschien 2025. Dass er noch mit über 84 Jahren alle Episoden einer neuen Serie inszenierte, sagt viel über seine Leidenschaft für das Medium aus.
James Burrows hinterlässt ein Werk, das in Hunderten von Episoden weiterlebt. Wer eine dieser Serien einschaltet, begegnet ihm noch immer.
Mehr zu „Will & Grace"
Artikel geschrieben von:

Julia Fischer analysiert Serien mit besonderem Fokus auf erzählerische Details, Charakterentwicklung und Genre-Mix.
Alle Artikel von Julia