James Burrows prägte Cheers über 237 Folgen wie kein zweiter Regisseur

·20.06.2026, 00:46 Uhr·4 Min
James Burrows prägte Cheers über 237 Folgen wie kein zweiter Regisseur
Bild: NBC · TMDB

Er stand nie vor der Kamera, trotzdem ist sein Fingerabdruck auf jeder großen Sitcom der letzten 50 Jahre. James Burrows, gestorben mit 85, gewann 11 Emmys und inszenierte über 50 Comedy-Piloten. Wer künftig den Ton einer Sitcom prägen soll wie er, bleibt offen.

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Ein Tod, der eine Ära beendet

James Burrows starb diese Woche im Alter von 85 Jahren. Kaum eine andere Einzelperson hat das Aussehen, die Atmosphäre und den Rhythmus der amerikanischen Fernsehkomödie so nachhaltig geprägt wie er. In den vergangenen 50 Jahren war Burrows der stille Architekt hinter einigen der erfolgreichsten Sitcoms überhaupt.

Sein Weg begann 1974 mit vier Episoden der Mary Tyler Moore Show. Seitdem sammelte er elf Emmy Awards und fünf Auszeichnungen der Directors Guild of America. Cheers, das er gemeinsam mit den Charles-Brüdern mitentwickelte, steht dabei stellvertretend für sein Lebenswerk: 237 inszenierte Folgen, eine Bostoner Bar als perfektes Labor für Figuren, die bis heute nachwirken.

Burrows hinterließ sein letztes Regieprojekt bei der Hulu-Serie Mid-Century Modern, bei der er alle zehn Episoden inszenierte. Parallel dazu zeigen Stimmen aus der Branche, darunter Eric McCormack, wie tief der Verlust sitzt. McCormack, der in Will & Grace jahrelang unter Burrows' Regie arbeitete, gehört zu jenen, die öffentlich um ihn trauern.

Zahlen, die für sich sprechen

Die schiere Menge an Burrows' Arbeit ist kaum zu fassen. Neben 237 Cheers-Episoden inszenierte er 75 Folgen von Taxi, jeweils Dutzende Episoden von Frasier, Friends und Mike & Molly sowie sämtliche Folgen von Will & Grace, sowohl in der Originalserie als auch in der Neuauflage. Mehr als 50 Comedypiloten tragen seinen Namen als Regisseur.

Im Jahr 2016 widmete ihm ein Sender eine Primetime-Sondersendung anlässlich seiner 1.000. inszenierten Episode als Fernsehregisseur. Jene tausendste Folge entstand für die Serie Crowded, ein Detail, das vor allem Trivia-Fans aufhorchen lässt. Der Abend war eine seltene öffentliche Würdigung für einen Regisseur in einem Medium, das Regisseure traditionell im Schatten lässt.

Diese Zahlen erzählen allerdings nur einen Teil der Geschichte. Wer die Liste der Serien durchgeht, erkennt schnell: Burrows war nicht einfach ein fleißiger Handwerker. Er war der Mann, der das Genre mitdefiniert hat.

Fernsehen vergisst seine Regisseure

Das Fernsehen gilt seit seinen Anfängen als Domäne der Autoren und Produzenten. Namen wie Rod Serling, Norman Lear, David Chase, Matthew Weiner oder Aaron Sorkin sind Begriffe, die sofort mit ihrer jeweiligen Ära verbunden werden. Regisseure hingegen verschwinden meist im Hintergrund, obwohl sie maßgeblich dafür verantwortlich sind, wie eine Serie klingt, aussieht und sich anfühlt.

Dabei reicht der Einfluss von Regisseuren bis in die Frühzeit des Mediums zurück. Karl Freund, der als Kameramann an Metropolis und Dracula gearbeitet hatte, wurde von Desi Arnaz für I Love Lucy engagiert und brachte die polierte Schwarz-Weiß-Ästhetik mit, die das erste goldene Zeitalter des Fernsehens prägte. Robert Butler inszenierte den Piloten von Hill Street Blues und legte damit die Grundlage für einen neuen Realismus im Fernsehen.

Gertrude Berg und das Duo Lucy und Desi zeigen, dass auch Frauen und Produzenten früh das Medium formten. Doch wer die Geschichte ehrlich aufschreibt, kommt an den Regisseuren nicht vorbei. Burrows steht in dieser Tradition, übertrifft sie aber in seinem Ausmaß.

Cheers, Friends und das unsichtbare Handwerk

Cheers und Taxi markieren einen Höhepunkt der Arbeitssitcom. Eine Bostoner Bar und eine New Yorker Taxigarage wurden zu idealen Bühnen für präzise kalibrierte Figuren, die den schmalen Grat zwischen Chaos und Charme perfekt hielten. In der DNA dieser Serien stecken Einflüsse von Norman Lear und der Mary Tyler Moore Show, und aus dieser DNA wiederum speist sich fast alles, was danach kam.

Friends und Will & Grace setzten die Tradition der Freundschaftssitcom fort und schufen Maßstäbe, die bis heute gelten. Burrows verdient Anerkennung für das, was Zuschauer bewusst wahrnahmen: die Wärme, das Timing, die Energie. Noch mehr verdient er sie für das, was niemand bemerkte. Die Form des Tresens in Cheers, die Säule in Monicas Wohnung bei Friends, die Darstellung schwuler Intimität in Will & Grace. All das waren keine Zufälle.

Kritiker, die die Multi-Kamera-Comedy als altmodisch oder faul abtun, übersehen, dass eine Folge von Taxi oder Cheers heute genauso funktioniert wie bei ihrer Erstausstrahlung. Das ist kein Zufall und kein Verdienst des Lachpublikums. Das ist Handwerk.

Burrows als Darsteller seiner selbst

Kurz vor seinem Tod erlebte Burrows eine ungewöhnliche Würdigung: In der HBO-Serie The Comeback spielte er sich selbst, als Ikone der Fernsehkomödie und als lebendiges Symbol einer Industrie, die sich gegen Verdrängung behauptet. Showrunnerin Lisa Kudrow und Michael Patrick King wählten ihn, weil niemand diese Rolle glaubwürdiger hätte verkörpern können.

Burrows spielte sich klug, empathisch, etwas knurrig und trotz jahrzehntelanger Erfahrung vollkommen zukunftsorientiert. Es war das höchste Kompliment, das eine Serie einem Regisseur machen kann. In wenigen Wochen werden die Emmy-Nominierungen bekanntgegeben. Sollte Burrows dort posthum bedacht werden, dann nicht für seine Regiearbeit, sondern für diesen Auftritt.

Sein letztes Regieprojekt, die zehn Episoden von Mid-Century Modern bei Hulu, die in Deutschland über Paramount+ sowie den Paramount+ Amazon Channel und den Paramount Plus Apple TV Channel verfügbar ist, rundet ein Lebenswerk ab, das seinesgleichen sucht. Burrows hörte nie auf zu arbeiten. Und das Fernsehen wäre ohne ihn ein anderes Medium.

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Quelle: NBCZuletzt aktualisiert: 20.06.2026, 00:46 Uhr

Artikel geschrieben von:

Sophie Hartmann
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Sophie Hartmann
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Sophie Hartmann analysiert seit mehreren Jahren Serienwelten mit Fokus auf Action, Sci-Fi, Fantasy und Mystery.

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