Alien: Earth kehrt mit demselben unheimlichen Klang zurück

Ein Zufallsfund verändert, wie Horror klingt. Komponist Jeff Russo baute eine aztekische Todesflöte zum Kern des Alien: Earth-Scores, der auf Disney+ läuft. Für Zuschauer bedeutet das: Der Schrecken sitzt diesmal tiefer als erwartet.
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Zufallsfund wird zum Markenzeichen
Der Ausgangspunkt war ein glücklicher Zufall: Tontechniker Michael Perfitt brachte eines Tages eine aztekische Todesflöte ins Aufnahmestudio. Jeff Russo griff das Instrument auf, spielte es einige Male und erkannte sofort sein Potenzial für die Serie.
Das Ergebnis war überzeugend. Der besondere Klang der Flöte erzeugt genau jene Anspannung und Beklemmung, die man spürt, wenn man einem Xenomorph gegenübersteht. Russo ist überzeugt, dass das Instrument auch in der zweiten Staffel wieder zum Einsatz kommen wird.
Neben der Todesflöte setzte Russo auf ein weiteres ungewöhnliches Instrument: ein sogenanntes Bassdesmophon, das von einem Schweizer Unternehmen eigens für diese Produktion gebaut wurde. Der Klang ist roh, guttural und tief, was dem Score eine körperliche Wucht verleiht.
Emotion ohne Romantik: eine Gratwanderung
Eine besondere Herausforderung stellte die emotionale Kerngeschichte der Serie dar. Sydney Chandler spielt Wendy, ein sterbendes Kind, dessen Bewusstsein in einen synthetischen Körper übertragen wird. Alex Lawther verkörpert an ihrer Seite eine zentrale Rolle in dieser vielschichtigen Beziehungsdynamik.
Russo beschreibt die musikalische Aufgabe als feinen Balanceakt: Die Musik musste emotional sein, ohne romantisch zu klingen. Diese Grenze präzise zu treffen, erforderte viel Fingerspitzengefühl bei der Komposition.
Für die Figur des Eye Midge konnte Russo in der ersten Staffel noch kein eigenes Thema entwickeln. Er hofft, dies in der zweiten Staffel nachholen zu können, um dem Charakter musikalisch mehr Tiefe zu verleihen.
Verbindung zur Filmreihe bewusst gesetzt
Alien: Earth ist die erste Geschichte der Franchise, die vollständig auf der Erde spielt. Showrunner Noah Hawley reiht sich damit in eine illustre Regisseursliste ein: Ridley Scott, James Cameron, David Fincher, Jean-Pierre Jeunet und Fede Álvarez prägten die Filmreihe zuvor.
Russo orientierte sich beim Score bewusst an den Vorbildern. Jerry Goldsmith schuf den Soundtrack zum ersten Alien-Film, James Horner komponierte für Aliens. Russo übernahm einzelne Stilmittel, etwa die Verwendung von Hörnern mit Nachhall und Spannungsbögen durch hohe Streicher.
Gleichzeitig wollte Russo einen eigenständigen Klang entwickeln, der der neuen Handlungsebene auf der Erde gerecht wird. Die Serie soll musikalisch erkennbar zur Franchise gehören, aber eine eigene Identität besitzen.
Staffel 2 bereits in Planung
Russo hat bereits sieben der acht Drehbücher der zweiten Staffel gelesen. Sobald Noah Hawley ihm die Skripte schickt, beginnt der Komponist automatisch, musikalische Ideen zu entwickeln und Konzepte für das nächste Kapitel zu formulieren.
Die aztekische Todesflöte wird aller Voraussicht nach auch in der zweiten Staffel eine Rolle spielen. Russo sieht das Instrument als festen Bestandteil des klanglichen Universums von Alien: Earth.
Offen bleibt, wann die zweite Staffel bei Disney+ erscheinen wird. Ein konkretes Startdatum steht noch aus.
Klang als Erzählmittel bei Alien: Earth
Russo nutzt Musik in Alien: Earth nicht nur als Untermalung, sondern als eigenständiges Erzählmittel. Jedes Instrument wurde gezielt ausgewählt, um Stimmungen und Charakterentwicklungen zu verstärken.
Das Bassdesmophon aus der Schweiz ist dafür ein gutes Beispiel: Es wurde nicht von der Stange gekauft, sondern eigens für diese Produktion angefertigt. Dieser Aufwand zeigt, wie ernst Russo die klangliche Identität der Serie nimmt.
Mit diesem Ansatz gelingt es dem Soundtrack, die visuelle Wucht der Serie zu ergänzen und gleichzeitig eine eigene emotionale Sprache zu entwickeln, die Zuschauer bei Disney+ unmittelbar anspricht.
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Warum Alien: Earth selbst in ruhigen Szenen unter die Haut geht
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Seit 1979 galt eine Regel für Alien-Serien. Alien: Earth ignoriert sie.
Jeder kennt den Xenomorph, trotzdem zeigt Alien: Earth ihn kaum. Regisseur Noah Hawley setzt auf weite Einstellungen und lange Einstellungsdauern statt auf Schockschnitte. Das ist ein direkter Bruch mit dem Regelwerk, das seit dem ersten Alien-Film als Pflichtprogramm gilt.

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Artikel geschrieben von:

Nina Wolf ist Redakteurin bei serien.de mit Fokus auf Sci-Fi, Fantasy und Mystery-Formate und langjähriger Streaming-Erfahrung.
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