Abgesetzt, aber nicht vergessen: Watson liefert noch eine Wende
Abgesetzt nach zwei Staffeln, aber das Finale schlägt noch einmal voll zu. Morris Chestnut spielt den todkranken Dr. Watson, dessen eingebildeter Sherlock ihn plötzlich nicht mehr erkennt. Was als medizinisches Drama begann, endet als psychologischer Albtraum.
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Sherlock erkennt Watson plötzlich nicht mehr
Der vielleicht erschütterndste Moment der vorletzten Folge kommt in einer schlichten, aber verheerenden Szene: Sherlock Holmes blickt Dr. John Watson an und fragt ihn, ob er ihn kenne. Diese Frage trifft Watson, weil Sherlock keine eigenständige Figur ist, sondern ein Symptom seines Glioblastoms, eines aggressiven Hirntumors, den Watson bisher nicht behandeln lässt.
Robert Carlyle spielt Sherlock Holmes in dieser Serie als Projektion von Watsons Unterbewusstsein. Dass diese innere Stimme ihren 'Schöpfer' plötzlich nicht mehr zu kennen scheint, deutet auf eine gefährliche Verschlechterung von Watsons Zustand hin. Morris Chestnut trägt als Dr. John Watson die emotionale Last dieser Entwicklung und zeigt, wie sehr sein Charakter zwischen Verleugnung und Zusammenbruch schwankt.
Nurse Carlin DaCosta, gespielt von Margot Bingham, und Shinwell Johnson, verkörpert von Ritchie Coster, stehen Watson in dieser schwierigen Phase zur Seite. Beide Figuren geraten durch Watsons Weigerung, sich behandeln zu lassen, zunehmend in einen Konflikt zwischen professioneller Pflicht und persönlicher Fürsorge.
Eddie Izzard als Sebastian Moran
Das Serienfinale bringt mit Eddie Izzard einen prominenten Gaststar ins Spiel: Die britische Komikerin und Schauspielerin übernimmt die Rolle des Sebastian Moran, einer Figur aus der Vergangenheit von Watson und Sherlock Holmes. In der Vorlage von Arthur Conan Doyle ist Moran ein ehemaliger Militäroffizier und einer der gefährlichsten Gegenspieler im Umfeld von Professor Moriarty.
Die Logline des Finales beschreibt einen scheinbar zufälligen Mord vor dem Krankenhaus UHOP, der die Bühne für Morans Auftritt bereitet. Ob Izzards Version der Figur als Bedrohung, als Verbündeter oder als etwas dazwischen erscheint, bleibt bis zur Ausstrahlung offen.
Die Besetzung von Eddie Izzard in dieser Rolle ist ein bewusstes Signal der Macher: Für ein Serienfinale, das gleichzeitig das Ende der gesamten Serie bedeutet, wollte man offensichtlich eine Figur einführen, die das Gewicht der Sherlock-Holmes-Mythologie spürbar macht.
Absetzung nach zwei Staffeln
Watson endet nicht aus künstlerischer Entscheidung, sondern weil die Serie nach zwei Staffeln abgesetzt wurde. Das Finale am 3. Mai ist damit nicht nur der Abschluss einer Handlung, sondern das endgültige Ende einer Produktion, die sich eine dritte Staffel nicht mehr erarbeiten konnte.
Die Absetzung macht den Twist mit Sherlocks Gedächtnislücke noch bitterer: Offene Fragen rund um Watsons Gesundheit, seine Beziehung zu den Figuren um ihn herum und das Schicksal von Sherlock als Symptom oder Symbol werden möglicherweise nicht vollständig beantwortet werden können.
Für Margot Bingham als Nurse Carlin DaCosta und Ritchie Coster als Shinwell Johnson bedeutet das Finale ebenfalls einen abrupten Abschied von Figuren, die über zwei Staffeln hinweg aufgebaut wurden und nun in einer einzigen Folge zu einem Abschluss gebracht werden müssen.
Watsons Krankheit als dramatischer Kern
Das kreativste und mutigste Element von Watson war von Beginn an die Entscheidung, Sherlock Holmes nicht als reale Figur, sondern als Halluzination seines erkrankten Partners zu zeigen. Robert Carlyle spielt diesen Sherlock mit einer Ambivalenz, die sowohl tröstlich als auch beunruhigend wirkt: Er ist gleichzeitig Schutzengel und Warnsignal.
Watsons Weigerung, sein Glioblastom behandeln zu lassen, ist der psychologische Motor der gesamten Serie. Sie erklärt, warum er Sherlock als Begleiter braucht, und macht gleichzeitig deutlich, dass dieser Begleiter ein Zeichen dafür ist, dass Watson sich selbst aufgibt.
Die Frage, ob Watson im Finale die Behandlung akzeptiert und damit möglicherweise Sherlock für immer verliert, ist der eigentliche emotionale Einsatz des Abschlussabends. Morris Chestnuts Darstellung dieser inneren Zerrissenheit hat der Serie ihre besondere Qualität verliehen.
Finale am 3. Mai: Was erwartet Fans
Das Finale mit dem Titel 'The Cobalt Fissure' vereint alle laufenden Handlungsstränge: den Mord vor dem UHOP-Krankenhaus, die Ankunft von Sebastian Moran und den eskalierenden Zustand von Dr. John Watson. Die Folge verspricht laut offizieller Beschreibung, jemanden aus der gemeinsamen Vergangenheit von Watson und Sherlock ins Zentrum zu rücken.
Eddie Izzards Auftritt als Moran könnte dabei als Spiegel für Watson dienen: eine Figur, die sowohl mit der Welt von Sherlock Holmes als auch mit Watsons eigenem Leben verknüpft ist und möglicherweise Antworten auf Fragen mitbringt, die Watson bisher verdrängt hat.
Wer die Serie verfolgt hat, sollte das Finale nicht verpassen: Es ist der letzte Abend mit Morris Chestnut, Robert Carlyle, Margot Bingham und Ritchie Coster in diesen Rollen. Wo das Finale außerhalb der USA abrufbar sein wird, hängt von den jeweiligen Lizenzvereinbarungen der Streaming-Anbieter ab.
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Artikel geschrieben von:

Sophie Hartmann analysiert seit mehreren Jahren Serienwelten mit Fokus auf Action, Sci-Fi, Fantasy und Mystery.
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