25 Tonnen Propan später: House of the Dragon setzt neue Maßstäbe im Serienfernsehen

Serienfernsehen gilt als das kleinere Format, doch House of the Dragon sprengt diese Grenze. 23 Stuntleute gleichzeitig in Flammen, 3.500 Requisiten und vier eigens gebaute Schiffssets widersprechen jedem TV-Standard. Was als Streaming-Serie begann, produziert nun auf einem Niveau, das selbst Blockbuster-Produktionen herausfordert.
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Weltrekord und gewaltige Produktionszahlen
Beim SXSW London präsentierte das Team hinter House of the Dragon beeindruckende Produktionsdaten zur dritten Staffel. Neben dem Weltrekord von 23 gleichzeitig entfachten Stuntleuten in einer einzigen Einstellung umfasste die Produktion 15.000 Statisten für Stuntszenen, 3.500 Requisiten und 25 Tonnen Propan.
Showrunner Ryan Condal formulierte es beim Panel unmissverständlich: 'Diese Sequenzen sind, das sage ich mit voller Überzeugung, so wie es noch nie zuvor im Fernsehen gemacht wurde.' Der Aufwand galt vor allem der ersten Episode der neuen Staffel, in der die Schlacht am Gullet stattfindet.
Für den Bau der Kulissen wurden ein Nasstank, ein Trockentank, ein Unterwassertank und vier Schiffssets errichtet. Insgesamt kamen drei Millionen Liter Wasser zum Einsatz.
Die Schlacht am Gullet erklärt
Die Schlacht am Gullet gilt im fiktiven Westeros als die blutigste Seeschlacht in der Geschichte des Targaryen-Bürgerkriegs. Sie findet auf dem schmalen Meeresarm statt, den Lord Corlys Velaryon, gespielt von Steve Toussaint, mit seiner Flotte blockiert, um Königsmund von Handelswegen und Nahrungslieferungen abzuschneiden. Rhaenyras Drachenreiter greifen gleichzeitig aus der Luft an.
Auf der Gegenseite steht Admirälin Sharako Lohar, gespielt von Abigail Thorn, die als Verbündete von Tyland Lannister (Jefferson Hall) in den Kampf zieht und eine persönliche Rechnung mit dem Seeschlangen zu begleichen hat. Ihr Schiff trägt den Namen Bitchfist. Toussaint kommentierte trocken, er habe beim Erfahren des Namens die Fassung bewahren müssen.
Condal zog einen direkten Vergleich zur Filmgeschichte: 'Ich bin ein großer Herr-der-Ringe-Fan. Stell dir vor, du machst Herr der Ringe und sagst dann einfach: Helm's Klamm war verrückt, ihr hättet dabei sein sollen. Nein. Du musst die Schlacht zeigen.'
Vier Jahre Vorbereitung, ein Weltrekord
Condal gab zu, dass ihn und Produktionsdesigner Jim Clay die Planung dieser Sequenzen seit fast vier Jahren begleitet hat. Physischer Produzent Kevin de la Noy war ebenfalls tief in die Vorbereitung eingebunden, soll laut Condal aber auch regelmäßig über das Budget geklagt haben.
Condal scherzte auf dem Panel: 'Der Bauaufwand, den ihr für eine einzige Episode betrieben habt, ist irgendwie verrückt und offen gesagt unverantwortlich.' Gleichzeitig betonte er, dass genau dieser Aufwand notwendig gewesen sei, um dem Moment gerecht zu werden.
Die Schiffe wurden separat für Trocken- und Nassaufnahmen gebaut. Das Flaggschiff von Lord Corlys, die 'Queen That Never Was', benannt nach seiner verstorbenen Frau Rhaenys, stand auf einem Gimbal im Trockentank. Sharako Lohars Schiff Bitchfist wurde auf Schienen montiert, damit es in das andere Schiff krachen konnte.
Schauspieler zwischen Wasser, Feuer und Wespen
Die Vorbereitung der Darsteller umfasste wochenlange Stunt-Choreografie sowie intensive Briefings mit Modellen und Fotos. Abigail Thorn legte für die Rolle zehn bis fünfzehn Kilogramm Muskelmasse durch Schwertkampf- und Boxtraining zu. Dann kam der erste Drehtag auf dem rutschigen, blutbespritzten Deck. 'Das gesamte Stunt-Team hatte zuvor für Superhelden gedoppelt', sagte Thorn. 'Die Menschen, die uns das Kämpfen beibrachten, waren Captain America, Deadpool und Wonder Woman.'
Steve Toussaint schilderte das Problem mit seiner Rüstung: Im Training ließ sich ein Tritt auf Brusthöhe noch elegant ausführen. In voller Rüstung reichte das Bein kaum noch bis zu den Knien des Gegners. Abubakar Salim, der Alyn of Hull spielt, kämpfte derweil mit einem Helm, der ihm ständig über die Augen rutschte.
Thorn geriet außerdem versehentlich in Brand, weil sie sich zu nah an einer Zündquelle befand. Ihr erster Gedanke galt der Perücke: 'Ich rief vom Schiff runter: Ist in der Perücke irgendetwas Brennbares? Und die sagten: Ja, Haare!' Zusätzlich attackierte ein Wespenschwarm die Crew mitten in einer Kampfszene.
Staffel 3 und der Weg zur vierten
Das übergeordnete Thema der dritten Staffel beschreibt Condal als die Frage, was der Eiserne Thron mit einem Menschen macht, sobald man ihm nahe genug kommt. Das Gefühl, das die Staffel begleiten soll, ist das der Unaufhaltsamkeit: Es gab einmal einen Moment, an dem sich die Familie noch hätte retten können. Dieser Moment ist endgültig vorbei.
Der Konflikt wurzelt in einem fatalen Missverständnis am Ende der ersten Staffel. Der sterbende König Viserys (Paddy Considine) flüsterte Königin Alicent (Olivia Cooke) eine Prophezeiung über Aegon den Eroberer zu. Alicent deutete die Worte falsch und ließ ihren Sohn Aegon II. (Tom Glynn-Carney) zum König krönen, obwohl Viserys Rhaenyra (Emma D'Arcy) als Erbin bestimmt hatte. Staffel zwei endete mit dem offenen Bürgerkrieg.
Staffel drei setzt unmittelbar dort an. Eine vierte Staffel wurde bereits bestellt. Auf die Frage, ob er sich noch weitere Staffeln vorstellen könne, antwortete Condal knapp und unter großem Gelächter des Publikums: 'Nein. Vier schaffe ich.'
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Artikel geschrieben von:

Sophie Hartmann analysiert seit mehreren Jahren Serienwelten mit Fokus auf Action, Sci-Fi, Fantasy und Mystery.
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