1.700 Anwohner protestierten gegen Baywatch, und das war erst der Anfang

·07.06.2026, 21:16 Uhr·4 Min
1.700 Anwohner protestierten gegen Baywatch, und das war erst der Anfang
Bild: NBC · TMDB

Eine TV-Serie löste in Australien fast eine Bürgerbewegung aus. Baywatch drehte 1998 in Avalon Beach und wollte dauerhaft bleiben, doch 1.700 Einwohner blockierten das Vorhaben öffentlich. Dass eine der meistgesehenen Serien der Welt so massiven Widerstand provozierte, hatte niemand erwartet.

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Australien rebellierte gegen die Produktion

Als Baywatch 1998 Episoden in Avalon Beach, Australien, drehte und einen dauerhaften Umzug dorthin erwog, formierte sich massiver Widerstand. Rund 1.700 Einwohner des Küstenorts erschienen bei einer öffentlichen Versammlung, um gegen die Pläne zu protestieren. Die Beschwerden reichten von der Sperrung öffentlicher Strandabschnitte über Lärmbeschränkungen für Anwohner bis hin zur Bedrohung der lokalen Koala-Population.

Produzent Greg Bonnan reagierte gereizt auf die Kritik. Er erklärte: 'Wir gehen nicht dorthin, wo wir nicht willkommen sind. Es geht darum, wer uns einladen möchte, in sechs Jahren rund 185 Millionen Euro in der Region auszugeben.' Der Umzug nach Australien kam letztlich nicht zustande.

Der Vorfall offenbarte ein grundlegendes Problem vieler Großproduktionen: das Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichem Interesse und dem Recht lokaler Gemeinschaften auf ihren eigenen Lebensraum.

Jeremy Jacksons erschreckende Geständnisse

Jeremy Jackson, der in der Serie Hobie Buchannon spielte, sorgte 2024 für Entsetzen, als er in der Dokumentation 'After Baywatch: Moment in the Sun' gestattete, heimlich in die Wohnwagen seiner Kolleginnen eingedrungen zu sein, um deren Badeanzüge zu beriechen. Gegenüber Entertainment Weekly wurde er mit den Worten zitiert: 'Ich bin nach den Drehs in ihre Trailer geschlichen und habe ihre getragenen Badeanzüge genommen.' Über Nicole Eggert, die Summer Quinn spielte, sagte er zudem, es habe zwischen ihnen einen 'intimen Moment' gegeben, von dem sie nichts gewusst habe.

Gegenüber Moderator Howard Stern hatte Jackson bereits früher eingeräumt, sich an einem Badeanzug von Pamela Anderson befriedigt zu haben. Die Reaktionen in sozialen Netzwerken fielen eindeutig aus: 'Das ist ekelhaft', schrieb ein Nutzer auf X. Ein anderer kommentierte: 'Was für ein Widerling.'

Die Aussagen rückten ein strukturelles Problem ins Bewusstsein: Dass solche Übergriffe auf dem Set jahrelang unbemerkt oder ungeahndet blieben, wirft Fragen nach dem Schutz weiblicher Darstellerinnen in der Unterhaltungsindustrie auf.

Körpernormen setzten alle unter Druck

Die Darsteller von Baywatch unterlagen strikten körperlichen Vorgaben. Nicole Eggert berichtete in der Dokumentation, dass es den Schauspielern vertraglich untersagt war, mehr als zwei Kilogramm zu- oder abzunehmen. Angelica Bridges, die Taylor Walsh verkörperte, ergänzte: 'Wir mussten fit bleiben, wir durften keine Cellulite bekommen. Der Druck war enorm.'

Auch männliche Darsteller blieben davon nicht verschont. Jeremy Jackson schilderte, dass Produzenten ihn wegen seiner 'dünnen Arme und dem kleinen Bauchansatz' angesprochen hätten, woraufhin seine Mutter einen Personal Trainer engagierte.

Diese Praxis spiegelt eine Produktionskultur wider, die körperliche Makellosigkeit über das Wohlbefinden der Beteiligten stellte, und die bis heute in der Branche diskutiert wird.

Pamela Anderson, Tommy Lee und das Sexvideo

Pamela Andersons Beziehung mit Mötley-Crüe-Schlagzeuger Tommy Lee brachte die Schauspielerin mitten in ihre Baywatch-Zeit in einen der größten Medienskandale der 1990er-Jahre. Ein privates Sexvideo, das das Paar aufgenommen hatte, wurde gestohlen und verbreitet. Baywatch-Mitschöpfer Michael Berk gab in der Dokumentation an, das Studio habe zeitweise erwogen, Anderson vom Set zu suspendieren. Die Einschaltquoten verdoppelten sich laut Berk stattdessen.

Lees Eifersucht eskalierte mehrfach am Set. Anderson beschrieb in ihrem Tagebuch, das The Guardian zitierte, wie Lee ihren Wohnwagen verwüstete und mit der Faust durch einen Schrank schlug, nachdem er erfahren hatte, dass sie eine Kussszene mit David Chokachi, der Cody Madison spielte, gedreht hatte. Bei einem weiteren Vorfall rammte Lee sein Auto in den Make-up-Wohnwagen der Produktion.

Die Vorfälle zeigen, wie wenig Schutz Andersons Arbeitsumfeld ihr in einer Phase extremer persönlicher Belastung bot.

Rassismus und fehlende Vielfalt am Set

Gregory Alan Williams, der Garner Ellerbee spielte, gehörte zu den wenigen nicht-weißen Darstellern der Serie. In 'After Baywatch' schilderte er, wie er beim Fotoshooting für Werbematerialien der ersten Staffel weggeschickt wurde. Ein Produzent habe ihm mitgeteilt, er werde nicht gebraucht. 'Mir wurde klar, dass ich nicht das war, was sie verkaufen wollten', sagte Williams laut Entertainment Weekly. 'Baywatch feierte europäische Schönheit.'

Alexandra Paul, die Stephanie Holden darstellte, berichtete von einem ähnlich entlarvenden Erlebnis. Sie musste lange dafür kämpfen, dass ihre Figur einen lateinamerikanischen Freund bekam. Als das Drehbuch schließlich vorlag, war die Figur als Gangmitglied angelegt. Paul intervenierte erneut, woraufhin die Figur zumindest zum 'ehemaligen Gangmitglied' umgeschrieben wurde.

Beide Schilderungen zeichnen das Bild einer Produktion, die Diversität allenfalls als Zugeständnis betrachtete, nicht als gestalterischen Anspruch.

Sexualisierung prägte das Frauenbild der Serie

Die wohl grundlegendste Kritik an Baywatch betrifft den Umgang mit seinen weiblichen Hauptdarstellerinnen. Journalistin Jill Filipovic schrieb 2024 für das US-Magazin MSNBC, die Serie habe die kulturelle Erwartung widergespiegelt, dass Frauen im Rampenlicht sexuell verfügbar für den männlichen Blick zu sein hätten. Sie beschrieb, wie die Badeanzüge im Laufe der Staffeln immer knapper wurden und Sendeminuten regelmäßig mit Zeitlupenaufnahmen laufender Darstellerinnen gefüllt wurden.

Kulturjournalistin Brooke Ivey Johnson bezeichnete die Serie in einem Essay für Metro als Paradebeispiel 'offener Misogynie'. Baywatch sei synonym geworden mit dem Anstarren dünner, weißer Frauen in knappen Badeanzügen, während inhaltlich substanzielle Handlungsstränge für die Figuren weitgehend fehlten.

Diese Kritik ist heute relevanter denn je, da ein Reboot der Serie in Entwicklung ist. Ob die neue Produktion aus den Fehlern der Vergangenheit lernt, bleibt abzuwarten.

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Quelle: NBCZuletzt aktualisiert: 07.06.2026, 21:16 Uhr

Artikel geschrieben von:

Lea Zimmermann
Autor
Lea Zimmermann
Science FictionFantasy-SerienMystery

Lea Zimmermann analysiert aktuelle Serien mit besonderem Blick für Atmosphäre, Figurenentwicklung und Erzählstruktur.

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