Zehn Nominierungen, null Siege: Kann Rooster Steve Carell den Emmy bringen?
Ausgerechnet ein College-Setting könnte Carell seinen ersten Emmy bringen. Das Scrubs-Duo Bill Lawrence und Matt Tarses tauscht Therapiecouch gegen Hörsaal und liefert mit Rooster auf HBO Max sein bisher stärkstes Ensemble-Stück. Dass eine Campus-Comedy mehr Emmy-Potenzial hat als sechs aufeinanderfolgende The-Office-Nominierungen, hätte vor einem Jahr kaum jemand gedacht.
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Ein Rekord ohne Trophäe
Zehn Emmy-Nominierungen und kein einziger Sieg: Steve Carell gehört zu den meistverkannten Talenten in der Geschichte des amerikanischen Fernsehens. Sechs aufeinanderfolgende Nominierungen als bester Hauptdarsteller in einer Comedyserie für seine Rolle als Michael Scott in 'The Office' brachten ihm zwar Ruhm, aber keine Trophäe.
Damit steht Carell in einer unrühmlichen Gesellschaft. Don Cheadle kommt auf elf Nominierungen ohne Sieg, Kristen Wiig auf zehn, Bob Odenkirk aus 'Better Call Saul' auf sieben. Den traurigen Rekord hält jedoch Angela Lansbury mit 18 Nominierungen als Schauspielerin, ebenfalls ohne einen einzigen Emmy-Sieg.
Rooster könnte das ändern. Carells Darstellung des Bestsellerautors Greg Russo, der nach einem missglückten Auftritt an einem Neuengland-College strandet, trifft genau jenen Ton, der Jurys überzeugt: witzig, verletzlich und unverkennbar menschlich.
Scrubs-Duo kehrt zur Hochform zurück
Hinter Rooster stecken Bill Lawrence und Matt Tarses, das Schöpfer-Duo, das einst 'Scrubs' zu einer der beliebtesten Krankenhauskomödien aller Zeiten gemacht hat. Ihre neue Serie tauscht die Therapiecouch von 'Shrinking' gegen Hörsäle und Sprechstunden und erzählt von einem College-Ensemble mit derselben warmherzigen Intelligenz und demselben Humor, der ihr früheres Werk ausgezeichnet hat.
Greg Russo, Carells Figur, ist ein gefeierter Thriller-Autor, der nach einem desaströsen Campusauftritt nicht mehr loslassen kann. Was als peinliche Episode beginnt, entwickelt sich zur Grundlage einer unwahrscheinlichen Gemeinschaft. Lawrence und Tarses gelingt dabei das Kunststück, ernste Themen mit leichter Hand zu behandeln, ohne in Sentimentalität abzugleiten.
Rooster verzeichnete innerhalb der ersten drei Tage nach Veröffentlichung 2,4 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer in den USA, was den erfolgreichsten Comedystart von HBO seit fast elf Jahren darstellt. Noch vor Abschluss der ersten Staffel wurde die Serie für eine zweite Staffel verlängert.
Danielle Deadwyler als dreifache Bedrohung
Danielle Deadwyler liefert in Rooster jene präzise, geerdet-kraftvolle Leistung, die sie längst zu einer der respektiertesten Schauspielerinnen ihrer Generation gemacht hat. Trotz BAFTA-, SAG- und Critics-Choice-Auszeichnungen für 'Till' und 'The Piano Lesson' wurde sie von der Oscar-Akademie zweimal übergangen, ein Versäumnis, das in der Branche noch immer für Gesprächsstoff sorgt.
Bei den diesjährigen Emmy-Verleihungen könnte Deadwyler gleich in drei Kategorien nominiert werden: als Hauptdarstellerin in Rooster, als Gastdarstellerin in einer Dramaserie für ihren Auftritt in 'Euphoria' sowie als Gastdarstellerin in einer Comedyserie für ihre szenenstehlende Rolle in der vierten Staffel von 'The Bear', in der Episode 'Worms'.
Eine solche dreifache Emmy-Kandidatur wäre außergewöhnlich und würde Deadwylers Status als eine der vielseitigsten Darstellerinnen im aktuellen Fernsehen eindrucksvoll unterstreichen.
Ein Ensemble voller Ausnahmetalente
Neben Carell und Deadwyler versammelt Rooster ein Ensemble, das für sich allein schon Aufmerksamkeit verdient. Charly Clive, bekannt aus der britischen Dunkelkomödie 'Pure', verkörpert Katie, eine Kunstgeschichtsprofessorin, in deren Leben sich Greg unbeholfen immer wieder einmischt. Die Vater-Tochter-Dynamik zwischen den beiden bildet das emotionale Herzstück der Serie.
Annie Mumolo, Oscar-nominierte Drehbuchautorin von 'Bridesmaids' gemeinsam mit Kristen Wiig, bringt ihre Erfahrung mit scharf beobachteter Komödie in die Serie ein. Emmy-Nominierter Phil Dunster, 2023 für seine Nebenrolle in 'Ted Lasso' ausgezeichnet, ergänzt das Ensemble ebenso wie Connie Britton, selbst fünffache Emmy-Nominierte.
Veteran John C. McGinley, der bereits in 'Scrubs' unter Lawrence arbeitete, schließt den Kreis zur Vergangenheit des Schöpfer-Duos. Diese Kombination aus vertrauten Gesichtern und frischen Talenten verleiht Rooster eine Tiefe, die weit über eine gewöhnliche Campuskomödie hinausgeht.
HBO Max setzt auf starke Staffel
Rooster erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem HBO Max ein außergewöhnlich starkes Programm für die Primetime-Emmy-Saison aufbietet. Dramen wie 'The Pitt' und 'Task', Komödien wie 'Hacks' und 'The Comeback' sowie Miniserien wie 'Half Man' und 'DTF St. Louis' machen den Streamingdienst zur wohl stärksten einzelnen Plattform in diesem Emmy-Zyklus.
Innerhalb dieses Wettbewerbs muss sich Rooster behaupten, was angesichts der Qualität des Ensembles und der Zuschauerresonanz durchaus realistisch erscheint. Für Steve Carell wäre eine Nominierung allein schon keine Überraschung mehr, doch der Sieg wäre eine längst überfällige Anerkennung.
Rooster ist bei HBO Max abrufbar, in Deutschland über den HBO-Max-Kanal bei Amazon verfügbar. Wer Carell in einer seiner bislang nuanciertesten Rollen erleben möchte, findet in dieser Serie genau das richtige Angebot.
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John C. McGinley prägt Rooster auf unerwartete Weise
Ein mehrseitiges Manifest über Einsamkeit prägt jetzt eine HBO-Figur. John C. McGinley verfasste den Text für Showrunner Billy Lawrence, der ihn in die Rolle des Walt einarbeitete: einen Mann ohne echte Freunde trotz äußerlichem Erfolg. Die siebte Episode von Rooster macht männliche Isolation zum zentralen Thema und trifft damit einen gesellschaftlichen Nerv.

Rooster wird fortgesetzt: HBO bestellt Staffel 2
HBO hat die Erfolgsserie Rooster offiziell für eine zweite Staffel verlängert. Die erste Staffel mit Steve Carell zieht im Schnitt 5,8 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer in den USA an und gilt damit als die meistgesehene neue HBO-Comedy seit mehr als zehn Jahren.

Rooster: Steve Carell bringt The-Office-Energie zurück
Mit Rooster hat Serienschöpfer Bill Lawrence eine neue Comedy-Perle bei HBO gelandet, die in den ersten drei Tagen nach der Premiere satte 2,4 Millionen Zuschauer auf allen Plattformen anzog. Steve Carell kehrt in der Rolle des Greg Russo zu seiner gewohnten Comedyform zurück und erinnert dabei stark an seine legendäre Figur aus The Office. Ein exklusiver Vorgeschmack auf Episode 5 zeigt, wie Greg versucht, den Kontakt zu seiner Ex-Frau wiederherzustellen: mit einem sehr vertrauten Gruß.
Artikel geschrieben von:

Emma Mueller ist Serienredakteurin mit klarem Fokus auf spannungsgetriebene Formate wie Action, Drama und Mystery.
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