Wo Not Suitable for Work aufblitzt, was es hätte sein können

·02.06.2026, 15:33 Uhr·4 Min
Wo Not Suitable for Work aufblitzt, was es hätte sein können
Bild: Hulu · TMDB

Ursprünglich hieß die Serie Murray Hill, benannt nach Manhattans langweiligsten Viertel. Das ist ehrlicher als der neue Titel, denn Not Suitable for Work ist zahmer als erwartet. Kaling hat allein den Schöpferkredit, und trotzdem fehlt der Serie ihr schärfster Stachel.

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Kaling kehrt mit Solo-Kredit zurück

Not Suitable for Work ist Mindy Kalings erste Serie, bei der sie allein als Schöpferin im Abspann steht, seit The Mindy Project. Showrunner ist ihr langjähriger Mitarbeiter Charlie Grandy, der die Produktion leitet. Die Serie folgt damit konsequent Kalings Karrieremuster: Nach der Highschool-Welt von Never Have I Ever und dem College-Setting von The Sex Lives of College Girls rückt sie nun das Leben nach dem Abschluss ins Zentrum.

Ursprünglich trug die Serie den Arbeitstitel Murray Hill, benannt nach dem Viertel südlich von Midtown Manhattan, das für seine wenig aufregende Durchschnittlichkeit bekannt ist. Der neue Titel klingt frecher, doch die Serie selbst löst dieses Versprechen nur selten ein. Fünf Singles, verteilt auf zwei gegenüberliegende Wohnungen, navigieren erste Karriereschritte und ein kompliziertes Geflecht aus Schwärmereien.

Das Ensemble und seine Baustellen

Ella Hunt spielt AJ, eine Berufseinsteigerin bei einer Investmentbank, die sich neben ihrem Kollegen Davis durch den Arbeitsalltag kämpft. Will Angus gibt diesen Davis Beau Bradley III als romantischen Möchtegern-Charmeur, der regelmäßig über seine eigenen Gefühle stolpert. Avantika spielt Abby, eine aufstrebende Celebrity-Stylistin, und vervollständigt das Wohnungstrio.

Auf der anderen Seite des Flurs wohnt Nicholas Duvernay als Kel, der im Piloten das Medizinstudium hinschmeißt, um Schauspieler zu werden. Jack Martin übernimmt die Rolle des Journalisten Josh, der trotz aller Ideale keine Skrupel kennt, wenn es darum geht, die Kontakte seines Vaters, eines Medienchef, für einen Job als Produktionsassistent zu nutzen. Jay Ellis, bekannt aus Kalings Netflix-Produktion Running Point, komplettiert den Hauptcast als Abbys und Davis' ehrgeiziger Chef Bill.

Harry Richardson spielt Austin Blanchett, einen Modekunden, der als Neffe von Cate Blanchett eingeführt wird. Das Liebesgeflecht zwischen den fünf Hauptfiguren wächst schnell zur geometrischen Übung: Wer schwärmt für wen, wer hat wen schon geküsst und wer ignoriert das alles geflissentlich?

Vier Berufsfelder, zu wenig Tiefe

Die Serie versucht, vier verschiedene Arbeitswelten gleichzeitig zu etablieren: Investmentbanking, Journalismus, Mode und Schauspiel. Das ist für eine halbstündige Komödie schlicht zu viel. Die Bank als gemeinsamer Schauplatz von AJ und Davis bekommt noch die meiste Aufmerksamkeit, verliert aber ihren Schrecken durch niedliche Subplots wie den, bei dem das gesamte Deal-Team Mieder trägt, um einen Unterwäsche-Kunden zu gewinnen.

Joshs Arbeit beim Nachrichtensender bleibt besonders blass. Er besänftigt den eitlen Moderator Wes, gespielt von Victor Garber, und die mürrische Produzentin Paula, gespielt von Judy Gold. Ein echter Kommentar zur Medienwelt entsteht daraus nie. Kels Aufeinandertreffen mit vorlauten Privatschülerinnen, die Jane Austen besser kennen als er, gehört dagegen zu den wenigen Szenen, die wirklich funktionieren.

Constance Wu stiehlt der Serie die Show

Der klarste Lichtblick ist Constance Wu als Abbys tyrannische Chefin Vanessa. Wu zeigt hier die schärfste Leistung seit Jahren: Die Figur vereint die direkte Schlagfertigkeit ihrer Durchbruchsrolle als Einwanderermutter in Fresh Off the Boat mit einer kühlen urbanen Arroganz. Jede Szene mit ihr hat eine Energie, die dem Rest der Serie fehlt.

Wus Auftritt verweist auf ein größeres Problem: Not Suitable for Work ist am interessantesten, wenn die Figuren unangenehm werden dürfen. Davis schnauzt eine Freundin an: 'Sei keine Zicke, du weißt doch, dass ich Frauen gut behandle.' AJ sagt ihrer Mutter ins Gesicht, sie habe keinen Beruf, sondern nur einen Job. Solche Momente zeigen, dass die Serie das Potenzial hätte, ihre Figuren wirklich zu sezieren.

Zu nett für echten Biss

Das Grundproblem bleibt: Not Suitable for Work hebt die weniger schmeichelhaften Seiten seiner Figuren gerade so weit an, dass man sich unwohl fühlt, ohne dass die Serie daraus eine Haltung entwickelt. Lena Dunhams Girls traf einen Nerv, weil sie den Narzissmus ihrer Generation konsequent vorführte. Kalings Serie traut sich diesen Schritt nicht.

Stattdessen bleibt ein hochglänzender Friends-Nachbau, der zwar Echos von Girls enthält, etwa wenn eine Figur plötzlich von den Eltern finanziell abgeschnitten wird, den Vergleich aber nicht aushält. Die ersten drei Folgen sind bereits abrufbar, weitere Episoden folgen wöchentlich. Wann der Start im deutschsprachigen Raum erfolgt, ist noch nicht bestätigt, die Erwartung geht in Richtung Disney+.

Ob die Serie im Laufe der Staffel noch findet, was sie sein will, bleibt abzuwarten. Die Zutaten für eine schärfere Show sind vorhanden. Bislang traut sie sich nicht, sie zu benutzen.

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Quelle: HuluZuletzt aktualisiert: 02.06.2026, 15:33 Uhr

Artikel geschrieben von:

Lena Bergmann
Autor
Lena Bergmann
Sci-Fi & FantasyMystery-SerienStreaming-Analyse

Lena Bergmann ist Serienredakteurin mit Schwerpunkt auf Sci-Fi- und Fantasy-Formate wie The Witcher und Wednesday.

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