Wer war Ted Danson wirklich, bevor Cheers ihn zur Legende machte

Künstlerische Lizenz als Ausrede, doch die Wirkung zählt mehr als die Absicht. Ted Danson erschien 1993 in Blackface beim Friars Club, während Whoopi Goldberg ihn öffentlich verteidigte und angab, das Material selbst geschrieben zu haben. Dieser Widerspruch verfolgt Danson bis heute.
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Der Abend, der alles veränderte
Im Jahr 1993 bestieg Ted Danson beim New Yorker Friars Club die Bühne, um seine damalige Partnerin Whoopi Goldberg zu roasten. Er erschien in Blackface, verwendete rassistische Beleidigungen und machte Witze über das Sexualleben des Paares. Der Aufschrei war unmittelbar: Anwesende Gäste reagierten entsetzt, und David N. Dinkins, der erste schwarze Bürgermeister New Yorks, äußerte öffentlich seinen Protest.
Danson erklärte im Podcast 'Who's With Me?' von W. Kamau Bell, wie es zu dieser Entscheidung kam. Er sei kein Stand-up-Comedian, habe nicht gewusst, wie er mit den 'großen Jungs mithalten' sollte, und sei auf die Idee verfallen, durch Blackface eine Art künstlerische Lizenz zu erlangen. 'Ich dachte, ich könnte das durchziehen', sagte er rückblickend.
Bereits nach zwanzig Sekunden auf der Bühne sei ihm klar geworden, dass er einen schweren Fehler beging. 'Ich hatte das Gefühl, meinen Finger in eine Steckdose gesteckt zu haben', beschrieb er den Moment der Erkenntnis. Was er als Satire über gemischte Beziehungen verstanden hatte, war für das Publikum schlicht verletzend.
Entschuldigung ohne Ablaufdatum
Danson macht keinen Hehl daraus, dass er sich für den Rest seines Lebens entschuldigen will und muss. 'Jemand kann heute ins Internet gehen und sagen: Was zur Hölle? Ich fühle mich verraten, ich bin wütend. Und das habe ich verursacht', sagte er gegenüber Bell. Diese Verantwortung sieht er als dauerhaft an.
Besonders scharf rechnet er mit seiner damaligen Selbstwahrnehmung ab. Er habe geglaubt, als weißer Mann etwas Wertvolles über Rasse und Rassenbeziehungen sagen zu können. 'Das war so arrogant und dumm von mir', sagte er. Jahrelang hatte er sich damit gerechtfertigt, dass seine Absichten nicht böswillig gewesen seien. Heute lässt er diese Begründung nicht mehr gelten.
'Deine Absichten spielen keine Rolle. Was zählt, ist der Schaden, den du bei Menschen anrichtest. Und wenn du das nicht durchdacht hast, dann musst du es tun', formulierte Danson seine heutige Haltung. Es sei schlicht nicht sein Platz gewesen, und er habe sich zu viel herausgenommen.
Whoopi Goldberg verteidigte ihn damals
Goldberg stellte sich 1993 öffentlich hinter Danson und erklärte, sie selbst habe einen Großteil des Materials geschrieben. 'Wir haben nicht versucht, politisch korrekt zu sein. Wir wollten für uns selbst lustig sein', hieß es in ihrer damaligen Stellungnahme. Diese Verteidigung nahm Danson in Schutz, belastete Goldberg aber gleichzeitig.
Danson entschuldigte sich im Podcast auch dafür, das Thema erneut aufzuwärmen. 'Arme Whoopi Goldberg hat mich über die Jahre hinweg liebevoll und würdevoll verteidigt. Das Letzte, was sie wahrscheinlich will, ist, wieder in diese Lage gebracht zu werden', sagte er. Eine Reaktion von Goldberg auf die jüngsten Aussagen blieb zunächst aus.
Danson heute: Cheers und Reue
Ted Danson ist vor allem als Sam Malone (Ted Danson) aus der Kultserie Cheers bekannt, die in Deutschland bei Paramount+ abrufbar ist, sowie als Michael aus The Good Place. Beide Rollen haben ihm eine treue Fangemeinde eingebracht, die seinen Namen bis heute mit warmherziger Unterhaltung verbindet.
Dass er nun, Jahrzehnte nach dem Vorfall, erneut das Gespräch sucht, zeigt, wie sehr ihn der Abend von 1993 verfolgt. Der Podcast 'Who's With Me?' von W. Kamau Bell bot ihm den Rahmen für eine der offensten Auseinandersetzungen, die er bisher mit dem Thema geführt hat.
Danson schloss mit einer erneuten Entschuldigung an alle, die zuhören: Er sei arrogant genug gewesen zu glauben, er habe etwas beizutragen gehabt. Diese Arroganz bereue er.
Kontext: Ein Skandal mit Nachwirkung
Der Vorfall beim Friars Club gehört zu den bekanntesten Kontroversen der amerikanischen Unterhaltungsgeschichte der 1990er Jahre. Blackface hat eine tief verwurzelte rassistische Geschichte in den USA, und der Einsatz dieser Praxis, selbst in einem vermeintlich satirischen Kontext, gilt als inakzeptabel.
Dass prominente Persönlichkeiten wie David N. Dinkins damals öffentlich reagierten, verdeutlicht, wie weit der Schaden über den privaten Veranstaltungsrahmen hinausging. Der Friars Club hatte nach eigenen Angaben so viele Tickets verkauft, dass ein Rückzug für Danson und Goldberg nicht mehr möglich gewesen sei.
Für Danson bleibt der Abend eine Lektion über die Grenzen guter Absichten. Sein Auftritt im Podcast zeigt einen Schauspieler, der nicht mehr hinter Entschuldigungen Deckung sucht, sondern Verantwortung ohne Einschränkung übernimmt.
Artikel geschrieben von:

Nina Wolf ist Redakteurin bei serien.de mit Fokus auf Sci-Fi, Fantasy und Mystery-Formate und langjähriger Streaming-Erfahrung.
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