Was viele über Steven Knight und Peaky Blinders - Gangs of Birmingham bis heute nicht wissen

Endlose Meetings mit Peaky Blinders? Bei der BBC undenkbar. Knight schilderte vor dem Kulturausschuss eine Arbeitskultur, in der Kreative einfach machen dürfen. Dass ausgerechnet der chronisch unterbezahlende öffentliche Sender die kreativste Umgebung bietet, widerspricht allem, was die Branche sonst predigt.
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Knight lobt BBC als kreativen Schutzraum
Steven Knight, der Erfinder von Peaky Blinders, hat die BBC als unverzichtbare Grundlage für das Entstehen der Serie bezeichnet. Vor dem parteiübergreifenden Kulturausschuss des britischen Unterhauses sagte er: 'Ich glaube nicht, dass ich Peaky Blinders außerhalb der BBC hätte machen können.' Die Serie falle in eine Kategorie des Ungewöhnlichen, des Zeitlosen, und es sei eben häufig die BBC, die sich auf solche Stoffe einlasse.
Knight beschrieb die Arbeitskultur beim Sender als ungewöhnlich produktiv. Es gebe dort weniger das Gefühl, in endlosen Meetings zu sitzen, in denen Beteiligte das Wort ergreifen, nur um ihre Anwesenheit zu rechtfertigen. Wenn die Verantwortlichen dem kreativen Team vertrauten, gelte die Devise: 'Lasst sie einfach machen.' Diese Freiheit sei für das Entstehen der Serie entscheidend gewesen.
Die BBC hatte Peaky Blinders ursprünglich 2013 in Auftrag gegeben. Was als ungewöhnliches Gangster-Drama im Birmingham der 1920er Jahre begann, entwickelte sich zu einer der bekanntesten britischen Serienproduktionen weltweit.
Knappe Budgets: Tradition seit den 1960ern
Trotz seines Lobes räumte Knight offen ein, dass die BBC nicht für üppige Honorare bekannt ist. Er verwies dabei auf das legendäre Komikerduo Eric Morecambe und Ernie Wise, das bereits in den 1960er Jahren in seinen Sketchen über die knappen BBC-Budgets spottete. 'Es ist schon immer bekannt gewesen, dass man dort nicht hingeht, wenn man das große Geld will', sagte Knight.
Stattdessen sieht er die BBC als Ort für künstlerischen Ausdruck: 'Dort geht man hin, wenn man etwas sagen will.' Diese Trennung zwischen kreativem Freiraum und finanzieller Bescheidenheit prägt die Identität des Senders seit Jahrzehnten.
Der Druck auf die BBC wächst allerdings. Da immer mehr Menschen auf Streaming-Plattformen, YouTube und andere Angebote ausweichen, sinkt die Zahl derer, die die Pflichtgebühr für den Empfang von Liveübertragungen zahlen. Gleichzeitig treibt die Inflation die Produktionskosten in die Höhe.
Warum der Film zuerst bei Netflix erschien
Der Spielfilm 'Peaky Blinders: The Immortal Man' hatte zunächst einen begrenzten Kinostart, feierte seine Premiere in Birmingham und landete dann zuerst bei Netflix, bevor die BBC ihn zeigen konnte. Knight erklärte den Grund schlicht: Netflix hatte den Löwenanteil der Produktionskosten getragen. 'Dieses Budget bekommst du nicht von der BBC', sagte er.
Seit einigen Jahren ist Peaky Blinders eine Koproduktion beider Sender: Die BBC hält die exklusiven Rechte für das Vereinigte Königreich, Netflix verwertet die Serie international. Für Zuschauerinnen und Zuschauer in Deutschland bedeutet das, dass die Serie und der Film über Netflix zugänglich sind.
Diese Konstruktion zeigt, wie sich der britische Öffentlich-Rechtliche Rundfunk mit privaten Streamingriesen arrangiert, um teure Großproduktionen überhaupt stemmen zu können.
BBC-Charta läuft 2027 aus
Der Hintergrund von Knights Aussagen ist ein laufendes parlamentarisches Verfahren. Der Kulturausschuss des Unterhauses untersucht, wie sich die 104 Jahre alte BBC an eine veränderte Medienlandschaft anpassen kann. Derzeit wird die sogenannte Royal Charter überprüft, das Grundlagendokument des Senders.
Die aktuelle Charta, die auf zehn Jahre ausgelegt ist, läuft im Dezember 2027 aus. Die BBC ist eine einzigartige Institution: Sie wird treuhänderisch von der Regierung im Auftrag der britischen Öffentlichkeit verwaltet. Ihre Finanzierung basiert auf einer Pflichtgebühr, die jeder zahlen muss, der Liveübertragungen auf einem beliebigen Gerät empfängt.
Die Frage, wie dieser Finanzierungsrahmen in einer Welt mit immer mehr Streaming-Alternativen zukunftsfähig bleibt, ist der Kern der aktuellen Debatte, in der Knight als Zeuge aussagte.
Peaky Blinders: Wo die Serie weiterläuft
Alle bisherigen Staffeln von Peaky Blinders sowie der Kinofilm sind in Deutschland bei Netflix verfügbar. Die Serie folgt der Shelby-Familie und ihrem Aufstieg im kriminellen Milieu Birminghams nach dem Ersten Weltkrieg. Knights Aussagen vor dem Unterhaus machen deutlich, dass diese Geschichte ohne den Risikogeist eines öffentlich-rechtlichen Senders möglicherweise nie erzählt worden wäre.
Knight selbst gilt als einer der produktivsten britischen Drehbuchautoren. Neben Peaky Blinders hat er unter anderem an Filmen wie Dirty Pretty Things mitgewirkt. Sein Zeugnis vor dem Ausschuss ist nicht nur eine persönliche Dankesadresse an die BBC, sondern auch ein politisches Statement zur Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Großbritannien.
Ob und wann eine mögliche Fortsetzung des Peaky-Blinders-Universums jenseits des Films kommt, hat Knight nicht konkretisiert. Ein offizieller Starttermin für ein neues Projekt steht noch aus.
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Artikel geschrieben von:

Mia Braun ist Redakteurin bei serien.de mit Fokus auf moderne Streaming-Serien und detaillierte Episodenanalysen.
Alle Artikel von MiaMia hat einen weiteren Artikel zur selben Serie verfasst.