Warum The Season Kritiker gerade so stark überzeugt

Wer nach Crazy Rich Asians auf mehr warten musste, bekommt mit The Season endlich eine Antwort. Jessie Mei Li führt durch Hongkongs glitzernde Yachtwelt, dahinter lauern Geheimnisse und ein Klassensystem mit dunkler Geschichte. Die Kritiken legen nahe: Diese Serie ist kein Ersatz, sondern etwas Eigenständiges und Schärferes.
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Das Konzept hinter The Season
The Season basiert auf keiner literarischen Vorlage. Schöpfer Yalun Tu entwickelte die Serie als eigenständiges Werk, das dennoch vertraute Muster bedient: eine Außenseiterin, die in eine hermetisch abgeschlossene Oberschicht eindringt, und ein Geflecht aus Geheimnissen, Affären und Machtspielchen. Der Titel bezieht sich auf die sommerliche Bootssaison, in der Hongkongs Privilegierte auf opulenten Yachten zwischen den Inseln der Stadt kreuzen.
Die Hauptfigur Cola Pierce, gespielt von Jessie Mei Li, kommt aus Michigan und landet dank der ehrgeizigen Finanzberaterin Carrie Shen, gespielt von Celina Jade, im innersten Zirkel der Stadt. Carrie erkennt in Cola eine Seelenverwandte: Beide sind Eindringlinge in einer Welt, die keine Neuzugänge vorsieht. Dieser Doppelblick von außen trägt die Serie durch ihre ersten Folgen.
Hongkong selbst übernimmt dabei eine eigene dramatische Funktion. Die Kamera verweilt auf der Skyline aus bewaldeten Bergen und dicht gedrängten Wolkenkratzern, streift durch Nudelrestaurants, besucht die Rennbahn und hält auf dem Fischmarkt der Insel Lamma inne, wo lebende Abalone in Becken warten. Diese Erdung im Alltag der Stadt verhindert, dass The Season zur reinen Fantasie verkommt.
Besetzung und ihre Rollen
Das Ensemble um Jessie Mei Li ist sorgfältig zusammengestellt. Toby Stephens und Karena Lam spielen Christopher und Fiona Hext, das goldene Paar der Hongkonger Gesellschaft, um das sich alle anderen Figuren wie Satelliten drehen. Christopher räumt freimütig ein, sein Wohlstand gründe auf 'Vermögen, die durch Opium und Unterdrückung aufgebaut wurden' und seine Familie habe den Kolonialismus 'praktisch erfunden'.
Chris Pang verkörpert den rüpelhaften Playboy Andrew Fung, Yvonne Chapman die junge Witwe Madeline Wong, über deren verstorbenen Mann dunkle Gerüchte kursieren. Madelines schlecht durchdachte Affäre zieht sich als Subplot durch die Serie. Xyza Cada spielt Gloria, die loyale Hausverwalterin der Hexts, eine Figur, die die Klassentrennlinie aus einer anderen Perspektive markiert.
Celina Jade als Carrie Shen ist das Verbindungsglied zwischen Cola und dieser Welt. Sie ist kein Mitglied der Erbdynastien, sondern eine Selfmade-Frau, die sich ihren Platz erkämpft hat. Diese Konstellation gibt der Serie eine zweite Erzählebene jenseits von Colas persönlichem Antrieb, der in einem Unrecht wurzelt, das der Familie Pierce durch die Hexts widerfahren ist.
Hongkong als Erzählraum
Was The Season von ähnlich gelagerten Seifenopern unterscheidet, ist die Präzision, mit der die Stadt gezeichnet wird. Figuren wechseln mühelos zwischen Englisch und Kantonesisch, ohne dass dies kommentiert oder dramatisiert wird. Das ist Alltag in Hongkong, und die Serie behandelt es als solchen.
Dieser Ansatz erinnert an Lulu Wangs Dramaserie Expats aus dem Jahr 2024, die ebenfalls in Hongkong angesiedelt war und einen schärferen, dokumentarischeren Blick auf die Expatriate-Enklave warf, inklusive der Einwanderungsarbeit, die das Leben der Elite am Laufen hält. The Season ist leichter, größer, bewusster auf Unterhaltung ausgerichtet. Den Klassengegensatz erzählt sie über Colas Familiengeschichte, nicht über eine nüchterne Bestandsaufnahme der gesellschaftlichen Verhältnisse.
Das macht die Serie nicht weniger bewusst über ihre Kulisse. Dass Christophers Reichtum auf Kolonialgeschichte fußt, wird nicht beschönigt. Aber The Season lässt diese Erkenntnis im Raum stehen, während die Kamera weiter über aufwendig dekorierte Apartments und belebte Restaurants gleitet. Das Schauspiel des Luxus bleibt der eigentliche Sog.
Vergleich mit Crazy Rich Asians
Crazy Rich Asians spielte 2018 weltweit rund 220 Millionen Euro ein, bei einem Produktionsbudget von knapp 28 Millionen Euro. Dass die romantische Komödie trotz dieses Erfolgs keine Fortsetzung erhielt, gilt in der Branche als eines der rätselhaftesten Phänomene der jüngeren Unterhaltungsgeschichte. The Season greift nun viele der gleichen Zutaten auf: asiatische Metropole, Erbdynastien, eine Außenseiterin als Identifikationsfigur, koloniales Erbe als unterschwelliger Konflikt.
Wo Crazy Rich Asians auf das Warmherzige und Romantische setzte, tendiert The Season stärker zur Seifenoper. Die Ereignisse, um die sich die Folgen gruppieren, tragen Namen wie '1920er-Shanghai-Gala' oder 'White Collar Knockout', ein Wohltätigkeitsboxkampf. Subtilität ist nicht das Ziel. Die Serie vertraut darauf, dass das Publikum die Vorhersehbarkeit der Wendungen gegen die Wucht der Bilder aufrechnet.
Dieses Kalkül geht zumindest teilweise auf. The Season bietet kein revolutionäres Erzählen, aber einen Schauplatz, der selten so detailreich auf dem Bildschirm zu sehen ist. Das reicht, um die Serie als sommerliches Serien-Ereignis zu positionieren.
Wann kommt die Serie?
The Season läuft in den USA über den Streamingdienst Hulu. Für den deutschsprachigen Raum steht ein offizieller Starttermin noch aus. Angesichts der internationalen Ausrichtung der Produktion und des Hongkonger Settings dürfte das Interesse der großen Streamingplattformen vorhanden sein.
Showrunner Yalun Tu hat mit The Season ein Projekt realisiert, das bewusst auf ein globales Publikum zielt. Die Mehrsprachigkeit der Serie, die Mischung aus westlichen und asiatischen Schauspielern sowie die universellen Seifenoper-Muster sprechen dafür, dass eine internationale Auswertung geplant ist.
Bis eine DACH-Veröffentlichung bestätigt wird, bleibt The Season für deutsche Zuschauer über internationale Zugänge erreichbar. Die Serie empfiehlt sich als Nachfolger jener Lücke, die Crazy Rich Asians hinterlassen hat, und als Porträt einer Stadt, die auf dem Bildschirm bislang selten so lebendig war.
Artikel geschrieben von:

Clara Hoffmann ist Serien-Redakteurin mit besonderem Fokus auf emotionale Drama-Serien und detailreiche Period Pieces.
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